Jetzt will er sich in der Heimat etablieren
Für Wehmut fehlt ihm schlicht die Zeit. Die letzten Tage in der zweiten Heimat, wie Fabian Pellegrini Potsdam nennt, sind ausgefüllt.
Der Ustermer führt Interessenten durch seine Wohnung. Er sucht gleichzeitig eine neue in Kriens und eine Teilzeitstelle als Informatiker in der zweitgrössten Stadt des Kantons Luzern – kein einfaches Unterfangen aus der Ferne. Zugleich steht er mit dem 1. VfL Potsdam in der Aufstiegsrunde unter Anspannung, ehe das Team am Sonntag die langersehnte Promotion in die 2. Liga feiern kann.
«Menschlich hat es mir gutgetan, ich bin selbständig geworden. Und als Goalie erfahrener und ruhiger.»
Fabian Pellegrini
«Ein cooler Abschluss», freut sich Pellegrini. Und findet, ein Aufstieg mache sich immer gut im Palmarès. Nach fünf Jahren in Deutschland kehrt er in die Schweiz zurück.
Beim HC Kriens-Luzern hat der Goalie für zwei Jahre unterschrieben. Mit dem klaren Ziel: «Ich will mich in der NLA etablieren.»
Nur in der Zuschauerrolle
Für Pellegrini kommt die Chance in der Heimat zur genau richtigen Zeit. Seine letzte Saison in Potsdam hat er nicht etwa «auf der Platte» verbracht, wie er es formuliert. Stattdessen muss er sich hinter Lasse Ludwig und Mark Ferjan als Nummer 3 einreihen und grossmehrheitlich mit der Zuschauerrolle begnügen.
Nur auf eine Handvoll Einsätze kommt Pellegrini. Und gibt ohne Umschweife zu: «Es war mein schwierigstes Jahr hier.» Zwei Hirnerschütterungen innert weniger Monate haben ihn 2021 zurückgeworfen.
Erst im November ist der Ustermer, der 2017 zum Klub aus der brandenburgischen Landeshauptstadt wechselte, wieder einsatzbereit. Da ist die Hierarchie im Tor allerdings längst festgelegt.
Pellegrini konzentriert sich in der Folge darauf, das Team möglichst gut zu unterstützen. Bereit zu sein, wenn man ihn braucht. Und realisiert, dass die Zeit für etwas Neues gekommen ist.
«Die Jahre zuvor hatte ich nie einen Wechsel angestrebt, ich spielte ja immer», sagt er. Der Goalie hätte sich einen Verbleib in Deutschland vorstellen können, war mit einem Verein in Kontakt. Daraus aber ergab sich nichts.
Dafür kann Pellegrini zwei Probetrainings beim HC Kriens-Luzern absolvieren. Er überzeugt die Verantwortlichen – und ist selber überzeugt, mit der Zusage die richtige Wahl getroffen zu haben.
«Sehr gut aufgestellt» sieht er seinen neuen Verein. Und freut sich auf die Herausforderung.
Der coole 78-Jährige
Die fünf Jahre in Deutschland haben Pellegrini weitergebracht. Er sei gereift, urteilt der 25-Jährige. «Menschlich hat es mir gutgetan, ich bin selbständig geworden. Und als Goalie erfahrener und ruhiger.»
Pellegrini findet, er lese beispielsweise das Geschehen auf dem Feld besser, und sieht klare Fortschritte darin, wie er sich positioniert. Der aus dem TV Uster stammende Handballer sagt, er habe viel von seinem 78-jährigen (!) Potsdamer Goalietrainer Rainer Müller profitiert. «Ein cooler Typ.»
Vor dem Sprung in die höchste Schweizer Liga ist ihm jedenfalls nicht bange. Das Gefälle in der 3. deutschen Liga ist zwar enorm – von reinen Amateurmannschaften über semiprofessionelle Equipen bis zu Profiteams reicht die Bandbreite.
Der 1. VfL Potsdam zählt aber zu den Topteams. Sieben oder acht Mannschaftstrainings pro Woche hat er zuletzt absolviert. «Ich würde ins Blaue hinaus behaupten: Potsdam würde in der NLA im Mittelfeld mithalten.»
Pellegrini selber betritt in der obersten Schweizer Spielklasse eigentlich Neuland. Seine Erfahrung ist sehr bescheiden. Einst durfte er für Stäfa bei einem Spiel gegen Wacker Thun kurz NLA-Luft schnuppern. «Sieben Minuten lang», erinnert er sich mit einem Lachen.
Schmid wird Teamkollege
Auf den 20. Juli ist der Trainingsauftakt beim HC Kriens-Luzern terminiert. Pellegrini ist im Tor als Nummer 2 vorgesehen. Peter Lang, der Innerschweizer Goalietrainer, hat bei der Bekanntgabe des Transfers gesagt: «Mit Fabian haben wir einen kommunikativen Torhüter gefunden, dessen Stärken in seinem Stellungsspiel und in seiner Schnelligkeit liegen, der aber auch von seinen Emotionen lebt und seine Mitspieler mitreissen kann.»
Stammgoalie ist derweil Rok Zaponsek. Pellegrini hat vom Slowenen einen guten ersten Eindruck erhalten. «Er ist freundlich und kommunikativ.»
Für Zaponsek wird es das zweite Jahr im Team sein – er dürfte nach der enttäuschenden Saison mit dem schnellen Playoff-Aus in den Viertelfinals auf erfolgreichere Zeiten hoffen.
Der Klub hat schon vor längerer Zeit eine Vorwärtsstrategie angestossen. Das zeigt sich im Projekt der neuen, 4000 Zuschauer fassenden Pilatus-Arena, die wohl 2025 bezugsbereit ist. Vor allem aber mit den namhaften Zuzügen.
Die Innerschweizer verpflichteten Weltklassehandballer Andy Schmid. Daneben engagierten sie mit Fabian Böhm sowie Johan Koch weitere starke Akteure aus der deutschen Bundesliga. Und mit Dimitrij Küttel einen Schweizer Nationalspieler.
Kennt er einen der Neuen schon persönlich? Der Ustermer verneint. Und muss dann lachen. «Aber ich kenne sie eher als sie mich.» Auch in der Liga dürfte Pellegrinis Name nur wenigen geläufig sein. Er wird alles dafür tun, dass sich dies schnell ändert.
