Sie jubeln über den Ligaerhalt und läuten den Umbau ein
Dürnten Vikings
Die Dürnten Vikings benötigen dringend eine Blutauffrischung. Das weiss der Oberländer Zweitligist nicht erst seit dieser Saison.
In der letzten Abstiegsrundenpartie konnten die Dürnten Vikings befreit aufspielen. Schon eine Runde zuvor hatten sie sich den Ligaerhalt gesichert.
Die 4:6-Niederlage gegen Zug verkraftet der Oberländer Zweitligist also gut. Obwohl er dadurch sein Ziel verpasste, die Abstiegsrunde auf dem 1. Platz zu beenden. Was ohnehin viel schwerer wiegt: Die Playoffs fanden zum zweiten Mal in Serie ohne die Dürntner statt.
Jahrelang standen die erst seit 2011 unter diesem Namen existierenden Vikings für Spektakel. Sie pflegen einen modernen Auftritt, haben sich eine beachtliche Zuschauerbasis in Bäretswil geschaffen.
Vor allem aber eilten sie von Erfolg zu Erfolg. 2019 gewannen sie den nationalen Meistertitel in der 2. Liga. Sechsmal standen sie im vergangenen Jahrzehnt im Ostschweizer Final. Letztmals 2020, als die Meisterschaft coronabedingt abgebrochen wurde.
Vikings-Stürmer Mario Senn trifft gegen Schaffhausen. (Handyvideo: Martin Weber)
Seither aber ist das Wikinger-Schiff leck geschlagen. In den letzten zwei Saisons haben die Dürntner von 33 Qualifikationsspielen nur deren zehn gewonnen. Das ist nicht einmal ein Drittel.
Und ein Fingerzeig auf tieferliegende Probleme. Das wohl zentrale ist die Altersstruktur im Team. Der Kern der Leistungsträger ist nicht wie im Idealfall etwa zwischen 24 und 28. Elf Spieler sind älter als 30.
Viele davon gehören quasi zum Inventar der Vikings, was nicht abschätzig gemeint ist. Dazu kommt ein zweiter grosser Block an Spielern, die 20 oder jünger sind. Sie sind damit in einem Alter, in denen es ihnen an Erfahrungen fehlt. Und man nicht verlangen kann, dass sie Leaderrollen übernehmen.
Ein Tief mit Ansage
Schon vor Jahren sagten die damaligen Verantwortlichen: Wir sind an einem Scheidepunkt. Trotzdem gelang es nicht, den Umbruch gut zu moderieren.
«Dafür bluten wir jetzt», sagt Alain Deubelbeiss. Er ist seit der Geburtsstunde der Vikings dabei. Stürmer und Sportchef Mario Senn findet derweil zum verpassten Umbruch, man können keinen solchen einleiten, wenn der Stamm stets zusammenbleibe.
«Ich kann ja keinem sagen: Du musst jetzt gehen.» Die enttäuschenden Saisons kamen für Senn nicht überraschend. «Wir wussten, wir kommen an diesen Punkt.» Er sieht darin auch Gutes: «Es gibt uns die Chance, etwas Neues aufzubauen.»
Wie gross die Veränderungen jetzt ausfallen, ist offen. Ein Kadergerüst steht. Klar ist: Mit dem langjährigen Captain Noel Brunner und Adrian Stoob gehen zwei Routiniers von Bord, andere wiederum wie Deubelbeiss, Olivier Mütsch und auch Senn machen weiter.
Zudem haben mehrere Junge ihre Verträge verlängert. Deren Entwicklung stimmt Senn zuversichtlich, dass es mit den Vikings wieder aufwärts geht.
Beispielsweise jene von Tobias Hardmeier. Der 22-jährige Angreifer war mit neun Treffern der erfolgreichste Dürntner Torschütze in der Abstiegsrunde.
Mischa Rüegg bleibt Headcoach
Dass die Vikings diese schadlos überstanden haben, rechnet Senn auch dem unerfahrenen Headcoach Mischa Rüegg an. «Er hat das gut gemeistert.» Der 34-Jährige stieg im Januar vom Assistenten zum Chef auf, nachdem Christian Thiemeyer hingeschmissen hatte.
Ab 2017 hatte Thiemeyer entweder als Assistent oder wie zuletzt als Headcoach zum Staff gehört. Sein Abgang reihte sich ein in die Wechsel an der Bande in den letzten zwei Jahren. Von Gunnar Hosner trennten sich die Vikings 2021 nach acht Runden. Dessen Nachfolger Thomas Meister wurde danach nicht über die Saison hinaus weiterbeschäftigt.
Nun hofft Sportchef Senn, dass Ruhe auf der Kommandobrücke einkehrt. Mischa Rüegg hat als Headcoach verlängert. Unklar ist, wer ihm assistiert.
Die Saison war eine absolute Katastrophe.
Alain Deubelbeiss, Spieler Dürnten Vikings
Verbesserungspotenzial haben die Dürntner zur Genüge. Man müsse nicht um den heissen Brei herumreden, sagt Deubelbeiss. «Die Saison war eine absolute Katastrophe.»
Über fünf Gegentore kassierten die Vikings im Schnitt. Deubelbeiss sagt trocken: «Damit kommt man nicht in die Playoffs.»
Neben der hohen Gegentorquote gibt es weitere Gründe. Deubelbeiss und Senn orten beide konditionelle Defizite. In kaum einer Partie vermochten die Vikings ihre Leistung über die ganze Spielzeit abzurufen. «Im Sommertraining wird sich einiges ändern», kündigt Senn an.
Kommt hinzu: Das Feuer in der Mannschaft brannte erst, als es in der Abstiegsrunde ums sportliche Überleben ging. Davor fehlten häufig die letzten ein oder zwei Prozente, die es für den Erfolg braucht.
Sich durchzumogeln und darauf zu verlassen, dass es irgendwie dann geht, liegt nicht mehr drin. Deubelbeiss sagt: «Wenn man auf dem Eis weniger als der Gegner arbeitet, reicht es einfach nicht mehr.»
Die Ärmel wieder hochkrempeln
Unbestritten ist, dass die Dürntner in ihren erfolgreichsten Zeiten mehr Substanz im Kader hatten. Doch es war nicht allein das Talent, mit dem sie für den Unterschied sorgten, ist Deubelbeiss sicher. «Wir haben auch härter gearbeitet.» Senn sieht es genau gleich.
Viele Niederlagen, geplatzte Hoffnungen und das Zittern um den Ligaerhalt – die Dürntner hätten sich bei all dem Negativen in den letzten Monaten selber zerfleischen können. Interessant aber ist: Die Trainingspräsenz blieb gleichwohl immer hoch, die Stimmung im Team gut.
So kann es nicht verwundern, wenn Deubelbeiss sagt: «Wenn etwas an dieser Saison positiv gewesen ist, dann das.»
