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Er will die Bälle nicht tragen, sondern sie ins Tor schiessen

Denis Dzepo hat beim FC Uster Hochs und Tiefs erlebt – mit 25 ist das Eigengewächs zum Leader gereift.

Denis Dzepo ist ein klassischer Neuner., Der FCU-Stürmer hat sich in den letzten Jahren zu einem verlässlichen Skorer entwickelt., Erneut getroffen: Denis Dzepo freut sich über einen Torerfolg., Nur regelwidrig zu stoppen: Der Gossauer Oliver Meyer bremst den FCU-Stürmer aus.

Archivfoto: Christian Merz

Er will die Bälle nicht tragen, sondern sie ins Tor schiessen

Für den Fotografen soll sie als Symbol für den Aufstieg des FC Uster stehen. Es braucht allerdings einiges an Geduld. Immer und immer wieder fällt die so fein säuberlich drapierte Pyramide beim Shooting in sich zusammen, währenddessen Denis Dzepo daneben geduldig posiert und im nächsten Moment den davonrollenden Bällen nachjagt. 

Es ist ein Verhalten, das FCU-Trainer Etienne Scholz auch auf dem Platz von seinem Angreifer fordert. «Bei ­einem Ballverlust ist Denis unser erster Verteidiger, der den Gegner anläuft und damit das Pressing auslöst», sagt er. Eigentlich ist es ja nicht die Lieblingsbeschäftigung des Vollblutstürmers. Und doch: «Sein Laufverhalten hat sich deutlich verbessert», lobt Scholz.

Das etwas andere Kompliment

Dzepo ist ein klassischer Neuner, ballsicher und wuchtig, gerade mit dem Rücken zum gegnerischen Gehäuse kommen seine Stärken zum Tragen. Und er ist einer, der nicht gerne auf die Flügel ausweicht.

«Denis ist grundsätzlich ein Egoist. Er will die Bälle nicht zum Training tragen, sondern sie ins Tor schiessen», sagt sein Trainer. Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Die Beschreibung von Scholz ist als Kompliment gedacht. 

Dzepo ist tatsächlich ein regelmässiger Torschütze. Zwischen 9 und 13  Treffer gelangen ihm immer in den letzten drei Saisons. Wobei pandemiebedingt eine davon nur verkürzt war und die Spielzeit 2019/2020 sogar abgebrochen wurde.
 

Für die neue Meisterschaft hat sich der Uster­mer nun 15 Tore vorgenommen. Er ist überzeugt davon, mit seinem Team auch in der höheren Liga eine gute Rolle spielen zu können. «Ich sehe uns schon in der vorderen Tabellenhälfte», sagt er. Die vielen jungen Spieler seien hungrig und sähen den FCU als gutes Sprungbrett. «Talent und Willen sind da», findet Dzepo.

Er ist auch erst 25. Und doch gehört er damit bereits zu den Erfahrenen im Team, die Verantwortung übernehmen. «Gerade für die Jüngeren ist er eine Ansprechperson, die da und dort einen Tipp gibt», nennt Scholz dazu ein Beispiel.

Mit 17 gleich eingeschlagen

Dzepo selbst debütierte einst mit gerade mal 17 Jahren in der 2. Liga interregional – und erzielte schon bald seinen ersten Treffer. «Seine technischen Fertigkeiten, die Grösse, Athletik – das Potenzial war schnell ersichtlich», erinnert sich sein damaliger Trainer Bruno Schyrr. Er sei ein sensibler Spieler, der seine Freiheiten brauchen würde.

Entwicklung und individuelle Qualität sind insofern bemerkenswert, da Dzepos Jugendzeit ausschliesslich im Breitenfussball stattfand. Nach ersten Jahren beim FC Schwamendingen wechselte er mit dem familiä­ren Umzug nach Uster im Alter von 12 zum FCU.

Dort zerschlug sich später nach einem Probetraining auch ein möglicher Wechsel in den GC-Nachwuchs, weil sich Dzepo kurze Zeit später bei einem Spiel einen Kieferbruch zugezogen hatte und er lange ausfiel. «Danach waren Ausgang und Kollegen wichtiger. Und damit der Fokus weniger beim Fussball», sagt er.

«Im Oberland gibt es keinen Klub, der dem FCU die Stirn bieten kann.»
Denis Dzepo

Zieht es ihn also nicht noch in eine höhere Liga? «Ich kriege immer wieder mal Anfragen. Doch im Oberland gibt es keinen Klub, der dem FCU die Stirn bieten kann. Und der Sprung in die 1. Liga ist auch hier möglich», kontert Dzepo.

Der gelernte Sanitärinstal­lateur, der mittlerweile im Büro arbeitet, sieht deshalb keinen Grund für einen Wechsel. «Der Weg zum Training ist kurz. Und vom Aufwand her passt es auch», sagt er und zeigt von der Heusser-Staub-Wiese in Richtung Elternhaus.

