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Wenn die Absage eine Erlösung ist

Im April wollte Fabienne Schlumpf die Olympia-Marathonlimite knacken, aber ein Infekt hat sie gestoppt.

Einsatz gestrichen: Fabienne Schlumpf ist nicht in der Lage, im Frühling einen Marathon zu laufen.

Foto: Christian Merz

Wenn die Absage eine Erlösung ist

Wetziker Läuferin zieht Notbremse

Im April wollte Fabienne Schlumpf in Wien die Marathonlimite für die Olympischen Spiele 2024 knacken. Ein Infekt wirbelt ihre Pläne nun durcheinander.

Einen Trainingsplan hat Fa­bienne Schlumpf derzeit nicht. Sie bewegt sich nach Lust und Laune, muss dabei aber auf die Signale ihres Körpers hören.

Die fehlende Struktur im Training ist ein deutliches Zeichen, dass es der besten Schweizer Marathonläuferin nicht reibungslos läuft. Schlumpf hat kürzlich die Notbremse ziehen müssen.

Dieses stän­dige Auf und Ab braucht mental viel Energie.

Fabienne Schlumpf

Die Wetzikerin bestreitet ­heuer keine internationalen Meisterschaften. In knapp einem Monat ­hätte die Läuferin aber den ersten von zwei geplanten Marathons des Jahres absolviert. Mit dem Ziel, die Limite von 2:26:50 Stunden für die Olympischen Spiele 2024 zu unterbieten.

Am 23. April wäre sie in Wien angetreten. Jetzt aber hat sich die Schweizer Mara­thonrekordhalterin (2:26:14) entschieden, auf einen Start zu verzichten.

Der Beschluss wirbelt ihre Pläne durcheinander. Er schmerzt die 32-Jährige.

Zugleich aber sagt sie: «Die Absage ist auch eine Erlösung.»

Die Fahrt schlägt aufs Gemüt

Schlumpfs gesamte Vorbereitung ist holprig verlaufen. Gute Phasen wechselten sich ab mit Rückschlägen.

Nach Weihnachten war sie beispielsweise krank, im Januar schlug sie sich, gegen Ende des Trainingslagers in Portugal, mit einer Entzündung an der Ferse herum.

«Solche kleinen Dinge kann man nicht brauchen», sagt Schlumpf. «Für ­einen Marathon braucht es ein paar gute Wochen auf hohem Trainingsniveau.»

Die körperliche Achterbahnfahrt hat ihr aufs Gemüt geschlagen. «Dieses stän­dige Auf und Ab braucht mental viel Energie.»

Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Stecker gezogen.

Fabienne Schlumpf

Hochs und Tiefs erlebte Schlumpf nach anderthalb guten Wochen zuletzt auch plötzlich im Höhentrainingslager in Süd­afrika. Krank fühlte sich die Oberländerin zwar nie, aber halt nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte.

Sie sagt: «Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Stecker gezogen.»

Die erfahrene Athletin verfügt über ein gutes Körper­gefühl. Sie war sich darum sicher: Etwas stimmt nicht. «Ich kann Trainingsmüdigkeit von Er­schöpfung unterscheiden.»

Schliesslich reiste Schlumpf vorzeitig heim. In der Hoffnung, die Probleme seien durchs Training in der Höhe verursacht worden.

Besserung trat zu Hause indes nicht ein, sodass sich Schlumpf untersuchen liess. Eine präzise Diagnose hat sie nicht erhalten.

«Aber es gibt ein paar Hinweise auf einen Infekt. Solche Geschichten können sich hinziehen», ist sich Schlumpf bewusst.

Positiv für sie: Nach ihrer Herzmuskelentzündung im letzten Jahr hat man jetzt das Herz gründlich untersucht und festgestellt, dass es gesund ist.

Lüften vor dem Neuaufbau

Seit anderthalb Wochen fühlt sich die Zwölfte des Olympia-Marathons von Tokio wieder gut. Sie hat im Grundlagenbereich gearbeitet, jetzt forciert sie etwas. «Ich muss dabei aber vorsichtig sein.»

Eine Prognose, wann sie voll ins Training einsteigen kann, ist nicht möglich. Schlumpf nützt die Zeit, «um den Kopf zu lüften, bevor ich mich wieder konzen­triert an die Arbeit mache».

Ihr neues Ziel ist, im Herbst einen Marathon zu absolvieren. Wann und wo Schlumpf den vertagten Angriff auf die Olympia-Limite nachholt, ist offen.

Bis Ende April 2024 läuft die Qualifikationsphase für die Spiele in Paris, die Schlumpfs Karriere­höhepunkt sein sollen.

Einen ersten Augenschein an der Strecke, an deren steilster Stelle die Steigung 13,5 Prozent beträgt, hat sie schon genommen. «So schlimm wie auf dem Plan fand ich sie nicht. Ich bin allerdings auch hin­aufspaziert und nicht gerannt», sagt sie und lacht.

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