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Vom Schwerarbeiter bis zum Rückgrat

Ein Dutzend Spieler aus dem Zürcher Oberland und dem Glattal stehen bei National-League-Klubs unter Vertrag. Wer diese Saison wo spielt – eine Rundschau.

Der Volketswiler Melvin Nyffeler ist bei den Rapperswil-Jona Lakers eine Identifikationsfigur., Einer der offensiven Trümpfe der ZSC Lions – der Wermatswiler Sven Andrighetto. , Sven Senteler aus Wangen (rechts) war letzte Saison die positive Überraschung bei Meister EV Zug.

Foto: Keystone

Vom Schwerarbeiter bis zum Rückgrat

Die Rapperswil-Jona Lakers und die ZSC Lions haben am Mittwoch den Auftakt gemacht, am Freitag legen auch fast alle anderen Teams der National League los. Einzige Ausnahme ist Aufsteiger Kloten. Er greift erst am Sonntag erstmals ein. 

In zehn der neu 14 Klubs der höchsten Liga stehen Spieler aus dem Zürcher Oberland oder dem Glattal unter Vertrag. Und nehmen mehr oder weniger prominente Rollen ein.

Wer bei welchem Verein engagiert ist? Und welche Klubs auf Eishockeyprofis aus der Region verzichten? Hier folgt die Übersicht – in alphabetischer Reihenfolge. 

 

HC Ajoie

Tim Wolf ist der hinterste Mann beim HC Ajoie. Der Hinteregger ist damit nicht nur beim abgeschlagenen Schlusslicht der Saison 2021/22 der Goalie mit der meisten Arbeit, er ist es gar schweizweit. Wolf zeigte in der letzten Saison so viele Paraden (1416) wie kein anderer Goalie der National League, wobei die 1579 Schüsse, die auf sein Tor abgegeben wurden, ebenfalls Ligarekord sind. 

Ob der 30-Jährige heuer weniger zu tun hat? Wahrscheinlich. Ajoie hat zwar nicht wirklich aufgerüstet. Immerhin aber ist es dem Klub gelungen, mit Damiano Ciaccio einen erfahrenen Goalie zu verpflichten, der Wolf etwas entlasten kann. 

HC Ambri-Piotta

Man kann es drehen und wenden wie man will: Der HC Ambri-Piotta ist einer jener Klubs, die in dieser Saison auf Oberländer Know-how verzichten. Man muss sogar weit zurückblicken, um die letzten «Oberländer Spuren» im Tessiner Klub zu finden.

In der Saison 2017/18 absolvierte der aus dem EHC Dübendorf stammende Toni Szabo ein einziges Spiel für Ambri. Die Saison zuvor stand der Hinteregger Goalie Tim Wolf bei den Tessinern unter Vertrag – ebenfalls mit sehr überschaubarer Eiszeit. 

SC Bern

Der SC Bern hat eine Totalüberholung hinter sich. Elf neue Spieler verpflichtete er – darunter Marco Lehmann. Der Stürmer aus Bauma stand die letzten zwei Saisons bei den Rapperswil-Jona Lakers unter Vertrag. Da gelangen ihm in seinem ersten vollen NLA-Jahr satte 34 Skorerpunkte. Und er wurde zum Youngster of the year gewählt.

In der Saison 2021/22 aber war beim 23-Jährigen der Wurm drin. Mehrfach fiel er mit Verletzungen aus, nur ein einziges Tor erzielte er in 29 Partien. Nun versucht das Talent, beim SCB an sein Debütjahr auf höchster Stufe anzuknüpfen.

EHC Biel

Seine bereits fünfte Saison beim EHC Biel packt Mike Künzle an. Der Fehraltorfer Powerflügel gewann mit den ZSC Lions zwei Meistertitel. Und würde in seiner neuen Heimat logischerweise nur zu gerne einen weiteren gewinnen.

Künzle kann die Meisterschaft mit dem Selbstvertrauen angehen, letzte Saison seine bisher besten Leistungen auf höchster Stufe abgeliefert zu haben. Der 28-Jährige sammelte als Leistungsträger in Biel so viele Punkte (30) wie noch nie. Und verpasste seine erste WM-Teilnahme nur um ein Haar – er fiel dem letzten Cut zum Opfer.   

HC Davos

24 ist Raphael Prassl erst. Doch der im Nachwuchs der ZSC Lions ausgebildete Wetziker Stürmer hat mit seinem Stammklub schon einen Meistertitel gewonnen. Und kann auch auf bereits fünf Jahre in der NLA zurückblicken. 

Der Jus-Student hat nach dem Wechsel in die Berge überzeugt. Er hat den nächsten Entwicklungsschritt gemacht und gleich auch noch seine Punkteausbeute nach oben geschraubt. Der als Center und Flügel einsetzbare Angreifer erhält in Davos genau das, was er gesucht hat – viel Verantwortung.

Raphael Prassl ist beim HC Davos ein Leistungsträger.

Genève-Servette HC

Der Klub, die Mannschaft und die Stadt – Marco Miranda ist rundum zufrieden in Genf. Darum hat der seit 2019 in der Westschweiz spielende Dübendorfer seinen Vertrag bis 2023 verlängert.

Der körperlich und läuferisch starke Stürmer verfügt – obwohl erst 24 – bereits über die Erfahrung von mehr als 200 NLA-Spielen. Mit den ZSC Lions wurde er 2018 Meister. Im Mai bestritt Miranda seine erste WM, wobei er noch keine tragende Kraft war. In Genf ist man allerdings überzeugt: Da geht noch was. Mirandas Potenzial ist nicht ausgeschöpft. 

