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Der erfüllte Wunsch und ein Glücksfall

Die Frauen des UHC Laupen steigen personell gut aufgestellt in ihre fünfte NLA-Saison. Den grossen Angriff auf die vorderen Ränge ruft Trainer Yves Kempf trotzdem nicht aus.

Die beiden besten Laupner Skorerinnen sind weiterhin dabei: Vanessa Kapp (links) und die Tschechin Hanka Lackova.

Archivfoto: Vibeke Rasmussen Elmiger

Der erfüllte Wunsch und ein Glücksfall

Für die Laupner NLA-Frauen beginnt die Meisterschaft mit einer Reifeprüfung. Das Team von Yves Kempf trifft am Sonntag in einer Woche daheim auf Supercup-Sieger Piranha Chur. Nach diesem Duell dürften die Laupnerinnen gleich wissen, was drinliegt.

Für einmal mussten sie kein einziges Aushängeschild ersetzen. Das Team ist eingespielt, weist einen guten Altersmix auf und ist breiter besetzt als in der Vorsaison.

Oder in anderen Worten: So rosig waren die Aussichten in Laupen schon ­lange nicht mehr. 

Die Ausgangslage

Mara Rüegg hat den Rücktritt vom Rücktritt erklärt.

Für Schlagzeilen an der Wechselbörse sorgen in den Sommer­monaten jeweils die anderen. Der UHC Laupen hat darum im Prinzip nur eine Chance, um in der NLA weiterzukommen: Er muss sich von innen heraus entwickeln.

Wenn sich allerdings, wie zuletzt üblich, Jahr für Jahr zentrale Spielerinnen zur Konkurrenz verabschieden und durch Nachwuchskräfte ersetzt werden müssen, ist dies nicht möglich.

Für einmal ist der grosse Wunsch von Trainer Yves Kempf nach Kontinuität allerdings in Erfüllung gegangen. Alle Leistungsträgerinnen sind an Bord geblieben. Mit Mara Rüegg, die aus dem sportlichen Ruhestand zurück ist, hat man gar noch eine NLA-erfahrene Kraft mehr an Bord. «Wir sind sehr gut aufgestellt», freut sich Kempf. 

«Jetzt sind wir mit drei Linien gefährlich.»
Yves Kempf, Trainer UHC Laupen

Das Kader besteht aus 23 Feldspielerinnen und zwei Torhüterinnen. Es weist damit eine Grösse auf, mit der sich Absenzen auffangen lassen. Neben der Quantität stimmt auch die Qualität.

«Jetzt sind wir mit drei Linien gefährlich», sagt Kempf. «Und nicht eine ist nur da, damit sich die anderen zwei erholen können.»

Die personelle Situa­tion also wäre ideal für einen Ent­wicklungsschritt. «Stimmt», sagt Kempf. Und gibt sich dennoch zurückhaltend. «Ob es weiter nach vorne reicht, ist halt die Frage.»

Die Trainingspräsenz etwa bezeichnet der Headcoach in der Vorbereitung als «nicht optimal». Und vermutet darum, man ­werde einige Zeit brauchen, um auf Touren zu kommen. Ein besserer Saisonstart als vor einem Jahr ­dürfte aber kein Kraftakt sein – Laupen war damals nach fünf Runden punktlos.

In die Hände spielen könnte dem Team auch, dass es fünf der ersten sieben Partien daheim austrägt. Kempf sagt: «Da spielen wir immer stärker.» 

Das Ziel

Vanessa Kapp gehört zu den besten Laupner Skorerinnen.

2022 ist das Jahr der Jubiläen beim UHC Laupen. Der Verein feierte im Sommer sein 30-jähriges Bestehen. Und packt seine bereits fünfte Saison auf höchster Stufe an.

Jedes Mal schafften die Oberländerinnen den Sprung in die Playoffs. Dreimal beendeten sie die Qualifikation auf Platz sieben, zuletzt wurden sie ­Achte.

