Für den Erfolg muss er den Partner lesen
Madetswiler Veloprofi Lukas Rüegg
Die grössten Hoffnungen auf ein Topresultat an der Bahn-EM in Grenchen macht sich Lukas Rüegg im Madison. Zentral da: die Harmonie im Zweierteam.
Für Lukas Rüegg ist es der erste Höhepunkt der Saison: die von Mittwoch bis Sonntag stattfindende Bahn-EM in Grenchen. Der Madetswiler hat an den letzten drei Bahn-Weltmeisterschaften teilgenommen, an einer EM war er allerdings 2020 letztmals im Einsatz.
Dafür mit grossem Erfolg: Rüegg gehörte zum Schweizer Vierer, der in der Verfolgung Bronze gewann. Heuer konzentriert sich der 26-Jährige auf andere Disziplinen an der EM.
In der letzten Woche trainierte er intensiv auf dem Oval in Grenchen, holte sich den Feinschliff für die Bahn. «Damit es mir den Mocken nicht gleich lupft», sagt Rüegg.
Für seine Lieblingsdisziplin ist Lukas Rüegg guter Dinge
Die Heim-EM ist für Lukas Rüegg ein kleiner Steigerungslauf. An sicher zwei Tagen steht er im Einsatz. Am Mittwoch ist er als Ersatz für den Vierer gemeldet. Tags darauf bestreitet er das Punktefahren. Allerdings nur, sollte er nach dem kurzfristigen Forfait von Simon Vitzthum nicht doch noch plötzlich in der Hauptrunde im Vierer aushelfen müssen.
Das für Rüegg wichtigste Rennen kommt zum Schluss. Am Sonntag fährt er zusammen mit Claudio Imhof im Madison. Der Thurgauer war bereits Rüeggs Partner an der WM 2022. Zwölfte wurden sie damals. Die Leistung sei in Ordnung gewesen, findet Rüegg. Mit der Rangierung aber sei man unter Wert geschlagen worden. An der EM soll es in seiner Lieblingsdisziplin nun weiter nach vorne gehen. Wie weit?
Eine präzise Prognose lässt er sich nicht entlocken, aber Rüegg ist guter Dinge. «Vieles ist möglich», ist er überzeugt. Auch das Podest scheint ihm nicht ausser Reichweite. Wobei er sich bewusst ist: «Grundsätzlich will man an einem Grossanlass immer um Medaillen fahren.»
Welche Faktoren sind ausschlaggebend dafür, ob das gelingen kann? Einerseits sind es die Kraftreserven. «Beim über 200 Runden führenden Rennen muss man in den letzten 30 Runden noch gute Beine haben», sagt Rüegg. Andererseits ist die Harmonie zwischen den Fahrern entscheidend. «Je besser man seinen Partner kennt, desto besser kann man ihn lesen.»

Darum hat die Heim-EM ein besonderes Gewicht
Zum dritten Mal innerhalb von nur acht Jahren finden die Bahn-Europameisterschaften im Velodrome Grenchen statt. Dieses feiert heuer Jubiläum – es wird zehn Jahre alt. Rund 300 Athletinnen und Athleten aus 25 Ländern sind für die elf Disziplinen gemeldet.
Das Aufgebot von Swiss Cycling besteht aus sieben Frauen und sechs Männern. An der letzten Heim-EM vor zwei Jahren holte Claudio Imhof Bronze in der Einerverfolgung, für die zweite Schweizer Medaille war der Vierer mit Silber in der Verfolgung zuständig.
Der Vierer der Männer steht auch in Grenchen im Scheinwerferlicht. An der EM erfolgt der Startschuss zur Olympia-Qualifikationsperiode, die am 14. April 2024 endet. Der Schweizer Verband will das Ticket nach Paris über die Mannschaftsverfolgung lösen.
Dafür müssen sich die Schweizer unter den besten zehn Teams positionieren. Nationaltrainer Mickaël Bouget sagt, man wolle in Grenchen eine gute Basis dafür legen. Wie in Tokio werden in Paris zwölf Bahnradsport-Wettbewerbe ausgetragen.
Die Olympischen Spiele sind ihm keinen Gedanken wert
Klar, die Heim-EM packt Lukas Rüegg motiviert an. Welcher Veloprofi würde das schon nicht tun? Sein Abschneiden in Grenchen aber dürfte keinen Einfluss darauf haben, wie es mit seiner Bahnkarriere weitergeht. Der Madetswiler lässt das bewusst offen.
Er hat in der Vergangenheit auf der Bahn schöne Erfolge erzielt. Rüegg feierte neben dem Gewinn von EM-Bronze 2020 mit dem Vierer 2019 auch einen Weltcup-Sieg. Zudem winkte ihm die Olympia-Teilnahme in Tokio mit dem Schweizer Vierer. Eine Verletzung machte ihm damals einen Strich durch die Rechnung.
An die Spiele 2024 verschwendet Rüegg derzeit trotzdem keinen Gedanken. Er müsste sehr viel investieren, um im Bahn-Vierer eine gute Rolle spielen zu können, müsste auch sein Training umstellen. Vorerst konzentriert sich der Oberländer auf die Strasse.
Er will da den Sprung in ein höherklassiges Profiteam schaffen. Der zweifache Tour-de-Suisse-Starter schien schon am Ziel, als er die Zusage eines Pro-Continental-Teams hatte. Doch Mitte Dezember platzte die Vereinbarung plötzlich. Rüegg hatte Glück im Unglück und fand eine Stufe tiefer Unterschlupf. Nun fährt er wie letzte Saison für das Team Vorarlberg.
