Wenn die älteren Semester für Gefahr sorgen
Erfahrener Gegner für EHCW
Der EHC Wetzikon trifft in den Playoff-Halbfinals auf Bellinzona. Bei den Tessinern spielen Routiniers zentrale Rollen.
Die einen haben frische Beine, die anderen sind im Rhythmus
Genau eine Woche lang konnte der EHC Wetzikon pausieren, ab Dienstagabend gilt es wieder ernst für ihn. Der Oberländer Erstligist beginnt die Halbfinal-Serie (best-of-5) daheim gegen Bellinzona. Es ist das Duell zwischen dem Zweit- und Drittklassierten der Qualifikation. Vor allem aber ist es die Wiederauflage des letztjährigen Halbfinals, in dem die Wetziker über die volle Distanz gehen mussten, sich letztlich aber mit 3:2 Siegen durchsetzen.
Das Team von Christian Modes hatte zuletzt reichlich Zeit, sich um Blessuren zu kümmern und die Batterien wieder zu laden. Die Tessiner hingegen qualifizierten sich erst am Sonntagabend und dank einem 8:3-Sieg in der «Belle» gegen Rheintal für die Halbfinals.
In ihrem Fall könnte die deutlich kürzere Erholungszeit durchaus zu einem Faktor werden. Die tragenden Figuren bei den schwierig einzuschätzenden Tessinern sind Spieler, die den Herbst der Karriere eigentlich bereits hinter sich haben. Der Benjamin aus dem ältesten Quintett des Teams ist Elias Bianchi mit 33, Mauro Juri und Alain Rosselli sind beide 39, Pietro Juri und Witali Lachmatow jeweils gar 41.
All diese Spieler dürften den einen oder anderen Zacken Tempo verloren haben, die Erfahrung, Schlauheit und Technik macht sie aber weiterhin gefährlich. Ihr Einfluss aufs Spiel von Bellinzona ist noch immer gross, wie man in den Viertelfinals gesehen hat. Lachmatow und Pietro Juri trafen fünfmal, Bianchi erzielte vier Tore. Die Offensive ist sowieso das Prunkstück der Tessiner – kein Team traf in der Qualifikation häufiger.

Das defensive Sonntagskleid ist eine gute Grundlage
Für die Halbfinals ist das ein gutes Vorzeichen: Denn es scheint, als habe der EHCW den Schalter rechtzeitig umlegen können. Waren sie in der Qualifikation defensiv noch nicht über alle Zweifel erhaben und kassierten für ein Spitzenteam zu viele Gegentore, überzeugten die Wetziker in den Viertelfinals gegen Herisau defensiv. Sie arbeiteten in der eigenen Zone gewissenhaft, verloren kaum je die Ordnung und konnten sich auf einen gut aufgelegten Fabian Ryffel im Tor verlassen. Sehr überzeugend trat der EHCW in Unterzahl auf. Er blockte reihenweise Schüsse und überstand 14 der 15 Unterzahlsituation schadlos.
Insgesamt musste er in 180 Playoff-Minuten nur drei Gegentore einstecken. Ein solch tiefer Wert ist eine gute Erfolgsgrundlage. Trainer Christian Modes ist damit selbstredend zufrieden. Er sagt, er müsse seine Mannschaft gleichwohl immer wieder mal daran erinnern, in der eigenen Zone möglichst simpel zu spielen. «Sind wir unter Druck, müssen wir die Scheibe auch einfach mal aus dem Drittel schlagen.» Gegen Herisau musste der EHCW allerdings kaum längere Druckphasen überstehen.
Aber das hatte bis zu einem gewissen Grad auch mit der begrenzten offensiven Substanz der Appenzeller zu tun. Das dürfte sich gegen die GDT Bellinzona nun ändern. Was man ebenfalls nicht ausblenden kann: Bisher lag der EHCW in den Playoffs nur knapp zehn Minuten (und mit nur einem Tor) in Rückstand. Er war also nie gezwungen, zu forcieren, was die Gefahr von grösseren Lücken in der Abwehr zwangsläufig erhöht.
Die bessere Balance ist für den Gegner auch eine Warnung
Beinahe die Hälfte aller Wetziker Tore in den Viertelfinals ist aufs Konto des aus Nils Berni, Gian Andrea Thöny und Brent Buchmüller gebildeten Topsturms gegangen. Das ist auch gut so. Denn es heisst: Die designierten Offensivleader sind ohne Verzögerung in den Playoffs angekommen und bereit fürs Duell gegen Bellinzona. Mit ihrer individuellen Klasse sind die drei besten Stürmer jederzeit in der Lage, für den Unterschied zu sorgen.
Noch besser für den EHCW aber ist, dass bisher keine «Passagiere» auszumachen waren. Im Gegenteil: Von den 21 eingesetzten Feldspielern punkteten bereits deren 18 zumindest einmal. Es ist ein erfreuliches Zeichen für die Breite in der Mannschaft. «Es war der Lehrblätz aus den letzten Playoffs, dass die Last besser verteilt werden muss», sagt EHCW-Sportchef Diego Piceci.
Für den Gegner ist die bessere Balance gleichzeitig eine Warnung: Es reicht nicht aus, den Wetziker Paradesturm zu neutralisieren. Offensives Talent steckt in den anderen Linien ebenfalls zur Genüge.
Noch haben sich nicht alle EHCW-Angreifer in den Playoffs komplett entfaltet. Mario Pieroni beispielsweise gelang trotz guter Chancen noch kein Tor. In der Qualifikation hatte der Flügel zehnmal getroffen und sich als drittbester Schütze profiliert. 15 Tore erzielten die Wetziker in den drei Playoffspielen, vier davon in Überzahl. Da sie nur zu zehn Powerplaymöglichkeiten kamen, beträgt ihre Quote starke 40 Prozent. Gegen Bellinzona folgt die Bewährungsprobe – die Tessiner weisen in Unterzahl den noch besseren Wert (94,74 Prozent) auf als der EHCW.
