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Bei «Pfanni» ist Feuer im Dach

Der UHC Pfannenstiel spielt häufig vor vollen Tribünen.

Der UHC Pfannenstiel kann daheim auf die Unterstützung des Publikums zählen.

Foto: PD

Bei «Pfanni» ist Feuer im Dach

Heisse Atmosphäre in Egg

Der UHC Pfannenstiel hat sich ein treues Stammpublikum erarbeitet. Die Resultate helfen, der Klub unternimmt aber auch viel, um die Tribünen zu füllen.

Ein zweites Final-Heimspiel hat sich der UHC Pfannenstiel nicht mehr erkämpfen können. Seit Samstag und der dritten Niederlage gegen Davos-Klosters ist ­seine Saison vorbei.

Die letzte ­Begegnung der Serie verfolgten mehr als 600 Zuschauer in Davos. Auf eine so hohe Zahl ist «Pfanni» daheim zwar noch nie gekommen. Der Rekord liegt bei knapp 500.

Dafür ist der Oberländer Erstligist für seine lautstarken Fans und die ausserordentlich gute Stimmung in der Kirchwies in Egg bekannt.

«Wir würden uns wünschen, öfters vor einem solchen Publikum spielen zu können», sagten etwa Spieler von A-Ligist Zug United letzte Saison nach ihrem Cup-Sieg. In der NLB war das ­Bedauern derweil gross, als der «Farbtupfer» aus dem Oberland 2019 wieder abstieg.

Und der Marketingverantwortliche eines NLA-Vereins hat «Pfanni»-Verantwortlichen im Vertrauen gesagt, er orientiere sich bei seiner Arbeit primär an drei anderen Klubs – darunter an ihrem.

Die Komplimente kommen nicht von ungefähr. Der UHC Pfannenstiel hat in den letzten Jahren sportlich einige schöne Geschichten geschrieben. Und zugleich sein Profil als familiärer Verein geschärft, mit dem sich die Mitglieder sehr stark identifizieren.

Trotz sportlichen Ansprüchen stehen das Kollektiv und der Spass im Fanionteam an erster Stelle. Die Mischung verfängt: «Pfanni» hat seine Zuschauerbasis in den letzten Jahren erfolgreich verbreitert. Der Unihockeyverein generiert nun Publikum über die eigenen Mitglieder hinaus.

Wahnsinn, was hier immer wieder abgeht.

Christof Maurer, Vorstand und Assistenztrainer

Verfolgten vor zehn Jahren durchschnittlich weniger als 100 Personen die Heimspiele, waren es zuletzt mehr als doppelt so viele – Qualifikation und Playoffs zusammengerechnet. Über 300 Fans feuerten «Pfanni» ­heuer in den Playoffs jeweils ­daheim an.

Zum Vergleich: Zugs NLA-Playoff-Schnitt liegt mit 399 Zuschauern nicht entscheidend höher. Der Lärmpegel aber dürfte einiges kleiner gewesen sein als in Egg. «Wahnsinn, was hier immer wieder abgeht», sagt Christof Maurer, der beim UHC Pfannenstiel im Vorstand für PR und Marketing zuständig ist.

Als Assistenztrainer kann er die Stimmung immer hautnah mitverfolgen. Maurer macht kein Geheimnis daraus, beim Blick in die Zuschauermenge manchmal mit den Tränen zu kämpfen.

Der Aufschwung beginnt in der Saison 2016/2017, an deren Ende das Team erstmals in die NLB aufsteigt.

Plötzlich spricht man in Egg am Stammtisch über den lokalen Unihockeyverein, die Tribünen werden immer voller.

Für Maurer ist klar: Sportlicher Erfolg und Zuschauerzuspruch sind eng verknüpft. «Wenn man keinen Erfolg hat, kommen die Leute nicht. Ohne Leute in der Halle kommt aber auch der Erfolg nicht.»

Griff zu den Lockmitteln

Die guten Resultate sind dennoch nur ein kleiner Grund für die Steigerung der ­Zuschauerzahlen. Mindestens so wichtig sind die Massnahmen, die der UHC Pfannenstiel ergriffen hat, um Publikum anzu­locken und ihm etwas zu bieten.

Vereinfacht gesagt heisst für Mau­rer die Strategie: «Wir wollen, dass sich die Zuschauer willkommen fühlen.»

Um weg vom Turnhallen­groove zu kommen, hübscht der Oberländer Erstligist die Kirchwies optisch jeweils auf. Den Eingang schmücken Wimpel in den Vereinsfarben. Es stehen Rollbanner mit lebensgrossen Fotos von Spielern da. Mit Mottos wie «Egal, weli Liga, immer Pfanni».

Auf Tischen liegen Auto­grammkarten bereit. In der ­Halle wiederum hängen riesige far­bige Plakate, die Spieler laufen durch ein aufblasbares Eingangstor ein, manchmal gar an der Hand von Einlaufkindern. Unter den Zuschauern werden Fahnen und Ratschen verteilt, zudem heizen regelmässig zwei Trommler ein.

«Huere wichtig» findet Maurer all diese kleinen Dinge, von denen er sagt: «Wir machen sie mit viel Liebe.» Zentral ist für ihn, «dass Feuer im Dach ist. Ich habe lieber 150 Fans, die Stimmung machen, statt 400, die einfach nur dasitzen.»

Die Nahbarkeit der Erstliga-Spieler, die im «Pfanni»-Nachwuchs Trainings leiten, ist ein kleines Mosaiksteinchen. Deren private Netzwerke ebenso. Viele Spieler sind seit Jahren dabei, was ihre Identifikation verstärkt.

Die hohe Sichtbarkeit

Längst ist der UHC Pfannenstiel kein Klub mehr unter vielen, er hat sich einen Namen geschaffen. Die Visibilität von «Pfanni» in der Szene ist hoch. Dafür betreibt der Klub einen hohen Aufwand.

Auf der Vereinswebsite schaltet er zu jedem Spiel Vorschauen und Berichte auf, dem Fachportal unihockey.ch schickt er nach jeder Partie zahlreiche Fotos. Es kann darum nicht erstaunen, ist dessen Erstliga-Berichterstattung häufig mit «Pfanni»-Fotos bebildert.

Wir heben uns von anderen ab.

Christof Maurer, Vorstand und Assistenztrainer

Um die Werbetrommel zu rühren, versendet Maurer vor wichtigen Partien auch einmal zwischen 400 und 500 Whatsapp-Nachrichten. «Ich versuche aber, Mass zu halten.» Er ist sich bewusst, ein zu häufiger Einsatz kann Leute vergraulen.

Aufmerksamkeit generiert der Klub mit seinem Instagram-Account, dessen Beiträge nicht alle bierernst gemeint sind. Maurer schwärmt von den geilen Ideen, die der dafür Verantwortliche hat, und ist überzeugt: «Wir heben uns von anderen ab.»

Von den Gegnern unterscheidet sich Pfannenstiel in einem weiteren relevanten Punkt – zumindest von jenen in den Playoffs. Sie verlangten nämlich allesamt Eintritt.

Darauf verzichteten die Oberländer. Und werden das auch künftig tun. Sie rücken nicht den kommerziellen Aspekt ins Zentrum, sondern wollen eine möglichst volle Halle.

Maurer sagt: «Wir haben lieber mehr Publikum als ein paar Franken mehr in der Kasse.»

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