Wetzikon bricht völlig auseinander
Plötzlich geht nichts mehr
Der EHC Wetzikon verliert in Bellinzona wegen vier späten Gegentoren 4:6. Der Oberländer Erstligist scheidet dadurch in den Halbfinals aus.
Diese Niederlage dürfte für den Oberländer Erstligisten nur ganz schwer zu verdauen sein. Rund neun Minuten vor Schuss führt der EHC Wetzikon am Dienstagabend in Bellinzona 4:2. Er scheint auf gutem Weg, sich in den Playoff-Halbfinals in die «Belle» zu retten.
Dann aber folgt innert 51 Sekunden der komplette Zusammenbruch. Die Wetziker kassieren in dieser Phase drei Gegentreffer, liegen plötzlich 4:5 hinten.
Plötzlich hat man uns den Stecker gezogen.
Diego Piceci, Sportchef EHCW
Sie rappeln sich zwar nochmals etwas auf, kommen gar zu ihrem einzigen Powerplay der Partie. Doch jetzt zittern den Gästespielern die Hände. Sie spüren, wie nah das Saisonende und damit die ganz grosse Enttäuschung ist. Rund drei Minuten vor Schluss kassiert der EHCW gegen die nun völlig euphorisierten Tessiner das 4:6
Aus und vorbei. Statt am Donnerstag nochmals die Chance zu haben, die Aufstiegshoffnungen in die höchste Amateurliga am Leben zu erhalten, endet die Meisterschaft für die personell gut bestückte Mannschaft von Trainer Christian Modes früh. 1:3 verliert sie die Best-of-5-Serie gegen Bellinzona. Und muss nun einiges aufarbeiten.
Der Sportchef ringt um Worte
Der EHCW kassiert in den vier Partien gegen die Tessiner 23 Gegentore. Das ist schlicht zu viel.
Im ersten Spiel ist er nicht bereit, in der zweiten Partie in Bellinzona fällt die Entscheidung im Schlussdrittel – wie im vierten Duell, als die Oberländer in den letzten zehn Minuten vom Weg abkommen.
Sie ziehen sich zurück, wollen nur noch den Vorsprung verwalten. Plötzlich geben sie dem Gegner zu viel Zeit. Und vor allem zu viel Raum. Das nützen die Routiniers der
GDT Bellinzona kaltblütig aus.
Trainer Christian Modes ist hinterher komplett bedient, will sich unmittelbar nach dem Spiel nicht äussern. Sportchef Diego Piceci steht hin. Und ist komplett ratlos. «Ich habe keine Ahnung, wie man das Spiel noch verlieren kann», ist er konsterniert.
Piceci sucht die richtigen Worte, wird aber nicht fündig. «Wir hatten sie bis auf wenige Situationen ganz gut im Griff», sagt er, «aber plötzlich hat man uns den Stecker gezogen.»
Ein Anfall bringt Energie
Nicht nur im dritten Abschnitt fallen fünf Tore, schon der zweite Abschnitt ist ein veritables Spektakel mit fünf Treffern. Und entschädigt fürs erste Drittel, in dem sich beide Mannschaften darauf konzentrierten, die Fehlerquote möglichst tief zu halten, dem Gegner nichts zu schenken.
Der Startschuss zum munteren Hin und Her geben die Tessiner in der 22. Minute mit ihrem schön herausgespielten Führungstor. Die erste Wetziker Strafe des Spiels ist Sekunden zuvor abgelaufen, der fünfte EHCW-Mann aber noch nicht zurück im eigenen Drittel, die Box plötzlich viel zu passiv.
In der Folge muss man ein paar Minuten lang Angst um die Gäste haben. Denn nun wittert Bellinzona die Chance, dem mit dem Rücken zur Wand stehenden Oberländer Team weitere Tiefschläge zu verpassen.
Ein Energieanfall von Adrian Rykart, der Bellinzona-Keeper Mattia Canepa zwischen den Beinen erwischt, gibt den Wetzikern die dringend benötigte Energie. So viel gar, dass Lars Mathis die zweite Tessiner Führung lediglich sieben Sekunden später mit dem 2:2 egalisiert.
Danach folgt die stärkste Phase der Gäste. Der EHCW bringt sich aber auch immer wieder mit zum Teil groben Schnitzern in der eigenen Zone in Gefahr. Noch aber geht alles gut.
Kurz nach Spielhälfte kann Wetzikon durch Timon Vesely erstmals vorlegen. Gleich zu Beginn des Schlussdrittels baut Siro Rutzer die Führung zum 4:2 aus. Die Saat scheint gelegt für den Auswärtssieg.
Doch sie geht nicht auf. Weil passiert, was Sportchef Diego Piceci ratlos macht: «Die Mannschaft ist völlig auseinandergefallen.»
