Darum kam Sauber die Pause ganz gelegen
Hinwiler F1-Team mit schwachem Saisonstart
Der Hinwiler Rennstall hat durchzogene erste Rennen hinter sich – trotz einem grossen Update. Wird nun in Baku alles besser?
Wenn am Samstag auf dem Strassenkurs in Baku das Sprintrennen des GP von Aserbaidschan gestartet wird, geht eine lange Pause zu Ende.
Fast vier Wochen lang gab es kein Formel-1-Rennen – das ist ungewohnt für einen Sport, der seinen Kalender ständig ausbaut. Das Loch war denn auch nicht so geplant; eigentlich hätte am 16. April der GP von China stattfinden sollen. Doch er wurde schon früh wegen Corona zum vierten Mal in Serie ersatzlos gestrichen.
Bitter ist das für Sauber-Pilot Zhou Guanyu, der auch in seinem zweiten Formel-1-Jahr kein Heimrennen hat. Seinem Team allerdings kam die Pause wohl ganz gelegen. Denn es hinterliess in den ersten drei Rennen einen zwiespältigen Eindruck.
Weniger als halb so viele Punkte wie 2022
Gehörte das von der Sauber Motorsport AG betriebene Team Alfa Romeo im Vorjahr noch zu den positiven Überraschungen, sieht die Bilanz nach dem Saisonstart nun weniger berauschend aus. Sechs Punkte haben die Hinwiler bisher eingefahren, 2022 waren es zum selben Zeitpunkt 13. Sie liegen auf dem 8. Zwischenrang in der WM.
Das allein ist noch nicht allzu aussagekräftig, es fehlen nur zwei Zähler auf den 6. Platz, den das Team nach der letzten Saison belegt hatte. Aber die Entwicklung zeigte in die falsche Richtung.
Der 8. Platz von Valtteri Bottas in Bahrain zum Auftakt war verdient und vielversprechend. In Saudi-Arabien folgte der erste Rückschlag in Form eines Nullers. Und auch der GP in Australien war ernüchternd, obschon Zhou Guanyu als 9. noch zwei Punkte holte. Doch die waren eher dem Chaos in der Schlussphase des Rennens zu verdanken. Aus eigener Kraft schienen Punkte in Melbourne ausser Reichweite. Beide Autos scheiterten nämlich bereits im ersten Teil der Qualifikation – das passierte in der gesamten letzten Saison nie.
Wir sahen in Melbourne schlechter aus, als wir sind.
Xevi Pujolar, Chefingenieur
Zu denken gab dieses Resultat vor allem, weil ausgerechnet in Australien das erste grosse Entwicklungspaket ans Auto kam – eine neue Nase mit einem neuen Frontflügel. Entsprechend ratlos zeigten sich die Fahrer nach dem Rennen in Melbourne, zumal die neue Frontpartie laut den Daten eigentlich so funktionierte, wie sie sollte.

Sauber-Chefingenieur Xevi Pujolar sagte hinterher: «Wir sahen in Melbourne schlechter aus, als wir sind.» Das Auto habe nicht spezifisch in langsamen oder schnellen Kurven Schwächen. «Wir brauchen allgemein mehr Abtrieb.»
Das Problem dort war, dass die Piloten die Reifen im Qualifying nicht richtig auf Temperatur brachten – nachdem sie in den freien Trainings durchaus konkurrenzfähig ausgesehen hatten. Dass die Strecke nach Regenfällen glatt und sauber war, könnte dabei eine Rolle gespielt haben.
Auch für Bottas warens keine Ferien
Vielleicht haben die Ingenieure in Hinwil ja des Rätsels Lösung gefunden in den vergangenen vier Wochen, die auch für Valtteri Bottas nicht einfach Ferien waren. Der Finne sass mehrfach in Sauber-Werk im Simulator. «Wir haben die kleine Pause genutzt, um herauszufinden, wie wir den Zeitgewinn finden, nach dem wir suchen», sagte Bottas am Freitag an einer Medienkonferenz vor dem Rennwochenende in Baku.
Zufrieden sein kann man bei Sauber mit dem Saisonstart nicht. «Natürlich haben wir uns mehr erhofft, gerade nach dem guten Auftakt in Bahrain», sagte Teamvertreter Alessandro Alunni Bravi. «Doch die letzten beiden Strecken und womöglich auch diese hier liegen unserem Auto nicht sehr gut.»

Zuletzt war der C43 schlicht zu langsam – vor allem auch auf den langen Geraden, wo es um möglichst wenig Luftwiderstand geht. In Australien erreichten die beiden Hinwiler Boliden im Qualifying die tiefste Höchstgeschwindigkeit aller Teams. Das sind keine guten Voraussetzungen für dieses Rennwochenende in Baku, wo die mit 2,2 Kilometern längste Gerade im gesamten Formel-1-Zirkus liegt.
Sauber nahm zwar einen veränderten Heckflügel nach Aserbaidschan mit, wie es bei einer Hochgeschwindigkeitsstrecke so üblich ist. Auf Weiterentwicklungen am Auto verzichteten die Hinwiler aber wie die meisten Teams. Offenbar setzt man in Hinwil ohnehin darauf, einige grössere Update-Pakete zu schnüren und nicht an jedem Rennen mit kleinen Neuerungen aufzuwarten. Und weil in Baku auch noch ein Sprintrennen mit eigener Qualifikation stattfindet, hatten die Teams am Freitag nur ein einziges freies Training zur Verfügung – das ist zu wenig Zeit, um neue Teile am Auto wirklich zu testen.
Je wärmer, desto besser
Dafür galt es am Freitag im Qualifying schon ernst – und für die Hinwiler fiel es nur bedingt besser aus als zuletzt in Australien. Immerhin schaffte es Valtteri Bottas (Startplatz 14) in den zweiten Teil, während Zhou Guanyu (16) im ersten Teil hängen blieb. Allerdings ist das Mittelfeld sehr eng beisammen. Zhou fehlten lediglich zwei Hundertstel zum Vorstoss in den zweiten Teil des Qualifyings.
Erneut waren die Bedingungen wie in Australien deutlich kühler als im freien Training, was dem C43 offensichtlich nicht entgegenkommt. Denn am Vormittag belegten die Sauber-Piloten die Ränge 10 und 13. Immerhin: Am Samstag und Sonntag soll es in Baku deutlich wärmer sein.
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