Für dieses Abenteuer leidet er gerne
Hinwiler Veloprofi Konny Looser
Konny Looser hat einen exklusiven Startplatz in einer US-Serie erhalten, die aus Gravel- und Mountainbikerennen besteht. Das motiviert ihn enorm.
Nur 35 Fahrerinnen und Fahrer sind in den USA am Lifetime Grand Prix zugelassen, einer sieben Rennen umfassenden Serie. Konny Looser ist der einzige europäische Fahrer, der ab April im Kampf um die Gesamtwertung im Einsatz steht.
Der Hinwiler Langdistanzspezialist hatte seine Bewerbung ohne grosse Hoffnungen abgeschickt, berücksichtigt zu werden. Noch Wochen später sorgt die überraschende Zusage für Emotionen bei ihm.
«Huere geil», sagt der 33-Jährige, der für gewöhnlich nicht so spricht. Seine Freude über die Teilnahme lässt sich gut erklären.
Sie fusst beispielsweise auf dieser reizvollen Kombination von Mountainbike- und Gravelrennen, aus der die Serie besteht. Durch sie entwickelt sich Looser im Herbst seiner Laufbahn sportlich noch in eine neue Richtung.
Zudem hat der weit gereiste Fahrer, der seine Basis zwischenzeitlich in Südafrika hatte, bisher kein einziges Rennen in den USA bestritten. Mehr noch: Looser war bisher nie in den USA.
Der zentrale Punkt aber, weshalb der Startplatz für ihn so wichtig ist: Er war der ausschlaggebende Punkt, die Karriere um mindestens ein weiteres Jahr – es ist das 13. als Profi – zu verlängern.
Das mag etwas gar übertrieben klingen. Ist es in Loosers Fall allerdings nicht. Dessen Karriere stand im Herbst auf der Kippe – trotz zahlreichen Erfolgen.
So gewann er letzte Saison drei Mehretappen-Wettkämpfe, feierte dazu vier Siege an Einzelrennen, darunter an den Schweizer Marathonmeisterschaften.
Plötzlich ist der Rang egal
Dennoch fiel er zum Ende des Jahrs mental ins Loch. Am Desert Dash in Namibia – er hat das 397 km lange Rennen sechsmal gewonnen – sass der Oberländer mit einem ihm völlig unbekannten Gefühl auf dem Bike. Die Platzierung war im schlicht egal.
So etwas geht doch nicht», sagt Looser. Es tönt, als sei er noch immer über sich empört. «Wenn man das Feuer nicht mehr hat, kann man nicht leiden. Ohne leiden zu können, gewinnt man nichts.»
Nur gerne Velo zu fahren, rentiert sich nicht.
Konny Looser
Warum aber kam der Hinwiler überhaupt an diesen Punkt? Seine Persönlichkeit spielt dabei sicher eine Rolle. Looser ist streng mit sich selber, Misserfolge oder Verletzungen fahren ihm tief unter die Haut.
Auch ist er keiner dieser Fahrer, die Jahr für Jahr dasselbe Programm abspulen können. Um das Motivationslevel hoch halten zu können, muss er im Training und in Wettkämpfen immer wieder Neues entdecken.
Der wohl wichtigste Faktor aber ist, dass sich in der Langdistanzszene in den letzten Jahren viel veränderte, das ihn zusehends zermürbt hat. Looser formuliert es plakativ: «Ich muss ehrlich zu mir selber sein. Nur gerne Velo zu fahren, rentiert sich nicht.»
Was er meint: Trotz seinem internationalen Renommee lebt er zu fast 100 Prozent von seinen Sponsoren und ist ständig mit dem Rechenschieber unterwegs.
Der Aufwand ist gross, die Kosten läppern sich. Die Preisgelder indes sind grösstenteils nicht der Rede wert. Bisweilen hätte er an Schweizer Rennen gar Startgelder entrichten müssen, nervt sich Looser. Auf solche Veranstaltungen verzichtet er lieber.
Auch weil es immer weniger Teams gibt, bestritt er die letzten zwei Saisons als Privatfahrer. Das mag nach grenzenloser Freiheit tönen. Es ist aber für Looser vor allem eines: auf die Dauer mental sehr anstrengend. Schliesslich muss er sich immer um alles selber kümmern.
Die US-Serie als Gerüst
Das hat er auch in den letzten Wochen getan. Und kann zufrieden festhalten: Das Paket für die Saison 2023 ist so weit geschnürt.
Er ist im Sponsoring etwas besser aufgestellt als im Vorjahr, hat die Velomarke gewechselt und einen provisorischen Rennkalender erstellt.
Klar ist: Die US-Serie ist das Gerüst. 250 000 US-Dollar werden am Lifetime Grand Prix insgesamt ausgeschüttet. Die jeweiligen Gesamtsieger bei den Männern und Frauen erhalten 25 000 Dollar.
Die Teilnahme an den über sechs Monate und verschiedene Bundesstaaten verteilten Rennen ist für Looser aufwendig. Für die ersten drei Veranstaltungen reist er hin und zurück. Später plant der Oberländer einen längeren Aufenthalt in den USA.
«Es ist ein sportliches Abenteuer», sagt Looser. Was in diesem resultatmässig für ihn möglich ist?
Der Hinwiler weiss es nicht. Er kann die Stärke der Konkurrenz nicht einschätzen. In den Bikerennen rechnet er sich aber gute Chancen aus. Und vor den Gravelwettkämpfen ist ihm nicht bange – obwohl seine Erfahrung mit einem einzigen Rennen in dieser Disziplin überschaubar ist.
Der 33-jährige Fahrer aber hält einen Trumpf in den Händen. Er verfügt über enorm viel Erfahrung auf langen Distanzen. Alle vier Gravelrennen sind über 100 km lang. Das wichtigste – der Unbound Gravel – führt dabei über satte 321 km. Der letztjährige Sieger brauchte dafür rund neuneinhalb Stunden.
Es ist fast schon ein Klacks zu den über 15 Stunden, die Looser beispielsweise am letzten Desert Dash im Sattel verbrachte.
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