Für die Gegner ist er unberechenbar
Es ist ein eindrücklicher Beweis seiner Stärke: In nur drei Minuten schlug der EHC Illnau-Effretikon gegen Uzwil gleich fünfmal zu. Der zuvor schläfrige Oberländer Zweitligist machte ab der 10. Minute mit dem Torspektakel aus einem Rückstand eine 5:1-Führung.
Am Schluss gewann das Team von Gianni Dalla Vecchia gegen den nur mit 13 Feldspielern angetretenen Gegner 9:4, ohne ans Limit gehen zu müssen.
Der Start in die zweite Hälfte der Qualifikation ist dem EIE also geglückt. Nach acht Siegen in zehn Spielen grüsst er nicht nur von der Tabellenspitze. Der Klub vom Eselriet ist mit 62 Toren gemeinsam mit Weinfelden am treffsichersten und hat sich ein Polster von fünf Punkten Vorsprung auf die ersten Verfolger erarbeitet.
«Wir haben viele gute Partien gezeigt.»
Gianni Dalla Vecchia, EIE-Trainer
Bei diesen Eckwerten erstaunt es nicht, fällt die Zwischenbilanz des Trainers positiv aus. «Wir haben viele gute Partien gezeigt», sagt Dalla Vecchia, der sein erstes Jahr hinter der EIE-Bande steht. Zusammen mit Assistent Christian Anderegg hat der 59-jährige Schaffhauser schon jetzt für eine weitere Saison unterschrieben.
Er findet den Klub «sensationell geführt» und lobt seine Mannschaft. «Sie hat einen guten Zusammenhalt, ist ruhig auf dem Feld, und man sieht ihr die Spielfreude an.»
Das gute Klima trägt sicher zum Erfolg bei. Aber es gibt weitere Gründe, warum der EIE auf besten Weg ist, seinen Qualifikationssieg aus dem Vorjahr zu wiederholen.
So hat sich das Gesicht der Mannschaft auf diese Saison hin nur unwesentlich verändert. Der EIE musste sich also nicht zuerst neu finden.
Dazu steckt in der Oberländer Equipe viel Talent. Läuferisch ist Dalla Vecchias Mannschaft den Gegnern überlegen – mit Ausnahme von Dielsdorf-Niederhasli.
Herausragen muss keiner
Der wohl wichtigste Punkt aber ist die enorme Kompaktheit des Teams. Diese lässt sich auch aus der Skorerliste herauslesen. Einen Spieler des Tabellenführers sucht man in den Top Ten vergebens.
Der EIE ist nicht auf herausragende Einzelspieler angewiesen. Es sind immer wieder andere, die für den Unterschied sorgen. Nur drei der 23 eingesetzten Feldspieler haben noch gar kein Tor erzielt. Dalla Vecchia lässt häufig mit vier Sturmlinien spielen, «weil wir vier Blöcke haben, die Spiele entscheiden können».
Die Kräfte sind so gut verteilt. Die Ausgeglichenheit macht den EIE für die Gegner unberechenbar. Die Breite im Kader hilft ebenfalls, Ausfälle zu kompensieren. Etwa jenen von Captain Marco Thaler. Der Verteidiger bestritt erst drei von zehn Partien.
Die zahlreichen Siege haben dem EIE Selbstvertrauen verschafft. So viel, dass er gelassen mit Widrigkeiten umgehen kann.
Gegen Uzwil verschärfte er im Schlussdrittel das Tempo halt nochmals, nachdem er den Gegner durch Nachlässigkeiten hatte auf 6:4 heranrücken lassen.
Ein anderes Beispiel: Anfang November verspielte Dalla Vecchias Team gegen Lenzerheide im Schlussdrittel innert wenigen Minuten einen 3:0-Vorsprung. «Dennoch hatte ich keine Sekunde lang Angst, dass wir das Spiel verlieren», erinnert sich der Trainer.
Der EIE legte nach dem Ausgleich wieder einen Zacken zu, gewann letztlich 6:3.
Lernfähigkeit lässt hoffen
Ein einziges Mal verloren die Oberländer bisher in der regulären Spielzeit; nach einem verschlafenen Auftakt mit zwei Gegentoren in den ersten drei Minuten gegen den damals Letztplatzierten EHC Kreuzlingen-Konstanz.
Von einem «Lehrblätz» spricht Dalla Vecchia. Das Team habe den Gegner schlicht unterschätzt. Das ist ihm seither zur Freude des Headcoachs nicht mehr passiert.
Die Lernfähigkeit lässt für die Playoffs hoffen. Denn der EIE ist zwar seit Jahren ein Spitzenteam, war in der Qualifikation fünfmal hintereinander nie schlechter als Dritter. Er scheiterte in jenen Jahren aber dreimal in den Viertelfinals. Letzte Saison war gar schon im Achtelfinal Schluss.
«Die Playoffs fangen nicht mit dem ersten Spiel der Serie an, sondern in der Schlussphase der Qualifikation.»
Gianni Dalla Vecchia, EIE-Trainer
Dasselbe soll nicht erneut passieren. Worin liegt für Dalla Vecchia der Schüssel für erfolgreiche Playoffs? Bei einer spielerisch so guten Mannschaft komplett im Mentalen, ist der Trainer überzeugt.
Er sagt: «Wir müssen eine gewisse Lockerheit an den Tag legen können, aber ebenfalls eine Schippe drauflegen.» Letzteres ist nicht auf Knopfdruck machbar. «Die Playoffs fangen nicht mit dem ersten Spiel der Serie an», sagt Dalla Vecchia, «sondern in der Schlussphase der Qualifikation.»
Der Kopf soll frei sein
Bis dahin kann sich der Trainer dem Feinschliff widmen. Vorerst setzt er den Hebel in der Defensivarbeit an. «Da sind wir manchmal zu nonchalant.»
Bis zur entscheidenden Meisterschaftsphase dürften zugleich alle Unklarheiten beseitigt sein, damit die Spieler den Kopf freihaben.
Dalla Vecchia geht davon aus, dass Ende Januar das Kader der Saison 2022/2023 steht. Und auch die Frage geklärt ist, ob der EIE bei einem Triumph in die 1. Liga aufsteigen würde. Bis jetzt hat man darüber im Klub nämlich noch nicht gesprochen.
