McGregor will nicht ohne den Erfolgstrainer
Es ist ein happiges Programm. Bereits am Freitag startete Kaitlyn McGregor zum Weltcup-Auftakt im norwegischen Stavanger über 3000 m. Dabei reichte es der in der Division B startenden Ebmatingerin zu Platz 7 im Feld der 22 Läuferinnen.
Über das Wochenende stehen für sie noch weitere Rennen über 1000 und 1500 m sowie im Massenstart an. Verdient hat McGregor sich diese Einsätze unlängst bei der internen Weltcup-Qualifikation in Inzell, wo sie jeweils die Schnellste war. Nur eine Schweizerin ist derzeit im Weltcup pro Disziplin zugelassen.
«Meine Form ist schon ähnlich wie letzte Saison. Das ist ein gutes Zeichen», findet McGregor .
Die Basis dafür hat sie mit dem Schweizer Team im Sommertraining in Geisingen und im Eisschnelllauf-Mekka Inzell gelegt, wo die McGregors ein Haus besitzen.
Die Vorbereitungszeit in Deutschland ging allerdings nicht frei von Nebengeräuschen über die Bühne. Dies, weil sich der Verband nach der letzten Saison von Coach Kalon Dobbin getrennt hatte.
Dabei war es gerade der Neuseeländer gewesen, der grossen Anteil daran hatte, dass McGregor nach einer jahrelangen Pause seit 2019 wieder regelmässig auf dem Eis steht.
Sport ohne Infrastruktur
Unter einer anderen Führung zu trainieren, war aber für die besten Schweizer Kaderläuferinnen und -läufer kein Thema. «Das wäre ein Rückschritt gewesen», sagt McGregor . Das Team hat die Alternativen des Verbands ausgeschlagen.
Die Trainingsgruppe, der auch zwei Neuseeländer und drei Dänen angehören, entschied sich deshalb, Dobbin privat zu finanzieren. Jan Caflisch, Vizepräsident von Swiss Ice Skating und Chef Kommission Speed, hat für den Entscheid sogar Verständnis.
«Eisschnelllaufen ist bei uns eine Randsportart ohne Infrastruktur. Wir können unsere Athleten leider nicht so unterstützen, wie wir es gerne würden», sagt er.
Sinnbildlich dafür ist, dass es hierzulande keine Bahn über 400 m Länge gibt. Die Basisarbeit vom Verband wird deshalb auf dem Zürcher Dolder gelegt – auf einem Rund von 243 m , das nicht den Wettkampfnormen entspricht.
Der Verband trennte sich von Dobbin aufgrund der fehlenden Ausbildung nach vier Jahren Zusammenarbeit. «Wir haben zunächst ein Auge zugedrückt», sagt Caflisch. Der Verband müsse sich aber an die Vorgaben von Swiss Olympic halten, dem grössten Geldgeber.
Unterstützung gibt es für die besten Eisschnellläufer, die einen erheblichen Teil der Kosten selbst tragen, zumindest im Materialbereich und finanziell im Zusammenhang mit dem Weltcup.
Die einzige Chance
Dieser macht nach Stavanger im holländischen Heerenveen halt und dann auf der schnellen Bahn von Calgary. Gerade die Rennen in Kanada sind von grosser Bedeutung. Es ist für die Schweizerinnen im Dezember die einzige realistische Gelegenheit, sich ein Ticket an die WM-Rennen im Teampursuit mit den acht schnellsten Nationen zu sichern.
Der Grund: In Stavanger fehlen mit Vera Güntert und Nadja Wenger zwei Läuferinnen des Teams. Und bei der anschliessenden Weltcup-Station in Heerenveen steht Teampursuit nicht im Kalender.
Für das Team ist die WM dennoch ein realistisches Ziel, nur schon deshalb, weil mit Russland und Weissrussland zwei Konkurrenten wegfallen.
«Kaitlyn hat ein unglaubliches Gefühl auf dem Eis.»
Jan Caflisch, Swiss Ice Skating
Weitaus schwieriger ist es für McGregor , sich in einer Einzel-Disziplin für die WM zu qualifizieren. Über die meisten Distanzen sind nur die schnellsten 20 Läuferinnen zugelassen. Sie selbst ordnet sich im Bereich der Top 30 ein.
Die WM-Kriterien sind damit vergleichsweise höher als für die Olympischen Spiele, die McGregor in ihrer Karriere zweimal nur knapp verpasste hatte (2014, 2022).
Dass es in einem dritten Anlauf klappen könnte, ist für Caflisch, selbst ein ehemaliger Eisschnellläufer, ausser Frage. «Kaitlyn hat ein unglaubliches Gefühl auf dem Eis», sagt er.