Das lange Zittern führt zu Fragen
Ungewissheit als Bremsklotz
Erst mit grosser Verspätung kann der UHC Uster seine Kaderplanung vorantreiben. Das hat Folgen.
Am Schluss war es eine klare Sache. Nach dem 8:9-Ausrutscher zum Auftakt der Auf-/Abstiegsplayoffs bezwang der UHC Uster B-Ligist Obwalden viermal hintereinander. Er erzielte dabei mehr als doppelt so viele Tore wie der Gegner.
Somit endet für die Ustermer eine enttäuschende Saison versöhnlich. Die lange Ungewissheit über die sportliche Zukunft aber hat Auswirkungen. Michael Reimann waren in den letzten Wochen in der Kaderzusammenstellung die Hände gebunden. Der Sportchef sagt: «Erst jetzt kann ich Vollgas geben.»
Mehrere wichtige Personalien sind offen. Die wichtigste ist jene von Simon Meier. Der Vertrag des Trainers läuft aus. 2016 übernahm der heute 47-Jährige erstmals den UHC Uster. Nach seinem zwischenzeitlichen beruflich bedingten Abgang kehrte er 2020 zurück.
Reimann sagt: «Wir wollen mit ihm weitermachen.» Und ergänzt, es sehe gut aus. Bis der Vertrag in trockenen Tüchern ist, muss sich Reimann aber wohl gedulden. Meier ist auch Trainer des Schweizer U19-Teams und in dieser Funktion in nächster Zeit stark gefordert. In knapp 20 Tagen steht mit der WM in Dänemark der Saisonhöhepunkt an.
Das Ustermer Kader für nächste Saison steht derweil in Grundzügen. Mehr als zehn Spieler haben ihre Zusage gegeben, bei den Ausländern hingegen ist erst klar, was mit Markus Kulmala passiert.
«Ich gehe in Pension.» Mit diesen Worten hat der 30-jährige Stürmer seinen Abschied verkündet. Der zuletzt von körperlichen Problemen geplagte Finne spielte die letzten vier Saisons in Uster.
Verlängern würde der Klub gerne mit den drei weiteren Ausländern – Topskorer Patrik Doza, dem in den Auf-/Abstiegsspielen dominanten Tschechen Martin Prazan sowie Daniels Janis Anis.
Wenn das Alter untergeht
Der Lette hat seine Punkteausbeute gegenüber der Vorsaison mehr als verdoppelt. In den Playouts und in der Serie gegen Obwalden war er gar der erfolgreichste Ustermer Stürmer. Was bei ihm gerne untergeht: Er ist erst 20, absolvierte einige U21-Partien und zählt nicht zum Ausländerkontingent.
Vieles spricht für seinen Verbleib. Anis studiert noch ein Jahr in der Schweiz und würde gerne weiter für den UHC Uster stürmen. Offener ist die Ausgangslage bei Prazan und Doza. Bei Letzterem ist entscheidend, wie gut er sich von seinem Meniskusriss erholt. Der Topskorer bestritt nur 16 Spiele – in denen aber sammelte er eindrückliche 42 Punkte.
Und wie sieht die weitere Kaderplanung aus? Reimann sagt, man werde einige Nachwuchsspieler integrieren. «Wir werden aber auch den einen oder anderen externen Zuzug benötigen.»
Es dürfte für ihn allerdings einmal mehr ein schwieriges Unterfangen werden, im Einzugsgebiet der NLA-Schwergewichte GC und Rychenberg Winterthur fündig zu werden. Was kann der UHC Uster denn bieten? Wichtige Rollen für aufstrebende Spieler, findet Reimann. «Bei uns kann man sich entwickeln. Die Leute merken langsam, dass das nicht einfach leere Worte sind.»
Der Sportchef arbeitet darauf hin, dass es zu möglichst wenigen Wechseln im Kader kommt. «Wir wollen das Team nicht um 100 Grad drehen, sondern unseren Aufbau weitertreiben. Es war nicht alles schlecht, auch wenn vieles nicht nach Plan lief.»
Uster kassierte beispielsweise am meisten Gegentore. Und zählte in den Spezialsituationen (Boxplay, Powerplay) zu den Kellerkindern der NLA. Dennoch fehlten nur vier Punkte zum Playoff-Einzug.
Zufall oder nicht?
Reimann sagt mit einem Blick auf die Saison denn auch: «Ich hoffe, sie war ein Ausrutscher.» Seine Aussage überrascht im ersten Augenblick. Der UHC Uster spielt zwar seit 2010 ununterbrochen in der NLA. In den Playoffs aber ist er ein seltener Gast.
Das letzte Verpassen der K.-o.-Phase als Referenz für die jüngere Vergangenheit zu nehmen, wäre trotzdem unfair. In den vergangenen sechs Jahren beendeten die Ustermer die Qualifikation dreimal in den Top 8.
Dahin soll es künftig auch wieder gehen. Reimanns Ziel: Der UHC Uster soll sich im Mittelfeld etablieren. Dafür braucht es allerdings mehr Konstanz als in der abgelaufenen Saison. In dieser waren die ständigen verletzungsbedingten Ausfälle das Hauptproblem. Ein halbes Dutzend Spieler verpassten mehr als zehn Partien – darunter Eckpfeiler des Teams wie Doza und Claudio Schmid. Bisweilen trat Uster mit einem Rumpfkader an.
Für den Sportchef ist darum klar, dass die Ustermer Verantwortlichen neben der normalen Saisonanalyse eine Ursachenforschung betreiben wegen der vielen Verletzen. Reimann fragt sich: «Ist das Zufall oder nicht?» Und ist sich wohl bewusst, dass diese Frage eine veritable Knobelaufgabe sein dürfte.