An diesem Festival schnuppern sie olympische Luft
Oberländer Nachwuchsduo
Für die Dürntnerin Emma Kaufmann und Marius Sieber aus dem Grüt kommen wichtige Wettkampftage: Sie starten am Olympischen Festival der Europäischen Jugend.
Am Olympischen Festival der Europäischen Jugend (EYOF) hat schon manch internationale Karriere ihren Anfang genommen. In den Medaillenlisten findet man beispielsweise Abfahrt-Olympia-Siegerin und Weltmeisterin Corinne Suter. Oder auch Eiskunstlauf-Europameisterin Sarah Meier (heute Sarah van Berkel).
2019 jubelte letztmals ein Oberländer Duo über Medaillen an der grössten polysportiven Veranstaltung für den europäischen Nachwuchs. Die Hinwiler Langläuferin Anja Weber gewann in Sarajevo zweimal Gold sowie Bronze in der Mixed-Staffel.
Ein Teil jener erfolgreichen Staffel war auch der Gibswiler Nicola Wigger. Beide haben mittlerweile ihre Weltcup-Debüts gefeiert. Weber sorgte zudem 2022 mit ihrem U23-WM-Titel für Aufsehen und erlebte ihre Olympia-Feuertaufe.
Zwei unter 95 unter 1200
Swiss Olympic bezeichnet das EYOF denn auch als olympische Ausbildungsveranstaltung. Ab Samstag findet die 16. Winteraustragung statt, an der rund 1200 Sportlerinnen und Sportler zwischen 14 und 18 starten – grösstenteils in der nordostitalienischen Provinz Friuli Venezia Giulia.
Dazu finden Wettkämpfe im österreichischen Spittal sowie in Planica (Slowenien) statt.
Mit der 17-jährigen Emma Kaufmann und dem gleichaltrigen Marius Sieber gehören auch zwei Oberländer Nachwuchshoffnungen zum 95-köpfigen Schweizer Aufgebot.
Emma Kaufmann: Sie peilt eine Quote von 90 Prozent an

Von Nervosität spürt Emma Kaufmann noch nichts. Ein anderes Gefühl herrscht bei der Dürntnerin vor: «Ich freue mich mega aufs EYOF.» Die 17-Jährige hat am Kick-off-Day letzte Woche nicht nur ihr Material gefasst, viele Informationen erhalten und Athletinnen und Athleten kennengelernt. «Ich bin mir auch der Grösse des Anlasses bewusst geworden.»
Kaufmann ist eine von vier selektionierten Schweizer Biathletinnen. Die Rennen in Italien sind für sie die wichtigsten des Winters. Auch darum, weil sie die Chancen als eher klein einschätzt, Anfang März die Juniorinnen-WM in Kasachstan bestreiten zu können. «Aber nächstes Jahr möchte ich dabei sein», hat sie sich zum Ziel gesetzt.
Vor zwei Jahren debütierte Kaufmann im Alpencup, der europäischen Nachwuchsserie. Ihr Bestresultat ist Platz 5. Letzte Saison klassierte sich die Absolventin der United School of Sports in der Alpencup-Gesamtwertung (Jugend 1) auf Rang 12 – dreimal lief sie dabei in die Top Ten.
Diesen Winter startet Kaufmann in der Kategorie Jugend 2. Mit dem bisherigen Verlauf der Saison ist sie sehr zufrieden. «Ich habe Fortschritte gemacht, vor allem im Schiessen», sagt sie.
Rund 12 bis 14 Stunden trainiert Kaufmann wöchentlich. Entweder in ihrem Klub, dem SC am Bachtel, häufig aber auch am Biathlonstützpunkt Ostschweiz in Lantsch/Lenz. Am EYOF stehen ein Sprint, ein Einzelrennen und die Mixed-Staffel auf dem Programm. Was in diesen resultatmässig für sie möglich ist? Das ist für Kaufmann schwierig einzuschätzen. Sie hat sich darum für die Einzelwettbewerbe keine Rangziele gesetzt. Stattdessen will sie technisch sauber laufen. «Und eine Trefferquote von 90 Prozent zu erreichen, wäre schön.»
Marius Sieber: Planica kennt er wie seinen Hosensack
Für ihn ist das EYOF kein Neuland mehr: Skispringer Marius Sieber war schon letztes Jahr in Finnland dabei. Darum sagt der 17-Jährige aus dem Grüt: «Ich kenne den Ablauf, bin ready und kann hoffentlich weit nach vorne springen.»
Nach Rang 26 bei seiner EYOF-Premiere vor einem Jahr hat er sich nun einen Platz in den Top Ten zum Ziel gesetzt. Wobei er sich keinen falschen Hoffnungen hingibt. Sieber ist sich bewusst: «Das wird hart.» Immerhin kennt er die slowenische Wettkampfstätte in Planica mit den acht Schanzen wie seinen Hosensack. Schon als Zehnjähriger war Sieber erstmals da.
Für den Schüler des Kunst- und Sportgymnasiums Rämibühl ist die erneute Teilnahme am Festival ein Saisonhöhepunkt. Der andere folgt kurz darauf für den Athleten des SC am Bachtel Anfang Februar. Er wurde am Dienstag für die Junioren-WM in Kanada selektioniert. Sieber ist überwiegend im Alpencup im Einsatz, einer internationalen Nachwuchsserie. Er bestritt aber auch schon Fis-Springen, an denen es im Gegensatz zum Alpencup kein Alterslimit gibt.
Ende August 2022 holte er mit Rang 30 in Einsiedeln erstmals einen Fis-Punkt. Was unspektakulär tönt, war für Sieber ein «grösserer Schritt». Er wäre dank diesem Punkt nun auch auf zweithöchster Stufe im Continental Cup startberechtigt. Allenfalls sei es ja nächste Saison so weit mit der Premiere im Continental Cup, sagt Sieber gelassen.
Er denkt in kleinen Schritten. Mehr Fis-Wettkämpfe, mehr Fis-Punkte und die Selektion für ein Swiss-Ski-Kader: Das sind die nächsten Etappenziele des Springers, der über sich sagt, ihn zeichneten die Beweglichkeit und das Fliegen aus.