Geschärft wurde sein Blick wohl durch zwei Kurzintermezzos in Dübendorf (2017) und Küsnacht (2019). Beide Klubs verliess er nach nur wenigen Einsätzen wieder. Vor allem der Wechsel nach Küsnacht erwies sich in der Rückblende als unnötig. «Ich habe wenig trainiert. Entsprechend war meine Form», sagt Dzepo. 

Keine offenen Arme bei Rückkehr

Nur: Beim FC Uster wurde er hinterher nicht unbedingt mit offenen Armen empfangen. Nach seiner ersten Rückkehr spielte er «nur» noch in der zweiten Mannschaft, und beim zweiten Neustart brauchte es von Sportchef Roland Leemann sogar Überzeugungsarbeit gegenüber dem Vorstand. Dass Dzepo gleich in seinem ersten Meisterschaftsspiel noch mit Rot vom Feld flog, sorgte auch nicht unbedingt für ein verbessertes Meinungsbild bei den Entscheidungsträgern.

«Denis ist emotional. Doch er gibt alles für den Verein. Er hat seine Chance genutzt und alles zurückbezahlt.»
Roland Leemann, Sportchef FC Uster

«Denis ist emotional. Doch er gibt alles für den Verein. Er hat seine Chance genutzt und alles zurückbezahlt», sagt Leemann, während Dzepo auf diese Zeit eigentlich nicht mehr gross zurückblicken will.

Heute sind die früheren Kritiker sowieso längst verstummt. Dzepo ist eigentlich nicht mehr wegzudenken und zugleich wichtige Identifikationsfigur. Mit seinem langjährigen Weggefährten Can Bozkir zählt er zu den wenigen Ur-Ustermern, die Schlüsselrollen einnehmen. Und er ist dabei längst auch zu einem Leader herangewachsen. «Als Torgarant und mit seiner Mentalität auf dem Platz. Denis muss man nie motivieren», bekräftigt Scholz. 

Dabei ist für den Trainer auch nicht entscheidend, wenn Dzepo nicht gerne das Material zum Training auf dem Platz schleppt. «Er ist ein Stürmer – und damit anders gestrickt.» 

Eine stabile(re) Defensive als Basis 
Der letzte Aufenthalt in der 2. Liga interregional (2018/2019) dauerte nur ein Jahr. Jetzt nimmt der FC Uster neuen Anlauf. Und Trainer Etienne Scholz blickt zuversichtlich nach vorne. «Weil wir ein junges, hungriges Team haben. Und alle Positionen gleichwertig doppelt besetzt sind», wie er betont. Als erstes Ziel formulieren Verein und Trainer nach aussen eine Platzierung im Tabellenmittelfeld. «Wir wollen aber immer gewinnen. Ob zu Hause gegen Bazenheid oder auswärts beim Erstliga-Absteiger Balzers», unterstreicht der 29-Jährige. In die Karten spielen könnte den jungen Ustermern die Erwartungshaltung in der neuen Umgebung der Ostschweizer Gruppe 5. «Wir gehören bestimmt budgettechnisch ins untere Drittel. Es besteht also weniger Druck», sagt Scholz. 

Um aber beim insgesamt dritten Interregio-Anlauf seit 2012 eine gute Rolle einzunehmen, müssen sich die Ustermer vor allem im Defensivbereich steigern. «In der 2. Liga war es noch möglich, ein 0:2 zu korrigieren. Hier dürften wir uns gegen clevere Gegner die Zähne ausbeissen», ist für Scholz klar. Tatsächlich war der FCU für die Gegner gerade in der Offensive unberechenbar (6 Spieler erzielten 7 Tore und mehr). Er musste in der Aufstiegssaison aber auch verhältnismässig viele Gegentreffer einstecken (1,8 pro Partie). 

Seinen Teil für eine stabilere Abwehr soll der vom FC Wiedikon dazugestossene Torhüter Dylan Kadi beitragen. «Mit 25 hat er ein gutes Alter und kann sich trotzdem noch verbessern», sagt Scholz. Kadi ist einer von drei Neuen, die beim FC Uster sofort eine tragende Rolle einnehmen sollen. Zu diesem Kreis zählt ebenso Sadik Vitija, der nach einigen verunglückten Auslandsengagements mit wenig Einsatzzeit in die Schweiz zurückgekehrt ist, um wieder Fuss zu fassen. Der 23-Jährige mit Challenge-League-Erfahrung (Schaffhausen, Vaduz) ist als Ersatz für Florentino Da Silva vorgesehen, der zum Neo-Zweitligisten Zürich City weitergezogen ist. Und dann ist da noch Andreas Stefanidis (25), der beim FCU im Frühjahr zunächst angefragt hatte, um sich fit halten zu dürfen – und dann fest verpflichtet wurde. «Da haben wir einfach Glück gehabt», sagt Trainer Scholz über den Mittelfeldakteur, der in Griechenlands 3. Liga gespielt haben soll. (dsc)

 

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