HC Fribourg-Gottéron

Der HC Fribourg-Gottéron ist einer aus dem NLA-Quintett, in dessen Kader aktuell kein Oberländer steht. Aber mit einem – zugegebenermassen sehr billigen – Kniff lässt sich doch etwas machen.

Goalie Reto Berra ist zweifelsfrei ein Bülacher. Also ein Unterländer. In der Frühphase seiner Karriere aber – genau genommen in der Saison 2004/05 – hielt sich der heute 35-Jährige häufig im Glattal auf. Berra bestritt für den EHC Dübendorf immerhin 28 Partien.

EHC Kloten

Beim NLA-Aufsteiger EHC Kloten spielt derzeit kein Oberländer oder Glattaler eine Rolle. Zumindest unten auf dem Eis.

Auf operativer Ebene aber hat ab sofort ein Grüninger das Sagen: Anjo Urner ist der neue Geschäftsführer des EHC Kloten. 

SC Langnau

Den SCL Tigers dürfte eine schwierige Saison bevorstehen. Dies hat zwar nichts mit dem Umstand zu tun, dass die Emmentaler auf Oberländer Kräfte verzichten, sondern vor allem mit der generell begrenzten Qualität im Kader.

Noch ist es nicht lange her, seit jemand aus dem Glattal in Langnau eine wichtige Rolle inne hatte. Der Dübendorfer Marco Bayer war zwischen 2018 und 2020 Sportchef bei den Tigers. Jetzt ist er Headcoach der Schweizer U20-Nationalmannschaft.

Lausanne HC

Seit rund zweieinhalb Jahren ist der Lausanne HC unter neuer Führung. Und sorgt seither mit  einer enormen Personalfluktuation für Aufsehen. Immer wieder trennen sich die Westschweizer von Spielern mit weiterlaufenden Verträgen. Bisher jeden schweren Wellengang überstanden hat Joel Genazzi.

Der Greifenseer Verteidiger ist allerdings auch kein x-beliebiger «Springinsfeld» in Lausanne, sondern ein zentraler Spieler und schon fast ein Klub-Urgestein. Genazzi nimmt seine zehnte Saison mit Lausanne in Angriff. Der Vertrag des 34-Jährigen, der letzte Saison im Schnitt fast 19 Minuten pro Partie auf dem Eis stand, läuft bis 2025 – was bei dieser sportlichen Führung aber nichts heissen muss. 

HC Lugano

Unter Palmen seinem Beruf nachzugehen – für viele Eishockey-Profis ein Traum. Der Bubiker Sandro Zangger war zwei Jahre im HC Lugano unter Vertrag, wobei er zwischendurch ins Farmteam verbannt wurde.

Weil die Tessiner nach Zanggers Abgang im Frühjahr 2021 keinen «Realersatz» holten, ist kein Oberländer mehr in ihren Reihen zu finden.   

SC Rapperswil-Jona Lakers

Der Volketswiler Melvin Nyffeler ist eine der zentralen Figuren für den Aufschwung der SC Rapperswil-Jona Lakers. Seit sieben Jahren ist der Torhüter im Klub. Mit der Vertragsverlängerung bis 2026 hat die Identifikationsfigur längst ein starkes Bekenntnis zu den Lakers abgegeben. 

Für Stürmer Sandro Zangger hat sich derweil der Wechsel zu den Lakers als Glücksfall erwiesen. Der Bubiker erhielt viel Auslauf, auch im Powerplay. Und fand nach mehreren unbefriedigenden Jahren in der letzten Saison zur früheren Gefährlichkeit zurück. Daran möchte er anknüpfen. Der Auftakt ist ihm geglückt. Schon im ersten Spiel gegen die Lions eröffnete der 28-Jährige sein Punktekonto wieder. 

ZSC Lions

Überraschend ist das nicht: Bei den ZSC Lions sind von allen NLA-Klubs am meisten Spieler aus dem Oberland und Glattal engagiert. Sven Andrighetto, Jérôme Bachofner und Dominik Diem sind allesamt Stürmer.

Die wichtigste Rolle des Trios bei den nochmals hochgerüsteten Lions nimmt der Wermatswiler Sven Andrighetto ein. Auf den Schultern des kreativen und schnellen Nationalspielers lastet viel Verantwortung. Während der technisch versierte Schwerzenbacher Dominik Diem schon seit 2019 wieder für seinen Stammklub aufläuft, ist Bachofner erst auf diese Saison zurückgekehrt. Der aggressive Flügelstürmer aus Dübendorf wurde zuletzt zweimal mit dem EV Zug Meister. 

EV Zug

2015 liehen die ZSC Lions Sven Senteler nach Zug aus. Wer hätte damals gedacht, dass daraus eine so lange Ehe wird? Der unerschrocken auftretende Stürmer aus Wangen ist noch immer beim EVZ, der sich zum Vorzeigeklub gemausert hat.

Senteler wurde zuletzt zweimal Meister mit den Zentralschweizern. In der letzten Saison spielte der als Center oder Flügel einsetzbare Angreifer dabei so stark wie wohl noch nie in seiner Karriere. Der 30-Jährige wurde von der «Zuger Zeitung» gar zur grossen EVZ-Entdeckung des Jahres gekürt. 

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