Welchen Rang peilt man nun in Laupen an? Kempf hat dazu eine klare Meinung: «Wir wollen in die Playoffs. Ob als Fünfter oder Achter, ist schlicht egal.»

Da die ersten vier Teams ihre Gegner in den Viertelfinals wählen könnten, spiele die Platzierung keine Rolle, argumentiert er. Laupen hat entsprechende Erfahrungen gemacht, wurde stets vom Qualifikationssieger gewählt – unabhängig vom Rang. 

Um am Schluss also nicht erneut Spielball der Topteams zu sein, müssten die Laupner ­Frauen die Qualifikation in den Top 4 beenden. Das wiederum ist unrealis­tisch.

«Es ist schwierig einzuschätzen, was bei den anderen passiert ist.»
Yves Kempf, Trainer UHC Laupen

Titelverteidiger Kloten-Dietlikon, Chur und Emmental Zollbrück bewegen sich in einer eigenen Liga. Dahinter folgt ein Quintett mit Laupen. «Es ist schwierig einzuschätzen, was bei den anderen passiert ist», sagt Kempf.

Nimmt man die personellen Wechsel zum Massstab, dürften sich die Kräfteverhältnisse aber etwas verschieben. Zug ­holte letzte Saison nur zwei Punkte mehr als die Laupnerinnen, gilt allerdings als Transfersieger. Die Red Ants aus Winterthur wurden Vierte, haben aber an Substanz eingebüsst.

Das Team dürfte für Laupen ebenso in Schlagdistanz sein wie Bern Burgdorf und Berner Oberland. Die Floorball Riders und Aufsteiger St. ​Gallen-Waldkirch sind es sowieso. Bei diesem Duo ist eher die Frage, wie stark es in den Kampf um die acht Playoff-Plätze eingreifen kann.

Die Ausländerinnen

Im besten Fall setzen sie als Leistungsträgerinnen entschei­dende Impulse – ausländische Verstärkungen. Mit Ausnahme von Bern Burgdorf setzen denn auch alle Teams in der Frauen-NLA auf solche.

In Laupen stehen eine ­Estin sowie eine Tschechin im Team. Diana Klavan ist neu hinzugekommen, die letzte Saison mit Abstand beste Laupner Torschützin Hanka Lackova hat ­ihren Vertrag verlängert. «Ihre Routine und ihre Erfahrung sind Gold wert», schwärmt Kempf über die bald 34-Jährige. Und sagt: «Hankas Ehrgeiz ist noch immer gewaltig.»

Die Stürmerin besitzt zwar einen tschechischen Pass. Sie hat ihren Lebensmittelpunkt allerdings seit mehr als zehn Jahren in der Schweiz. Das wiederum heisst: Für den Verein fallen alle aufwendigen Aufgaben (Job- und Wohnungssuche) und ebenfalls Kosten weg, die das Engagement einer Ausländerin sonst mit sich bringt.

«Mit ihr geht man nicht freiwillig in den Zweikampf.»
Trainer Yves Kempf über Diana Klavan

Die ­estnische Stürmerin Diana Klavan, die nach vier Jahren in der höchsten finnischen Liga einen Wechsel in die Schweiz an­strebte, ist in dieser Hinsicht für Laupen auch ein Glücksfall. 

Die 30-Jährige spielt nur mittels Doppellizenz für den NLA-Klub. Klavan unter Vertrag genommen hat Erstligist Zurich Lioness, mit dem der UHC Laupen zusammenarbeitet. Die Zürcherinnen besorgten der Estin auch eine Wohnung und eine ­Arbeitsstelle.

Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ist Kempf nun von Klavans Qualitäten angetan. «Sie ist eine klare Verstärkung», ist er überzeugt. Er lobt ihre Laufstärke und Robustheit. Und sagt: «Mit ihr geht man nicht freiwillig in den Zweikampf.» 

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