Knacknuss kommt gleich zum Auftakt
So lange verteidigten am 5-Tage-Berglauf-Cup noch nie zwei Gesamtsieger ihre Titel, ohne überhaupt ins Schwitzen zu kommen. Der Bäretswiler Jens-Michael Gossauer sowie die Bernerin Nadja Kehrle gewannen vor drei Jahren die 35. Austragung des traditionellen Oberländer Wettkampfs.
Danach mussten die Veranstalter aus den Reihen des SC am Bachtel pandemiebedingt zweimal hintereinander auf eine virtuelle Variante setzen. Jetzt aber wird «foif digital» wieder abgelöst durchs Original.
Am Montagabend folgt der Startschuss zur 38. Auflage des Breitensportanlasses, der 1985 erstmals durchgeführt wurde. Das traditionelle Programm: An fünf aufeinanderfolgenden Abenden stehen ebenso viele kurze, aber knackige Anstiege im Oberland an.
«Wir mussten viel investieren, um wieder in die Gänge zu kommen.»
Martin Zisler, OK-Chef
OK-Chef Martin Zisler bezeichnet die einzelnen Wettkämpfe als «Pop-Up»-Läufe, da die Veranstalter die Infrastruktur täglich auf- und abbauen. Die Rückkehr zum Normalmodus war dabei kein Selbstläufer, findet Zisler. «Wir mussten viel investieren, um wieder in die Gänge zu kommen.»
Etwas über 160 Läuferinnen und Läufer haben sich bisher angemeldet (Stand Freitagmittag). Zisler findet den Wert «in Ordnung» und sagt: «Damit sind wir nicht soweit entfernt von früheren Jahren.»
Wie die einzelnen Strecken aussehen? Wer für den Gesamtsieg in Frage kommt? Und welche Neuerungen es gibt? Hier sind die Antworten.
Die Strecken
Die Macher setzen auf dasselbe Streckenquintett wie seit langem. Einer der Vorteile für die Teilnehmenden? «Stammkundinnen und Kunden» können so ihre Zeiten aus verschiedenen Jahren vergleichen.
– Wald auf die Farneralp: 5,4 km/Höhendifferenz 535 m
– Von Bauma zum Sonnenhof: 4,3 km/Höhendifferenz 310 m
– Von Steg aufs Hörnli: 5,1 km/Höhendifferenz 430 m
– Von Wernethausen auf den Bachtel: 3,6 km/Höhendifferenz 375 m
– Von Kempten zum Türli: 3,9 km/Höhendifferenz 241 m
Sollten sie das Gelände nicht sowieso schon kennen, können die Läuferinnen und Läufer nicht nur anhand der Streckenlänge und Höhenmeter erahnen, worauf sie sich einlassen. Die Macher haben neu auch ihre Einschätzung zu den einzelnen Teilstrecken abgegeben.
So bezeichnen sie beispielsweise die erste Etappe als Knacknuss, der tags darauf der Rhythmusbrecher im Tösstal zum Sonnenhof hinauf folgt. Das Prädikat «Klassiker» hat derweil der kürzeste Lauf der Woche von Wernetshausen auf den Bachtel verpasst erhalten.
Die Favoriten
Erster Anwärter auf den Gesamtsieg bei den Männern ist Titelverteidiger Jens-Michael Gossauer. Der zweifache Duathlon-Vizeweltmeister über die Langdistanz hat angekündigt, er freue sich auf den Wettkampf. «Jens hat wohl die schnellsten Beine», glaubt Zisler, sagt aber auch: «Ob er gewinnt, hängt natürlich auch davon ab, wie viele Etappen er in Angriff nimmt.»
Mindestens vier müssen Läuferinnen und Läufer absolvieren, um in die Gesamtwertung zu kommen. Während bei den Männern die Favoritenrolle einfach zugeteilt werden kann, ist die Ausgangslage bei den Frauen komplett offen. Titelverteidigerin Nadja Kehrle hat sich bisher nicht angemeldet.
Bei den Frauen sind auch keine Starterinnen mit «klingenden» Namen zu entdecken, weshalb sich Zisler nicht mit einer Prognose auf die Äste hinaus wagen will. Der OK-Chef verweist lieber auf den ersten Lauf, der etwas Licht ins Dunkle bringen dürfte. «Wir sehen ja am Montag, was passiert.»
Auch wenn der 5-Tage-Berglauf-Cup ein Breitensportanlass ist, nehmen immer wieder international erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler daran teil. Wie Duathlet Gossauer. In den Siegerlisten finden sich zahlreiche bekannte Namen. Beispielsweise die Dürntner Profitriathletin Alissa König. Sie entschied 2009 die Veranstaltung völlig überraschend für sich – im Alter von erst 13.
Oder der frühere Duathlet Stephan Wenk, der seit Jahren ein arrivierter Trailläufer ist. Im Sommer nahm das Mitglied des Schweizer Berglauf-Kaders an den Off-Road-Europameisterschaften teil. Der Bertschiker hat den 5-Tage-Berglauf-Cup neunmal gewonnen – er ist damit Rekordsieger. Als Dominator löste Wenk den ehemaligen Weltcup-Langläufer Reto Burgermeister ab. Der Pfäffiker gewann von 1999 bis 2005.
Die Neuerungen
«Wir hatten relativ viele Ideen, haben aber viele davon wieder verworfen», sagt OK-Chef Zisler. Zwei Neuerungen aber haben die Macher umgesetzt. Die Strecke der 5. Etappe von Kempten zum Türli oberhalb von Adetswil versetzten sie ins Tobel. Sie ist landschaftlich deutlich reizvoller als die zuletzt gewählte Variante, dafür aber «nicht leistungsoptimiert», wie Zisler sagt. Denn einen Haken hat die Verlegung: Die Strecke ist nun schmaler, überholen ist schwieriger.
Die zweite Neuerung dürften derweil nur die Spitzenläuferinnen und Läufer wirklich spüren. So ist nicht mehr ein Speakerfahrzeug an der Spitze des Feldes zu finden. Stattdessen fährt ein E-Bike-Fahrer vor den Führenden her.
Das mag nicht spektakulär klingen. Zwei positive Effekte aber hat der Umstieg aufs E-Bike. Die Topläuferinnen und Läufer müssen keine Abgase mehr einatmen. Und auf den Schotterstrecken entfällt auch die Staubentwicklung.