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Der Schnitt bringt ihr den Spass zurück

Jasmin Weber hat sich nach schwierigen Jahren neu ausgerichtet.

Sie blickt der neuen Saison voller Zuversicht entgegen: Jasmin Weber im Trainingslager auf Fuerteventura.

Foto: PD

Der Schnitt bringt ihr den Spass zurück

Hinwiler Triathletin Jasmin Weber

Jasmin Weber ist zuletzt an einem toten Punkt der Karriere angekommen. Jetzt richtet sich die 25-Jährige neu aus.

Auf der Website des Veranstalters läuft ein Countdown. Jasmin Weber dürfte aber auch ohne diesen jederzeit genau wissen, wie lange sie sich noch gedulden muss. «Ich glaube, meine Vorfreude war noch nie so gross», sagt die Hinwilerin.

Ihre Stimme verrät: Sie fiebert ihrem ersten Renneinsatz des Jahrs vom Samstag in einer Woche wirklich entgegen. Der Grund dafür ist simpel: Für die Oberländerin ist der Startschuss auf Cran Canaria nicht einfach ein weiterer Saisonauftakt. Es ist ein Neustart. Oder wie sie sagt: «Der Anfang meiner zweiten Karriere.»

Weber war schon vorher Triathletin. Nun aber setzt sie mit dem Schritt auf die längeren Distanzen einen gänzlich anderen Schwerpunkt. Und sie hat auch ihren Traum von der Olympia-Teilnahme 2024 beerdigt.

Das Rennen auf den Kanaren ist eine erste Standortbestimmung über die Mitteldistanz – mit 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und einem Halbmarathon zum Abschluss.

Häufig wechseln Athletinnen und Athleten erst zu einem späteren Zeitpunkt der Karriere von der Olympia-Distanz auf Mittel- und Langdistanzen. Für Weber allerdings, kürzlich erst 25 geworden, ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

Nach einem frühen Weltcup-Debüt mit 20 entwickelt sich Webers Laufbahn nicht mehr wie erhofft. Die Hinwilerin muss zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Sie hat immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen.

2021 verzichtet sie ganz auf Wettkämpfe. Mehr als einmal überlegt sich die Athletin der TG Hütten, mit Triathlon aufzuhören. Sie sagt: «Ich war immer wieder im Loch.»

Ihr Umfeld aber stützt sie in dieser Zeit. Und eine Stimme in ihrem Kopf sagt: «Mach weiter. Du hast dein Potenzial noch nicht ausgeschöpft.»

«Ich merkte, es reicht nicht»

2022 ist Weber zurück im Wettkampfzirkus. Sie bestreitet elf Rennen, den Löwenanteil davon über kurze Distanzen. Die sportlichen Enttäuschungen aber sind zahlreich, ihr Bestresultat ist ein 17. Rang im Europacup.

Irgendwann begräbt sie ihr Olympia-Ziel. Im Wissen um die starke Schweizer Konkurrenz und die eigenen Fähigkeiten. Weber spielt sich selber nichts vor. «Ich merkte, es reicht nicht.»

Mal für Mal wird sie in der letzten Saison ihren eigenen Erwartungen nicht gerecht. Und verliert zusehends den Spass. Die Triathletin und ihr Trainer Michi Rüegg sind sich bald einmal einig: So kann es nicht weitergehen. Es braucht einen Schnitt.

Aus dem Training heraus und ohne besondere Erwartungen nimmt Weber im September in der Nähe von Berlin an einem Ironman 70.3 teil. Es ist ihr erster Start über die Mitteldistanz – und eine Art Erleuchtung für sie. «Ich habe wohl noch nie so viel Freude in einem Wettkampf verspürt», sagt sie.

Zugleich sind Trainer Rüegg und sie überzeugt von ihrem Potenzial über die längeren Distanzen. Diese ganz kurzen Belastungen, wie sie etwa in der olympischen Mixed-Staffel mit 300 m Schwimmen, 6,8 km Radfahren und 2 km Laufen vorkommen, sind nicht Webers Sache.

Ihre Stärke ist etwas anderes: «Ich bin eher ein Diesel als eine Sprinterin.»

Die Finanzen leiden

Der Umstieg ist also nicht nur aus der Not heraus geboren, sondern ist auf ihre Fähigkeiten und Vorlieben zugeschnitten. Der Kampf gegen sich selber, der in einem stundenlangen Wettkampf wie einem Ironman 70.3 zentral ist, reizt Weber. «An meine Grenzen zu gehen, das liegt mir.»

Die Profitriathletin strotzt vor Zuversicht. Sie hat endlich wieder einmal über einen langen Zeitraum konstant trainiert. Und die Oberländerin freut sich, ihr Ding durchziehen zu können. Dass sie in der Planung neu völlig frei ist, hat einen Grund: Die Triathletin ist aus dem C-Kader gefallen.

Auf ihren Trainingsalltag, der sich häufig am nationalen Leistungszentrum in Sursee abspielt, hat das keinen Einfluss. Auf ihre Finanzen aber schon. Weber kann nicht mehr auf die Beiträge der Schweizer Sporthilfe zählen. Und die Absolventin der Spitzensport-RS darf statt 130 WK-Tagen nur noch deren 30 machen. Sie sagt: «Es fällt viel Geld weg.»

Ich werde meinen Weg finden.

Jasmin Weber

Letzteres macht ihr manchmal Bauchweh. Doch die Überzeugung überwiegt: «Ich werde meinen Weg finden.» Gute Resultate würden ihr dabei in mehrfacher Hinsicht helfen. Beispielsweise bei der Sponsorensuche. Und bei ihrem Vorhaben, nächstes Jahr im Langdistanz-Kader Aufnahme zu finden.

«Man kann aber nicht erwarten, dass ich im ersten Jahr durchstarte», dämpft sie die Erwartungen. Sie will sich nach der Umstellung genügend Zeit geben. Etwas Entscheidendes hat sie aber schon vor dem ersten Rennen erreicht: Weber hat wieder Spass an dem, was sie macht.

Jasmin Weber im Trainingslager auf Fuerteventura.
Der Spassfaktor ist bei Jasmin Weber wieder hoch – auch im Training.

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