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Von Traumquoten und Kanterniederlagen

Was hat der beste Oberländer Knipser nicht verhindern können? Welches Team sammelte Gegentreffer im Übermass? Und welche Serie macht niemanden stolz? Hier sind die Antworten.

Einsatz total: Der Wetziker Dominik Käslin (unten) lässt seinen Pfäffiker Gegenspieler abheben., Viele Gegenspieler, viele Tore: Der Pfäffiker Timône Marques war mit 19 Treffern zweitbester Oberländer Stürmer in der 3. Liga., Flakon Halimi war letzte Saison der erste Oberländer Drittliga-Trainer, der seinen Posten verlor., Die Fällander (Bruno Grob, 2.v.r.) liefen dem Gegner zu oft hinterher und stiegen ab. , Eine selten trübe Bilanz: Mönchaltorf-Egg (Jan Ott, hinten) blieb ohne einen einzigen Sieg.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Von Traumquoten und Kanterniederlagen

«Mister 50 Prozent» ist die Nummer 1 

In der letzten Meisterschaftsrunde drehte er so richtig auf. Gleich viermal traf Luca Graf daheim für den FC Kempttal gegen Kloten. Bitter für ihn und sein Team: Es reichte weder zum Sieg noch zum Ligaerhalt. 7:9 unterlagen die Kempttaler und müssen darum nach nur einer Saison zurück in die 4. Liga. An Grafs Treffsicherheit lag es mit Sicherheit nicht. Der erst 22-Jährige erzielte 20 Tore in ebensovielen Spielen. Graf war damit im Alleingang für die Hälfte der Kempttaler Offensivproduktion zuständig.

Mehr noch: «Mister 50 Prozent» ist auch der beste Oberländer Drittliga-Knipser. Graf liegt knapp vor dem Pfäffiker Timône Marques (19 Tore) und deutlich vor Jeric Lopez (FC Effretikon) und Raphael Bachmann (Uster), die beide zwölfmal trafen. Am unteren Ende der Skala stehen jene 97 Akteure aller Zürcher Drittligisten, die nur ein einziges Mal einen Ball im gegnerischen Gehäuse versenkten. Deren 13 spielen für ein Oberländer Team. 

Das Karussell ist kaum in Betrieb 

Vor drei Jahren war Flakon Halimi vom Regionalfussballportal fupa.net noch zum Trainer des Jahres gewählt worden. Im September 2021 war er der erste Coach eines Oberländer Drittligisten, der seinen Garderobenschlüssel abgeben musste. Der FC Effretikon ersetzte ihn durch Daniel Sousa. Der aber fand den Draht zur Mannschaft nicht, sodass der FCE im März tatsächlich das Karussell nochmals in Betrieb nahm. Und Alessandro Chiuso auf den Chefsessel setzte. An der enttäuschenden Saison der Effretiker änderte der zweimalige Wechsel allerdings nichts.

Während auf dem FCE-Trainerposten ungewohnte Hektik herrschte, blieb es ansonsten im Oberland erstaunlich ruhig. Einzig der FC Hinwil sah sich ebenfalls zum Handeln gezwungen. Er trennte sich Anfang November vom langjährigen Coach Alfons Dietrich. Um einen «Impuls» zu setzen, wie es in solchen Fällen jeweils so schön heisst. Einen anderen Weg beschritt der FC Kempttal. Der FCK ist einer der vier Oberländer Absteiger, der Klub verlängerte dennoch soeben mit Trainer Simon Sager. Der bisher dienstälteste Drittligacoach der Region hat sich übrigens verabschiedet. Beat Bühler, seit 2016 beim FC Mönchaltorf auf dem Kommandostand, gibt das Steuer ab. Hätte er weitergemacht, wäre er sowieso nicht mehr dienstältester Drittligatrainer gewesen – Mönchaltorf-Egg ist abgestiegen.

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Der FC Fällanden sah sich vor der Saison selber im vorderen Mittelfeld. Doch wer mit einer solch desorientierten Abwehr um Punkte kämpft, steht auf verlorenem Posten. Und darum haben die Fällander ihr Ziel nicht nur meilenweit verfehlt, sondern gleich auch noch ihren Platz in der Liga verloren, den sie seit 2012 inne hatten. 98 Gegentreffer kassierte der FCF auf seiner «Abschiedstour». Nur Wülflingen (111) und die Diessenhofer Reserven (106) verteidigten von den 72 Drittligisten im Fussballverband der Region Zürich (FVRZ) noch vogelwilder. Zehn Kanterniederlagen sammelte Fällanden in den 20 Spielen. Der Tiefpunkt war das 0:10 gegen den späteren Aufsteiger Schwamendingen.

«Schliesslich war auch der Torrausch von Schwamendingen vorbei und die Fällander in Einzelteile zerlegt», stand danach auf dem Onlineportal des Zürcher Unterländers im Matchbericht. Dazu muss man wissen: Diese werden mit Hilfe der Spieldaten automatisch erstellt, also von einem Textroboter. Das Erstaunliche am 0:10 ist derweil: Es war nicht einmal das höchste Drittliga-Resultat der Saison. Diessenhofen 2 unterlag im Mai Embrach 2:14.  

Nahe dran ist halt doch immer vorbei

Im zweitletzten Spiel gegen Wald ist Mönchaltorf-Egg nochmals nahe dran, am ersten Sieg der Saison. Doch erneut entgleitet der gruppierten Mannschaft der Dreier auf der Zielgerade. Alexander Jetzer heisst der Spielverderber, der in der 85. Minute das 2:2 markiert. Das Gegentor passt ins Bild: In fast einem Drittel der 22 Meisterschaftsspiele kassiert Mönchaltorf-Egg ein entscheidendes spätes Gegentor. Gegen Männedorf führt das Team von Beat Bühler beispielsweise noch in der fünften Minute der Nachspielzeit 2:1. Und gewinnt trotzdem nicht. So schliesst der Absteiger die Saison mit einem besonders bitteren Nuller ab: Mönchaltorf-Egg gelingt kein einziger Sieg.

In einer regulär fertig gespielten FVRZ-Drittliga-Meisterschaft war das letztmals vor vier Jahren der Fall. Damals blieben zwei Teams (Birmensdorf, Espanol Iberia) ohne Erfolg. Immerhin sechsmal ergatterte sich Mönchaltorf-Egg ein Remis. Mit sechs Punkten ist der Absteiger zwar der schwächste aller 72 FVRZ-Drittligisten, schweizweit aber wird die Mannschaft deutlich unterboten. Gleich vier Teams im Amateurbereich kassierten nämlich lauter Niederlagen.

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