Abhaken gehört dazu
EHCW ist im Fahrplan
Der EHC Wetzikon biegt auf Rang 2 in die Endphase der Qualifikation. Für Trainer Christian Modes stimmt die Entwicklung.
Für einmal konnte er sich offensiv austoben. 17 Tore gelangen Erstligist EHC Wetzikon beim problemlosen Sieg gegen den Drittligisten Engelberg in der Cup-Vorqualifikation. So einfach haben es die Oberländer in der Meisterschaft jeweils nicht.
Ihr klarster Erfolg bisher: Das 5:1 gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Unterseen-Interlaken, der nach zwei Dritteln der Qualifikation sieglos ist.
Die Berner sind die Ausnahme. Die Teams in der Ostgruppe sind zusammengerückt. Ist es eine Nivellierung nach oben? Oder nach unten? Darüber gehen die Meinungen auseinander.
Fakt ist: Im Prinzip kann jeder jeden schlagen. Diese Ausgeglichenheit widerspiegelt sich in der Tabelle. Den Zweiten Wetzikon trennen sieben Punkte vom siebtplatzierten Herisau. Das tönt nach viel, ist es bei der Drei-Punkte-Regelung aber nicht.
Die Ausbeute stimmt
Welche vier Teams mit Heimrecht in die Playoffs steigen, ist also offen. Die Qualifikation in den Top 4 zu beenden, ist für den EHCW das Mindestziel. Die Erwartungen sind höher, wie Trainer Christian Modes festhält: «Wir wollen am Schluss Erster sein.»
Vier Punkte trennen die Oberländer derzeit von Leader Luzern. Am Samstag folgt das Direktduell. Die Ausgangslage ist für Modes simpel: «Wir sind in der Rolle des Jägers und müssen gewinnen.»
Manchmal fallen wir in alte Muster zurück.
Christian ModesTrainer EHC Wetzikon
Die mit einfachem, schnörkellosen Hockey überzeugenden Innerschweizer sind im Hoch. Anfang Oktober verloren sie letztmals. Zehn Siege reihten sie in der Meisterschaft mittlerweile aneinander.
Eine solch eindrückliche Bilanz haben die Wetziker in den letzten Wochen nicht vorzuweisen. Sie müssen ihre aber nicht verstecken. Sieben der letzten zehn Partien hat der EHC Wetzikon gewonnen. Mit dieser Ausbeute ist Modes zufrieden. Er sagt: «Wir sind im Fahrplan.»
Die Erwartungen der Fans
Im Verlauf der Qualifikation hat sich der EHCW spielerisch gesteigert. Die routinierte und mit diversen starken Einzelspielern gespickte Mannschaft hat zwar Luft nach oben. Sie ist aber wohl näher dran am Leistungsmaximum als noch in der Startphase der Meisterschaft.
Vor Rückschlägen ist das langjährige Spitzenteam derweil nicht gefeit, wie man jüngst beim 1:5 in Wil gesehen hat. Da passte wie in der zweiten Runde gegen Bellinzona (0:5) von Anfang bis zum Ende nichts zusammen.
Sorgen macht sich Trainer Modes nach dem jüngsten Aussetzer keine. Das aus seiner Sicht wichtigste Kriterium erfüllten die Spieler bei der Partie in der Ostschweiz: «Kämpferisch kann ich ihnen keinen Vorwurf machen.»
Der eine oder andere missglückte Auftritt lässt sich im Verlauf der Qualifikation sowieso kaum verhindern. Modes sagt: «So etwas muss man sofort abhaken.»
Dass Fans und Personen im Klubumfeld auf spielerisch maue Auftritte oder eben klare Niederlagen wie in Wil nicht mit Freudensprüngen reagieren, ist ebenfalls nachvollziehbar. Die Erwartungshaltung bei den treusten Anhängern, die daheim und auswärts kaum eine Partie verpassen, ist hoch.
Deren Idealvorstellung ist wohl: Der EHCW soll nicht nur gewinnen, sondern auf überzeugende Art und Weise.
Modes hat mit der Anspruchshaltung keine Probleme. Im Gegenteil, der Trainer empfindet den Druck als positiv. Er sagt mit Nachdruck: «Wir sind Wetzikon! Wir waren gefühlt zehn Jahre hintereinander im Final. Wir müssen alles geben, um Erfolg zu haben.»
Die Arbeit am Muster
Gleich zehnmal am Stück waren die Wetziker zwar nicht im Ostschweizer Final, in den letzten vier Jahren aber immer. Das ist eine stolze Ausbeute. Dabei sein genügt dem EHCW allerdings nicht mehr – er peilt den Aufstieg in die höchste Amateurliga MHL an.
Dafür muss der Oberländer Erstligist in den Anfang Februar beginnenden Playoffs bereit sein. Die Erfahrungen aus der Qualifikation sollen ihm in der entscheidenden Phase helfen. Modes ist überzeugt, dass die Richtung stimmt.
Die breiter als in der Vorsaison besetzte Mannschaft ist zu einer Einheit zusammengewachsen. Im taktischen Bereich sieht der Trainer ebenfalls Fortschritte. Auch wenn er einschränkt: «Manchmal fallen wir in alte Muster zurück.»
Beispielsweise dann, wenn der EHCW viel Druck erzeugen will. In solchen Situationen ist bisweilen die Distanz zwischen den Verteidigern und Stürmern zu gross ist, wenn letztere alle zu tief in der gegnerischen Zone sind.
Kommt der Gegner in Scheibenbesitz, kann er mit viel Tempo die entblösste Mittelzone überbrücken und hinten drohen den EHCW-Verteidigern Unterzahlsituationen.
Die Gegentorquote ist für ein Spitzenteam noch zu hoch. Zugleich würde den Wetzikern eine bessere Effizienz in der Offensive die Arbeit wesentlich erleichtern.
Gegen die Argovia Stars etwa feuerte das Modes-Team Mitte November rund 50 Schüsse auf den gegnerischen Torhüter – mehr als das Doppelte der Aargauer. Der EHCW aber verlor 1:4.
