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Sein Weg ist eine Ausnahme

Ian Raubal setzt seine Karriere im Heimatland seiner Mutter fort. Der 21-jährige hat in den USA ein Sportstipendium an einer renommierten Universität erhalten. Doch es bleiben Fragen offen.

Hat sein Ziel erreicht: Ian Raubal gehört ab Ende August dem Turnteam einer US-Universität an.

Archivfoto: Christian Merz

Sein Weg ist eine Ausnahme

Die wenigen Tage bis zum Abflug Anfang kommender Woche dürften intensiv werden. Denn Ian Raubal weiss noch nicht lange, dass er die nächsten Jahre nicht in der Schweiz verbringt, sondern an der Pennsylvania State University.

Es ist eine der ältesten staatlichen Universitäten der USA. Schon am 22. August fällt für den Fällander mit Beginn des Herbstsemesters der Startschuss zum neuen Kapitel. Raubal hat von Penn State ein vierjähriges mit einem der aktuell 18 Plätze in der Turnmannschaft der Universität verbundenes Sportstipendium erhalten. Und sagt über die Zusage logischerweise: «Sie hat mich sehr gefreut.» 

«Ich habe mich schon länger mit dem Thema befasst, wie ich ein Studium mit dem Turnen kombinieren kann.»
Ian Raubal

An den Universitäten der USA geniesst der Spitzensport einen hohen Stellenwert. Die Teams sind populär, zum Teil gar beliebter als Profimannschaften. Das System erlaubt es den Athleten, ihre sportlichen und akademischen Ziele zu verbinden. Genau das, was Raubal wollte.

Er steht zwar erst am Anfang der Karriere. Und noch steht der Sport im Vordergrund. Dennoch denkt er in grösseren Dimensionen: «Es gibt ein Leben nach dem Turnen.» Darauf will er vorbereitet sein, hat neben Ambitionen an Geräten auch akademische.

«Ich habe mich schon länger mit dem Thema befasst, wie ich ein Studium mit dem Turnen kombinieren kann.» In der Schweiz ist dieser Spagat für Sportler nicht einfach zu bewältigen. Der Handlungsspielraum für Turner sei noch eingeschränkter, findet Raubal. «Weil wir an die Infrastruktur in Magg­lingen gebunden sind.» 

Es herrscht Klärungsbedarf

Nun also verlässt das Mitglied des erweiterten Nationalkaders das Schweizer Verbandszentrum oberhalb von Biel. Um in das Land zurückzukehren, in dem er einst mit dem Kunstturnen begann. Und zu dem er eine ge­wisse Verbindung hat, wie er sagt.

Rund viereinhalb Jahre ­lebte der am Samstag 21 gewordene Turner einst mit seiner Familie in Kalifornien. Er besitzt den US-Pass, seine Mutter ist Amerikanerin.

Geboren aber ist Raubal in Wien, was man seinem bereits erstellten Profil im Penn-State-Turnkader entnehmen kann. In der Transfermeldung wird Raubal als Allrounder bezeichnet. Er selber nennt Barren und Reck als stärkste Geräte. 

Der Fällander Ian Raubal gilt als Allrounder.

In manchen Sportarten – beispielsweise im Schwimmen – schlagen immer wieder Schweizer Athletinnen und Athleten den Weg an eine Universität in den USA ein. Im Kunstturnen aber ist dies die Ausnahme.

Darum muss Raubal sich mit Vertretern des Schweizer Verbands erst zusammensetzen und darüber sprechen, wie dieser Fall gehandhabt wird. Zwei der zentralen Themen: die Kaderzugehörigkeit und Aufgebote für internatio­nale Wettkämpfe.

Für Raubal ist klar: «Mein Ziel ist es weiterhin, mich für Grossanlässe anzubieten. Wie das geht, ist aber offen.» 

Die Spezialität reizt ihn

Der junge Turner ist jüngst etwas vom Tempo überrumpelt worden, wie sich die Dinge ­entwickelten. Raubal schaltete ­eigens einen Youtube-Kanal auf, um sich im richtigen Licht zu präsentieren. Und schrieb daraufhin mehrere Trainer von Universitäten an – in der Hoffnung, 2023 einen Uni-Platz zu ergattern. 

Die Verantwortlichen von Penn State meldeten sehr schnell ihr Interesse an. Was sie sicher nicht getan hätten, wären sie von Raubals Leistungsvermögen nicht überzeugt.

Seit über 30 Jahren ist Randy Jepson als Headcoach für die Kunstturner der Penn State verantwortlich. Letztes erfolgreiches «Produkt» des Programms: Stephen Nedoroscik – er wurde 2021 Weltmeister am Pauschenpferd.

Noch kennt Raubal keinen der anderen Turner persönlich, von denen einzig ein weiterer aus Eu­ropa stammt. Was ihn in seiner neuen sportlichen Heimat im Detail erwartet, weiss er ebenfalls nicht. Er mag sich auch kein Bild anmassen, das er nur aus wenigen Eindrücken eines Aussenstehenden zeichnen müsste.

«Auf die Atmosphäre in der Mannschaft freue ich mich.»
Ian Raubal

Aber er wird fraglos ein hohes Niveau mit starken Athleten antreffen. Davon möchte Raubal profitieren. «Ich hoffe und glaube daran, mich ­athletisch weiterzuentwickeln.» 

Speziell gespannt ist er auf eine Besonderheit des US-Hochschulsports – die Uni-Ligen, in denen sich eben auch Turnteams messen. So wird aus dem Einzel- ein Teamsportler. «Auf die Atmosphäre in der Mannschaft freue ich mich.»

Raubal hat sich für Biochemie und Molekularbiologie entschieden. Und ist froh, auf dem Hauptcampus ein möbliertes Zimmer beziehen zu können. So kann er mit leichtem Gepäck reisen. 

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