Sie folgt ihrem Bauchgefühl
Ustermer Ruderin verkündet Rücktritt
Weltklasseskifferin Jeannine Gmelin beendet ihre Laufbahn per sofort. Auslöser dafür ist der Tod von Robin Dowell, ihrem engsten Vertrauten.
Bis zu den Olympischen Spielen in Paris 2024 wollte Jeannine Gmelin ursprünglich weiterrudern. Im Dezember aber verstarb ihr Privattrainer Robin Dowell überraschend. Das hat von einer Sekunde auf die andere alles verändert.
Die Ustermerin musste sich die Frage stellen: wie weiter? Sie verspürte dabei vom ersten Moment an ein dumpfes Bauchgefühl, wie sie an der Medienkonferenz am Mittwoch beschreibt. «Ich schaute, wie es sich entwickelt, aber es veränderte sich nicht.»
Manche Entscheidungen brechen einem das Herz, aber sie bringen der Seele Frieden.
Jeannine Gmelin
Die Entscheidung war gereift. Und sie fällt klar aus: Gmelin beendet ihre Karriere per sofort. Die 32-Jährige formuliert es so: «Manche Entscheidungen brechen einem das Herz, aber sie bringen der Seele Frieden.»
Sie habe sich nach Dowells Tod gar nie überlegt, wie sie ihr Setup ändern können, um weiter zu rudern, sagt Gmelin. Sie bringt nach dem Schicksalsschlag schlicht nicht mehr die hundertprozentige Motivation auf, um weiterzumachen. «Ich wäre nicht mehr mit ganzem Herzen dabei.»
Dazu man muss wissen: Dowell war viel mehr als nur ihr Trainer und ihre wichtigste sportliche Bezugsperson. Der Brite war ihr Lebenspartner, engster Vertrauter und ihre Inspirationsquelle. Gmelin sagt: «Wir waren ‹teammates for life›».
Dowell wurde nur 40 Jahre alt. Er starb auf einer Trainingsfahrt auf dem Sarnersee. Der Brite war Epileptiker. Es bleibt aber unklar, weshalb er auf dem Motorboot zusammenbrach. Der Arztbericht lautet: natürliches inneres Geschehen.
Gmelin sagt: «Was das ist, weiss man nicht. Die Todesursache als solches ist Ertrinken.» Medizinisch ist bei der von der Staatsanwaltschaft Obwalden veranlassten Autopsie nichts gefunden worden.
Sie war Wegbereiterin
Gmelin hat sportlich mehr erreicht, als sie sich selber je zutraute. Sie wurde Welt- und Europameisterin, holte dazu weitere WM-und EM-Medaillen, gewann den Gesamtweltcup und klassierte sich zweimal als Olympia-Fünfte. Seit 2019 unterhielt sie ein Privatteam.
Christian Stofer, Direktor von Swiss Rowing, würdigt Gmelins Verdienste. «Jeannines Weg ist phänomenal. Sie hat ihr Level über Jahre gehalten, hat auf allen Stufen Medaillen gewonnen.»
Gmelin habe so viel erreicht, streicht Stofer heraus und bezeichnet sie als Wegbereiterin dafür, dass der Anteil von Schweizer Ruderinnen in den letzten Jahren gestiegen ist.
Ich muss herausfinden, wo es mich hinzieht.
Jeannine Gmelin
Für Gmelin fühlt sich derweil der Schritt weg vom Spitzensport völlig natürlich an. Sie sagt: «Ich muss diesen Cut machen, muss mich ausserhalb des Athletendaseins weiterentwickeln.»
Was sie künftig macht? Das kann die 32-Jährige momentan nicht sagen. «Ich muss herausfinden, wo es mich hinzieht.»
Gmelins grösste Erfolge
Weltmeisterin 2017, Vize-Weltmeisterin 2018
Europameisterin 2018, EM-Silber 2015 u. 2019, EM-Bronze 2021
Olympiafünfte 2021 und 2016
Gesamtweltcupsiegerin 2018
5-fache Weltcupsiegerin