Das hat es mit dem «Geist von Pratteln» auf sich
Zurück im Sägemehl
Wie die Oberländer in die Saison steigen, welch einmalige Gelegenheit wartet und wie das Eidgenössische nachwirkt – hier sind die Antworten.
Routiniers und ein Schnellzug
Die ersten Freiluftfeste haben die Athleten des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO) schon hinter sich. Mit durchaus guten Resultaten. So legte etwa Fabian Kindlimann unlängst auf der Hochwacht ob Sirnach zum Auftakt den starken Thurgauer Eidgenossen Domenic Schneider auf den Rücken. Und kämpfte danach um den Festsieg mit.
Der 32-jährige Fischenthaler ist mit 48 Kränzen der Erfolgreichste unter den aktiven Oberländern. Er gilt als einer der unbequemsten Gegner im Land und gehört ebenso zu den routinierten und verlässlichen Kräften wie Remo Ackermann (29) aus Hinwil und der Sternenberger Roman Schnurrenberger (27).
Dahinter sorgen jüngere Athleten für eine erfreuliche Breite im Team. Wobei mit Nicola Funk (24) heuer einer fehlt, der 2022 am Eidgenössischen schwang. Der Hinwiler verbringt ein Jahr in Kanada.
Eine starke Saison hinter sich hat der Ustermer Gian Maria Odermatt. Der 18-Jährige hat schon mehrere Stufen erklommen: Nach der Kranzpremiere 2021 gewann er letztes Jahr seinen ersten Teilverbandskranz und feierte auch die Feuertaufe am Eidgenössischen.
Sitzt er weiterhin im Schnellzug? Daniel Spörri glaubt an weitere Erfolge des Jungspunds. Der SKZO-Präsident geht allerdings auch davon aus, dass Odermatt in seiner ersten Saison als Teilverbandskranzer in der Einteilung nun härter angefasst wird und grössere Brocken vorgesetzt erhält. Spörri sagt:
Das Erreichte zu bestätigen, wäre für ihn ein idealer Schritt.
Ein Geschenk von Freunden
Das Datum des Schwyzer Kantonalschwingfests müssen sich Oberländer Schwinger in der Regel nicht merken. Heuer aber ist das anders. Mit Fabian Kindlimann, Remo Ackermann, Roman Schnurrenberger und Gian Maria Odermatt sind vier Mitglieder des Schwingklubs Zürcher Oberland am 30. April in Küssnacht am Rigi dabei.
Für das Quartett ist es nicht nur ein früher Höhepunkt der Saison, sondern auch eine einmalige Angelegenheit. Denn Organisatoren von Kantonalfesten dürfen jeweils nur zwei Klubs aus einem anderen Teilverband einladen.
Wie ist Kindlimann und Co. die Ehre zuteilgeworden, zu dem fast 250-köpfigen Startfeld gehören zu dürfen? Die Einladung fusst auf einer langjährigen Freundschaft zwischen dem Oberländer Verein und dem Schwingklub Küssnacht. Den Anfang nahm diese einst, als der Küssnachter Bruno Dober in die Region zügelte und im SKZO trainierte.
Angetreten ist Dober zwar nie für den Schwingklub Zürcher Oberland, heute aber ist er für den aktuell grössten Zürcher Schwingverein als Kampfrichter im Einsatz. Der nun in Hombrechtikon wohnende Dober ist schon vor über zehn Jahren zurückgetreten. In seiner Karriere gewann er 40 Kränze, darunter zwei eidgenössische.
Seine letzten Kämpfe bestritt Dober 2012 übrigens am Bachtel-Schwinget. Er klassierte sich damals beim Festsieg von Fabian Kindlimann im geteilten 2. Platz.

Der Beschluss nach dem Fest
Gleich sechs Athleten des Schwingklubs Zürcher Oberland standen 2022 in Pratteln am Eidgenössischen im Einsatz. Und damit mehr als erwartet. Erfreulich war zudem, dass Remo Ackermann, Remo Schnurrenberger und Fabian Kindlimann alle acht Gänge schwingen konnten und den Kranzausstich erreichten.
Einen Kranz gewann dann aber keiner, was wiederum eine leise Enttäuschung war. Und eine Reaktion auslöste. Noch in den ersten Stunden nach dem Wettkampf entstand unter ihnen das, was SKZO-Präsident Daniel Spörri den «Geist von Pratteln» nennt. Er sagt:
Sie sahen, da ist Potenzial. Realisierten aber: Es braucht noch einen Zacken mehr Ehrgeiz, mehr Training.
Die Gruppe beschloss noch vor Ort, Nägel mit Köpfen zu machen, und setzte sich ein übergeordnetes Ziel. Sie sagten sich: Wir arbeiten ab sofort auf das nächste Eidgenössische hin.
Das nur alle drei Jahre ausgetragene Fest findet 2025 im glarnerischen Mollis statt. Am selben Ort also wie im Juni das Nordostschweizer Schwingfest (NOS). Neben dem Zürcher Kantonalen und dem Heimfest auf dem Bachtel (11. Juni) ist das NOS einer der Saisonhöhepunkte für die Schwinger aus der Region.
Der Unspunnen-Schwinget Ende August ist derweil der wichtigste Anlass des Jahrs und nur einem limitierten Feld von 120 Teilnehmern vorbehalten. Fabian Kindlimann, der einzige aktive Eidgenosse aus dem Oberland, dürfte dem erlauchten Kreis angehören. Wie viele Teammitglieder begleiten wohl Kindlimann? Spörri sagt:
Können wir mit zwei Schwingern gehen, sind wir zufrieden.
