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Mit schlechtem Gefühl zum Topresultat

Kevin Kuhn ist an der EM in Belgien auf den starken 5. Platz gefahren. Dabei fühlte er sich das ganze Rennen lang gar nicht in der Lage, ans Limit zu gehen.

Der Gibswiler Kevin Kuhn (rechts) schlug sich auf dem kräftezehrenden EM-Parcours hervorragend und wurde Fünfter.

Foto: Keystone

Mit schlechtem Gefühl zum Topresultat

Dass er in ausgezeichneter Form ist und die Lücke zur Spitze zuletzt erheblich verkleinert hat? Ja, das hat Kevin Kuhn natürlich gewusst.

Es waren deshalb verlockende Aussichten für den ersten Höhepunkt der Saison. Grosse Töne wollte der Gibswiler vor den Europameisterschaften in Namur vom Sonntag dennoch keine spucken. Auf ein Rangziel liess er sich nicht hinaus. Stattdessen sagte er:  «Wenn ich mit einem guten Gefühl aus dem Rennen komme, bin ich zufrieden.»

«Ich habe mich nie wohlgefühlt.»
Kevin Kuhn

Beim Blick aufs Resultat hätte man nun annehmen können, Kuhns Gefühl sei gar noch etwas besser als nur einfach gut gewesen sein, als er vom Rad stieg. Der 24-Jährige fuhr auf dem vom Regen aufgeweichten, sehr anspruchsvollen Kurs auf den starken 5. Platz. 

Ungetrübt war seine Freude darüber nicht. Kuhns Einschätzung überraschte gar. «Klar, diesen Rang hätte ich vor dem Rennen natürlich genommen», sagte der Tösstaler, der mit dem Auftritt haderte. «Ich habe mich nie wohlgefühlt, konnte nicht voll ans Limit gehen. Mit dem Resultat bin ich zwar glücklich, nicht aber mit meiner Leistung.» 

Kuhns Gefühle also waren zwiespältig. Mit dem 5. Rang aber bescherte er der Schweiz erstmals seit sechs Jahren an Europameisterschaften wieder einmal einen Top-Ten-Platz. 2016 war Marcel Wildhaber im französischen Pontchâteau Achter geworden.

Kuhn klassierte sich in Namur indes nicht nur drei Ränge weiter vorne als damals Wildhaber. Mit Timon Rüegg (10.) gelang es gar einem zweiten Schweizer, in die ersten zehn zu fahren. Die beiden guten Freunde waren zwischenzeitlich miteinander unterwegs gewesen, ehe Kuhn sich von seinem Landsmann absetzte. 

Der beim belgischen Team Tormans unter Vertrag stehende Kuhn war schnell gestartet. Der Tösstaler tauchte in der Anfangsphase unmittelbar hinter der Spitze auf. Nach vier von neun Runden aber war das Schweizer Queraushängeschild auf Rang 8 abgerutscht.

Weil er, wie er sagt, zu Beginn wohl etwas überbordete. «Ich musste darum danach einige Runden lang mein eigenes Tempo fahren und verlor dadurch an Boden.»

In der Folge kämpfte sich der technisch starke Fahrer, der 2019 das U23-Weltcuprennen von Namur gewonnen hatte, aber wieder Rang um Rang nach oben. Nach etwas mehr als der Hälfte des Pensum war Kuhn schon auf Platz vier vorgestossen.

Mehrere prominente Ausfälle 

Weiter nach oben aber ging es nicht mehr. Der Abstand zum Podest blieb immer zwischen 35 und 45 Sekunden. Im Ziel betrug er auf den drittklassierten Belgier Laurens Sweek 34 Sekunden. 

Dessen Landsmann Michael Vanthourenhout sicherte sich den EM-Titel. Er knüpfte dem niederländischen Titelverteidiger Lars van der Haar, der trotz einem Sturz in der zweiten Runde bis zur Rennhälfte geführt hatte, 40 Sekunden ab.

Zwei der meistgenannten Favoriten auf den Titel erreichten zur Enttäuschung der belgischen Zuschauer das Ziel nicht. Der im Gesamtweltcup führende Eli Iserbyt stieg ebenso frühzeitig vom Rad wie auch Quinten Hermans. Der EM-Sechste des Vorjahres, Jens Adamas, trat gar nicht erst an. Die Ausfälle spielten Kuhn in die Karten. 

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