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Die Playoffs sind das Spiegelbild der Wetziker Saison

Nach dem Halbfinal-Aus suchen die Verantwortlichen beim EHC Wetzikon nach den Gründen.

Grosse Hoffnungen, enorme Enttäuschung: Der EHCW (im Bild Denis Vrabec) hat sein Ziel nicht erreicht.

Foto: Christian Merz

Frust beim EHCW

Nach dem Halbfinal-Aus suchen die Verantwortlichen beim EHC Wetzikon nach den Gründen. Einer der Punkte: die fehlende Konstanz.

Die Uhr ist zu diesem Zeitpunkt noch der Freund des EHC Wetzikon, als im vierten Halbfinal-Spiel die 51. Minute anbricht. Der Oberländer Erstligist führt in Bellinzona 4:2 – die «Belle» ist zum Greifen nahe.

Dann aber folgen die bittersten 51 Sekunden der Saison für den EHCW, nach denen alles ganz anders ist und die Uhr zum Feind wird. Nach 52:12 Minuten ist die Gegentorflut zu Ende. Jetzt steht es plötzlich 4:5 aus Wetziker Sicht.

Die Sekunden scheinen ab diesem Zeitpunkt viel schneller zu zerrinnen als vorher. Zu retten gibt es für die Mannschaft von Christian Modes nichts mehr, sie verliert letztlich 4:6.

So etwas habe ich noch nie erlebt.

Christian Modes, Trainer EHC Wetzikon

Beim EHCW herrscht auch mit einer Nacht Abstand Fassungslosigkeit über den späten Einbruch. Trainer Modes sagt: «So etwas habe ich noch nie erlebt.»

Nach dem Spiel herrschte völlige Stille in der Garderobe, jeder hängt seinen Gedanken nach. «Man hätte ein Nadel fallen hören können», sagt Diego Piceci und beschreibt die Atmosphäre als «beängstigend».

Weiterhin fehlt ihm ein Erklärungsansatz für den Zusammenbruch. «Es ist schwierig einzuordnen, was passiert ist.»

Neben der Leere dominiert beim Aufstiegsaspiranten Wetzikon eine fast grenzenlose Enttäuschung. In der letzten Saison noch stand der EHCW immerhin im Final, verlor diesen aber gegen Frauenfeld. Nun ist schon im Halbfinal Schluss.

Dabei ist Sportchef Piceci sicher, damals die richtigen Schlüsse gezogen und das Team verstärkt zu haben. «Wir sind schwerer und jünger geworden.» Dann sinniert er: «Wo wir nun den Hebel ansetzen müssen, weiss ich noch nicht.»

Die Sache mit dem Fokus

Klar ist für Sportchef und Trainer: Der Verlauf der Serie gegen Bellinzona ist ein Spiegelbild der ganzen Saison. Der EHCW beendete die Qualifikation zwar auf dem 2. Rang, läuft dann mit drei Siegen durch die Viertelfinals gegen Herisau.

Doch häufig erfüllen die Wetziker die eigenen Erwartungen und auch die hohen des Umfelds nicht. Piceci sagt: «Wir haben es kaum einmal geschafft, unser Spiel dominant durchzuziehen. Gegen so eine routinierte Mannschaft wie Bellinzona reichen einfach 20 oder 40 gute Minuten nicht.»

Den Fokus in einem Spiel immer behalten zu können, das sei der springende Punkt.

In jedem der vier Halbfinals ziehen die Oberländer eine Schwächephase ein. Im ersten Spiel kassieren sie in elf Minuten vier Gegentore, in den nächsten zwei Partien jeweils deren drei in weniger als einem halben Drittel, gefolgt vom Drama in der Begegnung am Dienstag.

«Wir haben schlicht zu viele Gegentore erhalten», sagt Modes, der die GDT Bellinzona lobt: «Am Ende waren sie die bessere Mannschaft. Mit ihrem Powerplay kamen wir beispielsweise nie zurecht.»

Der Druck wird grösser

Das Startspiel ist für den Trainer wegweisend gewesen. «Das haben wir ‹verhanget›», sagt er. In der Folge stehen die Wetziker bereits unter Zugzwang.

Überhaupt stellt sich die Frage, ob der Aufstiegsanspruch negative Auswirkungen hatte auf die Equipe. «War es zu viel Druck? War die Erwartungshaltung zu gross?», fragt sich Piceci. Die Antworten aber kennt er nicht.

Nach dem Scheitern muss der EHCW einen weiteren Anlauf nehmen. Für den Sportchef ist die Konsequenz daraus, «dass der Druck jedes Jahr grösser wird.»

Wetzikon Gilles Buff reagiert nach dem 4:2 durch GDT.
Die Wetziker (Gilles Buff, Mitte) kassierten in den Halbfinals zu viele Gegentore. (Foto: Christian Merz)

In den vergangenen Monaten haben die Wetziker die Kaderplanungen zweigleisig vorangetrieben. Sie haben vier Zuzüge kommuniziert, den Rücktritt des langjährigen Verteidigers Luzi Schneider sowie mehrere Vertragsverlängerungen. Darunter jene von Topskorer Gian Andrea Thöny und von Christian Modes.

Sportchef Piceci sieht nach der jüngsten Enttäuschung keinen Grund für Kritik am Trainer, der beim EHCW die zweite Saison als Headcoach hinter sich hat. «Das Spiel am Dienstag in Bellinzona ist sicher nicht auf der Bank verloren gegangen», sagt er.

Der Sportchef spricht davon, man wolle beim EHCW nachhaltig etwas aufbauen und stärkt dem Trainer dezidiert den Rücken. «Er hat einen Topjob gemacht.»

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