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Der volle Kalender bringt ihn vorwärts

Der Fällander Ian Raubal hat den Sprung ins Schweizer Kunstturn-Nationalkader geschafft.

Der Fällander Ian Raubal turnt für das Team von Penn State.

Foto: Penn State Athletics

Der volle Kalender bringt ihn vorwärts

Fällander Turner Ian Raubal

Ian Raubal hat trotz seinem Schritt in die USA den Sprung ins Schweizer Nationalkader geschafft. Jetzt peilt er ein neues Ziel an.

Der Einstieg war kräftezehrend. So sehr, dass Ian Raubal in den ersten zwei Wochen an seinem neuen Ort jede noch so kleine Chance nutzte, in sein Zimmer auf dem Campus zurückzukehren und sich hinzulegen. «Ich war ständig müde», erinnert er sich an seine Anfänge im August.

Längst hat sich der Fällander an der Pennsylvania State Univer­sity eingelebt, die eine der ältesten staatlichen Universitäten der USA mit fast 90 000 Studierenden ist.

An der Penn State erhielt Raubal ein vierjähriges Sportstipendium – verbunden mit einem Platz in der Turnmannschaft der Universität. Neben ihm steht nur ein einziger anderer Europäer im 15-köpfigen Team.

«Frühstück» im Kraftraum

Raubals Zwischenbilanz nach knapp viereinhalb Monaten fällt positiv aus. Eine sprachliche ­Hürde hatte der 21-Jährige, der mit der Familie einst in Kalifornien lebte und dank der Mutter den US-Pass besitzt, nicht zu überspringen. Das war ein Vorteil.

Nun hat er sich auch an die deutlich grössere schulische Belastung gewöhnt – sowie die neue Tagesstruktur verinnerlicht. Statt wie im nationalen Leistungszentrum in Magglingen zweimal täglich in der Halle zu stehen, absolviert Raubal nun jeweils einen einzigen intensiven Block am Nachmittag.

Mit einer kleinen Ausnahme: An zwei Tagen schwitzt er jeweils bereits um 6.45 Uhr im Krafttraining. Der Wochenrhythmus ist indes ähnlich wie in der Schweiz – an vier Tagen stehen «grosse Trainings» an. Dazu kommen am Mittwoch und Samstag leichtere Einheiten.

In anderen Sportarten wählen immer wieder Schweizer Athletinnen und Athleten den Weg an US-Universitäten, um akademische Ziele und Spitzensport kombinieren zu können. Als Kunstturner ist Raubal hingegen eine Ausnahme.

In der Vergangenheit war es schwierig, einen solchen Wechsel vorzunehmen und zugleich im nationalen System integriert zu bleiben. Als sich Raubal kurzfristig die Chance zum Schritt in die USA bot, wusste er nicht, wie der Schweizerische Turnverband dar­auf reagieren würde. Und welche Auswirkungen seine Entscheidung auf die Kaderzugehörigkeit haben könnte.

Der unkomplizierte Kontakt

Keinerlei negative, so viel steht fest. Schliesslich hat Raubal auf die neue Saison hin ein wichtiges Ziel erreicht. Er ist ins Schweizer Nationalteam aufgenommen worden – nach drei Jahren im ­erweiterten Kader.

Raubal freut sich sehr darüber: «Das ist eine grosse Motivation für mich und zeigt mir, dass der Verband und die Trainer weiter mit mir arbeiten wollen.»

Letzteres geschieht auf unkomplizierte Art. Raubal tauscht sich mit Trainern regelmässig telefonisch aus. Während der WM-Qualifikation letzten Herbst schickte er gar wöchentlich Videos in die Heimat, damit sich die Coaches hier ein Bild machen konnten.

«Das funktio­nierte sehr gut. Dafür bin ich dankbar», sagt Raubal.

Raubals nächster Termin mit dem Verband ist das Athletengespräch. In den dreimonatigen Semesterferien hat er zudem vor, mit dem Nationalkader in Magglingen zu arbeiten. Rund ums Training also stimmt die Kommunikation zwischen ihm und den Coaches in der Schweiz.

Training in der Heimat: In den Semesterferien wird Raubal für einige Wochen ans nationale Verbandszentrum in Magglingen zurückkehren. (Quelle: youtube.com)

Die Trainingskulturen in der Schweiz und den USA unterscheiden sich derweil aus seiner Sicht kaum. Raubal glaubt, das habe unter anderem damit zu tun, dass bei Penn State neben ihm weitere international ambitionierte Turner im Team stünden.

Cheftrainer Randy Jepson und der restliche Staff lassen Raubal viele Freiheiten. Das gefällt dem Fällander, der sagt: «Der grösste Druck kommt von mir selber.»

Er hat den Beweis erbracht

Wegen einer hartnäckigen Fersenprellung, die ihn fast ein halbes Jahr plagte, war Raubal bis im Dezember im Training eingeschränkt. Erst dann konnte er am Sprung und Boden wieder komplette Übungen turnen.

Es ist wohl auch ein Grund dafür, dass der 21-Jährige in den ersten paar Monaten in den USA an den Ringen, am Barren und am Reck die grössten Fortschritte erzielt hat. Barren und Reck sind Raubals stärkste Geräte.

Das hat er kürzlich auch in seiner neuen Heimat unter Beweis gestellt. Am zweiten Meisterschaftswochenende des Teams in der Uni-Liga gewann er die Einzelwertung beider Geräte. Und wurde dafür von Cheftrainer Randy Jepson gelobt: «Er war hervorragend.»

In der Uni-Meisterschaft geht es für Raubal und Penn State Schlag auf Schlag weiter. Zwölf Einsätze stehen bis Ende März im Kalender. Das sind schon deutlich mehr, als er in der Schweiz im ganzen Jahr absolvieren würde.

Raubal ist überzeugt, dass ihm das hilft, seine Wettkampfstärke zu verbessern. «Das war eine Schwäche von mir.»

Wegen der hohen Dichte an Ernstkämpfen geht es für ihn derzeit nicht darum, möglichst viele neue Elemente zu lernen. Im Fokus steht die Arbeit an der Stabilität und Qualität seiner Übungen.

Der «Freshman» ist auch ein Neuling

Wohin soll ihn das heuer international bringen? An die EM im Frühling? Oder gar die WM im Herbst?

Raubal gibt sich zurückhaltend und nennt stattdessen die Universiade im Sommer als Ziel. Er ist eben im ersten Jahr an der Penn State nicht nur «Freshman», sondern auch ein Neuling im Schweizer Nationalkader.

Seine Aufgabe da: sich in der Hierarchie nach oben zu arbeiten.

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