Jetzt kommen ihre wichtigsten Wettkämpfe
Hinwiler Langläuferin Anja Weber
Anja Webers Debüt an der Tour de Ski ist positiv verlaufen. Das macht die 21-Jährige vor ihrem Saisonhöhepunkt zuversichtlich.
Druck hatte sie keinen. Schliesslich bestritt Anja Weber erstmals überhaupt die mehrtägige Tour de Ski. Ihr Ziel: Sie wollte gute Rennen zeigen. Und zufrieden mit ihren Leistungen sein – unabhängig vom Ergebnis. «Denn was die anderen machen, kann ich nicht beeinflussen.»
Nach dem vierten Teilstück in Oberstdorf (GER) stieg die Hinwilerin wie geplant aus. Die Bilanz der 21-Jährigen: In den Distanzrennen klassierte sie sich zweimal als 22. im ersten Ranglistendrittel, einmal wurde sie 40. Zum Auftakt stiess sie im Sprint in die K.-o.-Läufe vor, letztlich resultierte der 26. Rang.
Weber ist glücklich mit ihrem Debüt. «Es war wirklich sehr cool», sagt sie, spricht das hohe Niveau an und bilanziert zufrieden: «Es waren solide Rennen. Ich kann sehr viel mitnehmen aus ihnen.»
In der dritten Etappe, einem Einzelstartrennen über 10 km, erlebte Weber einen besonderen Moment. Sie erreichte das Ziel mit Bestzeit, sass auf dem Leaderstuhl. Wohl wissend, dass die Zeit da begrenzt sein würde.
Weber ist auf höchstem Niveau noch immer ein Neuling – obwohl sie letztes Jahr in China ihre olympische Feuertaufe erlebte. Die Tour-de-Ski-Etappen waren erst ihre Weltcup-Rennen vier bis sieben.
Das geht schnell vergessen beim verblüffenden Tempo, das die junge Oberländerin auf dem Weg Richtung Weltspitze an den Tag legt.
Ich bin auf gutem Weg.
Anja Weber
Weber ist sich ihrer Position indes bewusst, verweist im Gespräch mehrfach auf ihre geringe Weltcup-Erfahrung. Sie hat keine übertriebenen Erwartungen an sich selber.
So konnte sie beispielsweise auch gut mit dem 40. Platz in der zweiten Etappe leben, den andere als Enttäuschung bezeichneten. «Weil ich mit der Leistung zufrieden war.»
Prologe stechen heraus
Die A-Kader-Athletin will sich die nötige Zeit geben, um sich im Weltcup zu etablieren. Elf Wettkämpfe auf drei Stufen hat Weber seit dem Saisonstart absolviert.
Ein Fis-Rennen gewann sie, bei zwei weiteren Wettkämpfen (einer im Continental Cup) stand sie auf dem Podest. «Ich bin auf gutem Weg», ist sie sicher.
Was sticht für die Athletin der TG Hütten aus der ersten Saisonphase heraus? Weber muss sich die Antwort nicht überlegen: «Ich hatte noch nie so gute Prologe.»
Sowohl Anfang Dezember beim Weltcup-Sprint in Davos als auch am Sprint bei der Tour im Val Müstair überstand sie die Qualifikation. In den Finals aber fehlte ihr jeweils die Kraft.
Weber sagt, der Grund dafür liege im hohen Niveau der Konkurrenz. «Ich musste schon in der Qualifikation Vollgas geben, um überhaupt weiterzukommen.»
Weber fühlte sich in der Tour de Ski bis zuletzt frisch. Dennoch ist sie überzeugt: Der vorzeitige Ausstieg war richtig, um sich für die nächste Phase optimal vorbereiten zu können.
«Man muss aufpassen, dass es nicht zu viel wird. Auf den Körper zu hören, ist wichtig.»
Gold im Gepäck
Weber blieb nach der vierten Etappe in Oberstdorf, bestritt da einen Klassisch-Sprint im Continental Cup – im Hinblick auf ihren Saisonhöhepunkt. Ab Ende Januar stehen die U23-Weltmeisterschaften in Whistler (CAN) an.
Es sind Webers wichtigste Wettkämpfe der Saison. 2022 sorgte sie an den U23-Titelkämpfen mit dem Gewinn von Gold über 10 km klassisch für einen Paukenschlag.
Unter Druck fühlt sie sich als Weltmeisterin nicht. Ihre Ambitionen aber sind erneut hoch. «Mein Ziel ist es, wieder eine Medaille zu gewinnen», sagt sie, schränkt aber ein: «Dafür muss alles zusammenpassen.»
In welcher Disziplin sie die grösste Möglichkeit dafür sieht? Weber lacht. Sie kann die Frage nicht beantworten. Muss sie auch nicht.
Die Oberländerin ist in der beneidenswerten Lage, als Allrounderin in allen drei Einzelrennen Chancen zu haben. Dazu auch noch in der Staffel – es sind wahrlich attraktive Aussichten.