Jetzt plaudern auch die Grossen mit ihm
Walder Biathlet Sebastian Stalder
Sebastian Stalder hat sich diesen Winter in der erweiterten Weltspitze etabliert. Das eröffnet ihm verlockende Perspektiven.
Als reine Pflicht will er den Start an den nationalen Meisterschaften nicht sehen. Hohen sportlichen Wert aber geniesst die SM im Goms, die am Freitag begonnen hat, bei Sebastian Stalder nicht mehr.
Entsprechend locker packt er die Rennen an. Es sind seine letzten nach einem kräftezehrenden Winter. «Nochmals alles rauspressen», will der Walder im Wallis mit dem Saisonende in Sicht, «danach kann ich auftanken.»
Ich bin selber überrascht, wie gut es von Anfang an lief.
Sebastian Stalder
Fünf Jahre nach seinem Weltcup-Debüt hat sich Stalder endgültig auf höchster Stufe etabliert. Mehr noch: Zusammen mit Niklas Hartweg trug er massgeblich zum Aufschwung der Schweizer Biathlonmänner bei, die im Nationenranking Fünfte wurden.
Als Achter feiert Stalder im Dezember seine Weltcup-Premiere in den Top Ten, am Schluss weist der Oberländer sechs Platzierungen in den ersten zehn auf.
Im Gesamtweltcup übertrifft er mit Rang 17 seine eigenen, hoch gesteckten Erwartungen, in die Top 25 zu kommen. Er sagt: «Ich bin selber überrascht, wie gut es von Anfang an lief.»
Eine Bank im Massenstart
Stalder hat sich mit seinen Leistungen einen Namen gemacht. In der Öffentlichkeit, vor allem aber auch bei den Topbiathleten, denen sein Durchbruch nicht entgangen ist.
«Jetzt werde ich wahrgenommen», sagt der 25-Jährige. Das war letzte Saison noch nicht der Fall. «Nun aber kommt im Ziel auch mal ein Grosser vorbei, um zu fragen, wie es mir gelaufen ist.»
Seine stärkste Disziplin war der Massenstart, in dem er eine aussergewöhnliche Konstanz an den Tag legte und immer in die Top Ten lief.
Stalders persönlicher Höhepunkt des Winters: An der WM in Oberhof verpasste er als Siebter die «Flower Ceremony», die Ehrung unmittelbar nach dem Rennen, lediglich um einen Wimpernschlag.
Weshalb liegen ihm Massenstart-Rennen so gut? Stalder tut sich mit einer Erklärung schwer. «Ich weiss es selber nicht so genau.»
Eine Vermutung hat er immerhin. Im Gegensatz zu Einzelstarts kann er in dieser Disziplin von stärkeren Läufern profitieren, sich hinter ihnen verstecken «und im Windschatten etwas saugen».
Die Sache mit der Technik
In der Loipe verliert Stalder auf die Weltbesten weiterhin einiges an Zeit. Da sieht er Verbesserungspotenzial.
Der A-Kader-Athlet hat realisiert, wie sauber er technisch läuft, ist von Rennen zu Rennen sehr unterschiedlich.
«Wenn ich mich gut fühlte, hat meine Lauftechnik explosiv und stark ausgesehen. War ich weniger schnell, war auch die Technik schlechter.» Stalder weiss unterdessen, dass die Technik entscheidender ist, als er gedacht hatte.
Beeindruckend ist derweil seine Konstanz im Schiessstand: Niemand schoss im Weltcup-Zirkus besser. 454 der 501 Schüsse setzte Stalder ins Schwarze, also 91 Prozent.
Denselben hohen Wert erreichte einzig Sturla Holm Laegreid. Der Norweger feuerte aber weniger Schüsse ab.

Bei Stalders Treffsicherheit mag es nicht erstaunen, bezeichnete ihn der Speaker am Weltcup-Rennen in Antholz als «Wilhelm Tell des Biathlons».
Der Walder ist sich bewusst: Viel besser geht es wohl nicht mehr. Nun steht für ihn im Fokus, das Niveau halten zu können.
Das Podest ist in Schlagdistanz
Die Erfolge haben Stalder Selbstvertrauen gegeben, ihm ebenfalls die nötige Lockerheit verschafft, um enttäuschende Resultate schneller abzuhaken.
Und die Perspektiven sind erfreulich. Kann er nächste Saison an die Leistungen anknüpfen, dürfte ein Podestplatz nur eine Frage der Zeit sein.
Wenn sich eine Chance dafür auftut, muss ich diese aber auch nutzen.
Sebastian Stalder
Schon diesen Winter packte Stalder mehr als einmal eine letzte Runde in den Top 3 an, rutschte dann aber noch nach hinten. Er sagt: «Ich weiss, dass das Podest greifbar geworden ist. Wenn sich eine Chance dafür auftut, muss ich diese aber auch nutzen.»
Auf Stalder warten aufregende Zeiten. Im Dezember ist die Schweiz mit Lenzerheide erstmals Austragungsort eines Biathlon-Weltcups. Ein Jahr später steht am selben Ort die Heim-WM an.
Stalder sieht sich und das Team auf Kurs. Er ist sicher: «Machen wir weitere Schritte, sind wir fähig, an der WM 2025 um Medaillen mitzukämpfen.»