Die Erfahrenheit als Erfolgsfaktor
Fast auf den Tag genau ein halbes Jahr liegt das letzte Meisterschaftsspiel des EHC Wetzikon zurück. Mitte März bezwangen die Wetziker daheim Adelboden. Der Sieg im kleinen Erstliga-Final um den 3. Platz half allerdings nur wenig über die Enttäuschung hinweg, das grosse Ziel verpasst zu haben – den Sprung in die höchste Amateurliga MHL.
Am Samstag steigt der EHCW mit der Auswärtspartie in Burgdorf in die neue Saison. An den Ansprüchen des Oberländer Erstligisten hat sich nichts geändert. Er nimmt erneut einen Anlauf, um aufzusteigen.
Welche neuen Spieler haben die Verantwortlichen verpflichtet? Wie hat sich die Mannschaft verändert? Und wer könnte die Wetziker Pläne durchkreuzen? Eine Übersicht.
Die Veränderungen
Die Wetziker Mannschaft hat eine deutliche Blutauffrischung erhalten. Zehn Neue stehen im Kader, wobei die eine Hälfte davon grösstenteils sehr junge Spieler sind, die sich im Erwachseneneishockey erst beweisen müssen. Sie bringen eine gewisse Unbeschwertheit mit, die gut zur spielstarken Mannschaft passt.
Dazu haben Sportchef Diego Piceci und Trainer Christian Modes fünf Routiniers einen Wechsel nach Wetzikon schmackhaft gemacht. Loris Müller (25), Manuel Grigioni (27), Felix Käser (29), Mario Pieroni (29) und Thomas Mettler (31) bringen zusammengezählt die Erfahrung von fast 1000 Erstliga-Partien mit.
Es sind allesamt Spieler, die in ihren Karrieren viel erlebt haben. Und genau dann eine Schippe drauflegen können, wenn es zählt – in den Playoffs.
In der Offensive schmerzt zwar der Verlust von Manuel Laimbacher, der überraschend in die MHL zum EHC Arosa wechselte. Wetzikon musste auch den Abgang des langjährigen Captains und besten Verteidigers Nicolas Marzan hinnehmen, der neu für Bülach verteidigt.
Dank den Neuzuzügen, und weil ein Grossteil der letztjährigen Leistungsträger an Bord blieb, ist die Qualität im Team dennoch höher.
Die Mischung
Nach der Niederlage im Ostschweizer Final gegen Frauenfeld sah Sportchef Diego Piceci vereinfacht gesagt zwei Gründe fürs Scheitern: zu leicht und zu wenig tief besetzt.
Nach den Umbauarbeiten im Wetziker Kader kann man festhalten: Jetzt hat das Team mehr Breite. Das gibt Trainer Modes beim Linienmanagement mehr Optionen. Und sollte letztlich auch verhindern, dass die Topkräfte zu stark forciert werden müssen.
Der EHCW ist zudem im Schnitt grösser, schwerer und vor allem sehr viel erfahrener geworden. Es sind alles Faktoren, die in der entscheidenden Meisterschaftsphase zum Tragen kommen.
Wenn weniger spielstarke Teams mit Herz und Leidenschaft über sich hinauswachsen und Talent nicht mehr jene Währung ist, mit der die Wetziker jede Rechnung begleichen können. Sondern verstärkt Gradlinigkeit, Härte und Cleverness gefragt sind.
«Hinten sind wir viel besser geworden.»
Christian Modes, Trainer EHC Wetzikon
In der Abwehr sieht man den Wandel beim Oberländer Erstligisten am deutlichsten. Sieben gestandene Spieler stehen Modes zur Verfügung. «Hinten sind wir sehr viel besser geworden», freut er sich. Und ist ganz allgemein davon überzeugt, dass die Mischung zwischen jungen und arrivierten Kräften im Kader ideal ist.
«Grundsätzlich muss es unser Ziel sein, den Spielen unseren Stempel aufzudrücken», sagt Modes. Die läuferischen und spielerischen Möglichkeiten dafür dürften beim EHCW vorhanden sein.
Zentral sind für den Trainer andere Aspekte. «Es braucht Disziplin. Und immer eine Topeinstellung. Ohne die geht es einfach nicht.»
Die Ausgangslage
Die am besten besetzte Mannschaft der vergangenen Saison – der EHC Frauenfeld – machte nach ihrem Sieg im Ostschweizer Final gegen Wetzikon auch den letzten Schritt und verabschiedete sich als Schweizer Meister der 1. Liga nach oben. Wer füllt die Lücke als Topfavorit?
Der letzte Qualifikationssieger Pikes Oberthurgau hat seinen überragenden Goalie Michal Chmel verloren und muss stattdessen auf ein unerfahrenes Duo setzen. Bellinzona hat Ambitionen und zwei langjährige NLA-Spieler neu im Kader (Elias Bianchi, Patrick Incir), wird aber seinen Ruf als Wundertüte seit Jahren nicht los.
Und Prättigau-Herrschaft hat zwar enorm aufgerüstet, ein Sprung von Platz 11 nach ganz vorne dürfte dennoch kaum möglich sein. Es ist also nicht besonders gewagt, auf den EHCW als stärkstes Team zu tippen.
«Die Konkurrenz schläft nicht.»
Christian Modes, Trainer EHC Wetzikon
Trainer Modes hat mit der Favoritenrolle kein Problem. «Wir haben eine sehr gute Mannschaft.» Und, ja, auch entsprechende Ambitionen. Die Wetziker wollen nicht nur mit Heimrecht in die Playoffs starten, sondern wenn möglich von Rang 1 aus. «Unser Anspruch ist, dahin zu kommen», sagt Modes.
Was bei allen Wetziker Qualitäten kein Selbstläufer ist. «Die Konkurrenz schläft nicht», warnt Modes. Und vermutet eine ausgeglichenere Meisterschaft als in den Vorjahren. Die Vorbereitung bezeichnet der Trainer als «durchzogen».
Und den ersten Ernstkampf der Saison verlor Wetzikon im Cup gegen Bellinzona in der Verlängerung. Kein Weltuntergang, aber vielleicht ein Weckruf zur rechten Zeit.
