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Wenn WM-Gold für einen Sturm sorgt

An der WM in Nantes hat Simon Marquart als Weltmeister einmal mehr für eine Schweizer Premiere gesorgt. Dass er nun gleich an die nächsten Rennen reist, kommt ihm für die Verarbeitung gelegen.

Die Gegner sehen ihn nur noch von hinten: Simon Marquart bei seiner Triumphfahrt im WM-Final in Nantes., Der Sieger ist in der Mitte: Simon Marquart, flankiert von Kye Whyte (links) und Joris Daudet.

Foto: Nico van Dartel/Swiss Cycling

Wenn WM-Gold für einen Sturm sorgt

Er ist der erste Gratulant, erwartet den Sieger nur wenige Meter hinter der Ziellinie. «Yes!», brüllt Niek Kimmann in den französischen Himmel. Dann drückt er den neuen Weltmeister Simon Marquart so stark an sich, wie man jemanden nur drückt, dem man den Triumph wirklich gönnt.

Dabei hat Kimmann eigentlich allen Grund, schwer enttäuscht zu sein. Der Titelverteidiger wird an den Weltmeisterschaften in Nantes vom Mönchaltorfer entthront.

Kimmanns Freude ist gleichwohl nachvollziehbar. Der Holländer und der Schweizer sind auf der Piste zwar Konkurrenten. Sie sind aber auch häufig Trainingspartner und vor allem gute Kollegen, die sich Erfolge gönnen.

Zuletzt bereitete sich Marquart mehrere Wochen lang im holländischen Olympiastützpunkt in Papendal auf die Titelkämpfe vor. Und wohnte in dieser Zeit bei Kimmann. 

Einmal waschen – und weiter

Klar also, war der Olympiasieger später auf Marquarts Titelfeier dabei. Wie diese ausfiel? Marquart muss lachen, bevor er antwortet.

«Relativ ruhig. Also sicher nicht so extrem, wie sich das manche wohl vorstellen.»

Der Oberländer hatte allerdings auch gar keine Zeit, über die Stränge zu schlagen. Für ihn ging es nach dem grössten Erfolg der Karriere gleich weiter. Er reiste von Nantes aus nach Amsterdam, «um einmal all meine Kleider zu waschen». Von Holland aus flog er am Dienstag via New York nach Salt Lake City – da bestreitet er zwei Rennen.

Die Flüge kommen Marquart gelegen, um in Ruhe das Erlebte durchgehen zu können. Noch tut er sich schwer mit der Einordnung. Das Ganze sei schwierig in Worte zu fassen, sagt er. «Im Kopf ist ein Sturm.» 

Das Video vom Final: So fuhr Simon Marquart zum WM-Titel. (Quelle: youtube)

Mit seinem Sieg hat der Oberländer zum dritten Mal für eine Schweizer BMX-Premiere gesorgt. Im Frühling 2021 gewann er als erster Schweizer ein Weltcup-Rennen, im Herbst doppelte Marquart mit dem Gewinn des Gesamt-Weltcups nach.

Und nun hat er mit WM-Gold erneut Geschichte geschrieben, nachdem bei den Männern für Swiss Cycling bisher einzig zweimal WM-Bronze herausgeschaut hatte – durch den aktuellen Nationaltrainer David Graf.

Trotz seines Potenzials und der letztjährigen Erfolge kommt Marquarts Titel nicht etwa mit Ansage. Zu wenig lief dafür heuer nach Plan.

Im März erlitt der 25-Jährige bei einem Sturz einen Oberarmkopfbruch und musste danach wochenlang pausieren. Den Weltcup-Start strich der BMX-Profi, auf die EM Anfang Juli verzichtete er ebenfalls, weil er sich noch nicht auf dem gewohnten Level sah.

An die WM brachte Marquart lediglich einen Europacupstart, zwei Weltcuprennen sowie ein grosses Fragezeichen um die Form mit. Kommt hinzu: Noch hat er nicht die volle Beweglichkeit in der im Frühling verletzten Schulter zurückgewonnen.  

Innen zum Spielverderber

Die WM verläuft für Marquart vorerst denn auch alles andere als ermutigend. Zum Auftakt verpasst er die direkte Qualifikation für die nächste Runde. Via Hoffnungslauf hält sich der Mönchaltorfer im Rennen.

Nach dem Achtelfinal ist Marquart überzeugt: «Jetzt gehts». Und arbeitet sich ins achtköpfige Finalfeld vor.

Da stehen am Sonntag gleich vier Franzosen. Unter den 5000 lautstarken Zuschauern ist die Hoffnung auf einen Heim-Triumph gross. 

«In der ersten Kurve habe ich gewusst, wo ich mich positionieren musste.»
Simon Marquart

Doch Marquart schwingt sich zum Spielverderber auf. «Dank  Renn-IQ», wie er findet. «In der ersten Kurve habe ich gewusst, wo ich mich positionieren musste.»

Marquart hält sich geduldig etwas im Hintergrund, um bei Rennhälfte auf der Innenseite der Bahn von Platz drei aus nach vorne zu stossen.

Da bleibt er bis zum Schluss. Dafür lässt er sich erst von Niek Kimmann und nachher auch noch von der Menge feiern.

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