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Jetzt ist noch mehr Konstanz gefragt

Kevin Kuhn will an die gute letzte Saison anknüpfen. Der beste Schweizer Querfahrer schielt auch Richtung Weltcup-Podest.

In der Heimat – hier am Radcross Illnau – holt der Gibswiler Kevin Kuhn Anlauf für die wichtigen internationalen Rennen.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Jetzt ist noch mehr Konstanz gefragt

Sein Anspruch? So zu planen, dass er in der Schlussphase der Saison noch genügend Energie im Tank hat. Geschicktes Taktieren zwischen Belastung und Erholung ist nötig, bestreitet Kevin Kuhn in den kommenden Monaten doch im Wochenrhythmus kräftezehrende Wettkämpfe – verbunden mit der ganzen Reiserei.

Die wichtigsten Rennserie für den Gibswiler ist der Weltcup. Um die im Kalender 14 Rennen in insgesamt acht verschiedenen Ländern plant er die restlichen Einsätze herum. Wie beispielsweise jene in der belgischen Superprestige-Serie. 

«Ich will nicht schon am Anfang der Saison die grossen Reisen machen.»
Kevin Kuhn

Obwohl Kuhns Hauptaugenmerk auf dem Weltcup liegt, lässt er die ersten zwei Rennen sausen. Anders als im Vorjahr verzichtet der 24-Jährige auf die Reise in die USA, wo am 9. Oktober der Startschuss fällt und eine Woche später ein zweiter Weltcup stattfindet.

Er tut das, um den Krafthaushalt zu schonen. Kuhn sagt: «Ich will nicht schon am Anfang der Saison die grossen Reisen machen.» Kommt hinzu: Der beste Schweizer Querfahrer geniesst es, mit kleineren internationalen Rennen in der Heimat, an denen er viele Leute an der Strecke kennt, zu beginnen. Wie das Radcross in Illnau, das er vor eineinhalb Wochen für sich entschied. 

Kuhns Einschätzung nach seiner Vorbereitung, in der er unter anderem zwei Wochen mit seinem belgischen Team Tormans in Spanien trainierte: «Die Form stimmt, ist aber noch nicht top.» Muss sie aber auch gar nicht sein. Denn ein bisschen Zeit bleibt ihm bis zum 23. Oktober und dem ersten Vergleich mit der Weltspitze im tschechischen Tabor noch.

Rang 12 belegte Kuhn letzte Saison im Gesamtweltcup. Und fand danach: «Ich weiss, ich kann mehr.» Wobei der Querspezialist mit seinem zweiten Winter auf Elitestufe zufrieden war.

An der WM wurde Kuhn guter Neunter, im Weltcup fuhr er achtmal in die Top 15. In Flammanville (FRA) gelang ihm als Fünfter das Karriere-Bestresultat. Und so gut war seit 2015 kein Schweizer mehr gewesen. Kuhn verlor dabei nur rund eine halbe Minute aufs Podest. 

«Ich bin wieder ein Jahr älter, habe ein Jahr mehr trainiert und wieder einige Strassenrennen gefahren.»
Kevin Kuhn

Ist er für den Schritt aufs Treppchen bereit? Sonst immer für einen lockeren Spruch zu haben, gibt sich Kuhn für einmal zurückhaltend. «Irgendwann ist es mein Ziel. Dafür muss aber alles für mich laufen.»

Weiss Kuhn, wann letztmals ein Schweizer auf dem Weltcup-Podest stand? «Das muss enorm lang her sein», vermutet der Weltrangliste-Elfte lachend. Und liegt richtig, indem er auf den Dürntner Simon Zahner tippt. 2013 brillierte der mittlerweile zurückgetretene Oberländer mit Rang 3 in Hoogerheide (NED) und sagte danach: «Heute war Weihnachten, Hochzeitstag und Geburtstag in einem.»

Was ist mit dem Motor?

Mit Podestplätzen beschäftigt sich Kuhn vorerst nicht. Der Gibswiler, dessen Vertrag bei Tormans Ende Saison ausläuft, ist kein Träumer, sondern ein «Chrampfer», der neue Wege ausprobiert. Seit einigen Monaten arbeitet der 24-Jährige mit einem Mentaltrainer zusammen. «Das hilft mir.»

Im Sommer fuhr Kuhn wiederum für das Nachwuchsteam des World-Tour-Rennstalls EF Education-EasyPost auf der Strasse. Wenn auch weniger Rennen als geplant, da ihn Corona zwischenzeitlich stoppte. Gelang es ihm auf der Strasse trotzdem wie geplant, seinen «Motor» zu vergrössern? «Schwierig zu sagen», sagt Kuhn. «Aber ich bin wieder ein Jahr älter, habe ein Jahr mehr trainiert und wieder einige Strassenrennen gefahren.»

Mit welchen Erwartungen steigt er nun in die Quersaison, dessen erster Höhepunkt die EM Anfang November in Belgien ist? Kuhn hat sich zum Ziel gesetzt, die guten Ergebnisse des letzten Winters zu bestätigen. Er sagt: «Ich will bei den wichtigen Rennen konstant vorne mitfahren.»

Einfacher wird dieses Unterfangen jeweils, wenn Topfahrer wie Mathieu van der Poel, Wout van Aert und Tom Pidcock – die Weltmeister der letzten acht Jahre – jeweils fehlen. Das Trio hat angekündigt, nur vereinzelt anzutreten. Wirklich neu ist das allerdings nicht. Van Aert etwa bestritt letzte Saison drei Weltcups, Van der Poel gar nur einen.  

Die Neuerungen lassen ihn kalt

Kuhn hat seine Saisonplanung derweil schon anpassen müssen. Gleich drei Weltcup-Austragungsorte sind kurzfristig geändert worden.

Neu ist beispielsweise ein Rennen in Dublin im Kalender. Kuhn lassen die Rochaden kalt. Er muss das Terrain nicht Monate im Voraus besichtigen, um mit gutem Gefühl zu starten.

«So etwas bringt mir nicht viel», sagt er lapidar. «Nur deshalb gewinne ich doch kein Rennen.»

Nach einem Jahr Unterbruch gibt es eine neue Rennserie 

Im letzten Winter und nach dem Aus der Crosstour (2014 bis 2021) hatte es erstmals nach vielen Jahren keine Schweizer Radquer-Serie mehr gegeben. Erfreulich für den Schweizer Radquersport: Mit dem Rennen in Mettmenstetten erfolgte am Sonntag der Startschuss einer neu lancierten Serie, die «Swiss Cyclocross Cup» heisst.

Fünf Veranstaltungen haben sich diesem angeschlossen, neben Mettmenstetten auch die Rennen in Schneisingen (23. Oktober), Bulle (30. Oktober), Hittnau (13. November) und Meilen (2. Januar). Der Cup hat keinen Hauptsponsor – die Veranstalter organisieren ihre Wettkämpfe eigenständig. Alle Rennen gehören der internationalen Klasse C2 an. (zo) 

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