Seine Zuversicht zieht er aus dem «Gfotz»
Es ist nicht so, dass er erstmals an einer EM teilnehmen würde. Zum dritten Mal bereits startet Dany Brand an Elite-Kontinentalmeisterschaften über 400 m Hürden. Und gleichwohl sagt der 26-jährige Rütner, die EM in München sei für ihn eine der tollsten Herausforderungen der letzten Jahre.
«Die Konkurrenz in Europa ist enorm stark, ja», ist er sich bewusst. Und sagt auch: «Ich fühle mich völlig in der Lage mitzuhalten, wenn ich zeigen kann, was ich weiss, das in mir steckt.»
Genau das aber ist dem am Mittwochmorgen zum Vorlauf startenden Brand in dieser Saison bisher nicht gelungen. Zuletzt musste er gar mit einer riesigen Enttäuschung klar kommen, als ihm Mitte Juli ein positiver Coronastart den Start an den Weltmeisterschaften in Eugene verunmöglichte.
Besonders bitter für ihn: Er weilte bereits an jenem Ort in den USA, der eine besondere Bedeutung für ihn hat. Weil er da 2014 mit der Junioren-WM den ersten grossen internationalen Wettkampf absolviert hatte.
In München möchte Brand darum nun nachholen, was er sich in Oregon erhofft hatte: eine Leistung, die seinem Anspruch und den Fähigkeiten entsprechen. Er denkt dabei mehrstufig. Sein erster Blick geht Richtung Halbfinals. Aber danach auch darüber hinaus. Erstmals überhaupt hat sich der Athlet des LC Zürich einen Finaleinzug an einer EM zum Ziel genommen.
Es ist ein anspruchsvolles Vorhaben. Brand sagt denn auch: «Könnte ich das erreichen, wäre dies einer meiner grössten Erfolge der Karriere.» Der EM-Start im Münchner Olympiastadion beflügelt ihn. Daran lässt er keine Zweifel. Für diese Momente ordnet er dem Sport seit Jahren alles unter.
«Für mich sind solche Titelkämpfe das, was mich am meisten motiviert und zu Höchstleistungen bringen kann.»
An den eigenen Erwartungen vorbei
Bei 48,96 Sekunden liegt die Bestzeit des Oberländers – aufgestellt im Vorjahr. Brand nimmt damit Platz 3 in der Schweizer Allzeit-Bestenliste hinter Rekordhalter Marcel Schelbert (48,14) und Kariem Hussein (48,45) vom LC Dübendorf ein.
In die Nähe seines Bestwerts ist der Rütner heuer bisher allerdings nicht gekommen. Mehr noch: Nie schaffte er es, unter 50 Sekunden zu bleiben. Und so sagt der Langhürdler: «Meine Zeiten in dieser Saison sind noch nicht, was ich will und von mir erwarte. Das ist klar.»
«Nun gilt es einfach, diese Sicherheit für die EM mitzunehmen.»
Dany Brand
Zuversicht schöpft er ausgerechnet aus seinem letzten Rennen Ende Juni, das er danach «es Gfotz» nannte. Im SM-Final blieb die Uhr bei 50,47 Sekunden stehen. Brand sieht Parallelen – vom Gefühl her, aber auch statistisch.
Im SM-Final lief er praktisch dieselbe Zeit wie 2021 im Vorprogramm von Weltklasse Zürich, als er den Rhythmus ebenfalls nicht gefunden hatte. Fünf Tage später gelang ihm mit 48,96 Sekunden der Befreiungsschlag. Zu einem solchen habe er sich schon vor der WM im Stande gefühlt, sagt Brand. «Nun gilt es einfach, diese Sicherheit für die EM mitzunehmen.»
