Darum muss der BMX-Profi niemandem mehr etwas beweisen
Er braucht noch etwas mehr Zeit. Um zurück aufs Level zu kommen, das ihm vorschwebt. Darum lässt Simon Marquart am Wochenende den Auftakt zur Weltcup-Saison in Glasgow sausen.
Der letztjährige Gesamtweltcup-Sieger sagt: «Ich wäre gerne wieder um den Titel gefahren.» Für ihn ist allerdings auch klar: «Das wird nun nicht mehr möglich sein.»
Aus nur vier Wochenenden mit jeweils zwei Rennen besteht der Weltcup. Der Mönchaltorfer verpasst also bereits ein Viertel des Pensums.
Erst seit kurzem sitzt der 25-Jährige überhaupt erst wieder auf dem BMX. Vor etwas mehr als neun Wochen stürzte Marquart beim Rennen in Rock Hill (USA) und landete im Spital – mit Brüchen und einer ausgekugelten Schulter. Jene renkte er sich gleich selber wieder ein.
Er habe ein Taubheitsgefühl verspürt und die Geduld mit den Ärzten verloren, die ihn warten liessen, sagt Marquart dazu lapidar. «Sehr schmerzhaft» war das Ganze, erinnert sich der BMX-Profi.
Er hat zahlreiche Vergleichsmöglichkeiten hat. «Ich war ja schon häufiger verletzt.»
Logisches Ziel – ein Podiumsplatz
Ein Rennen in den USA, zwei im Europacup und nun den Weltcup-Auftakt hat Marquart abschreiben müssen. Und betreffend Zielen leicht justiert. «Die WM rückt jetzt noch stärker in den Fokus.»
Vierter wurde der Oberländer an den letzten Titelkämpfen. Nichts weniger als logisch, peilt er im Juli an der WM 2022 in Nantes grundsätzlich einen Platz auf dem Podium an.
Grundsätzlich darum, weil er einschränkt: «Ich muss erst einen Weltcup fahren, um eine Vergleichsmöglichkeit zu erhalten, wo ich stehe.»
Die Möglichkeit kommt am zweiten Juniwochenende. Dann gastiert der Weltcup-Zirkus in Papendal. Am niederländischen Olympiastützpunkt verbringt Marquart noch etwas mehr Zeit als in der Vergangenheit.
«Ich habe es weitergebracht als die meisten anderen Fahrer.»
Simon Marquart
Drei Jahre lang wohnte er zuletzt am Hauptsitz des internationalen Radsportverbands UCI in Aigle. Für dessen BMX-Team fährt Marquart weiterhin. Er trainiert zwischendurch auch in der Westschweiz. Es ist aber nicht mehr seine Basis.
Weilt der Weltrangliste-Elfte in Europa, wohnt er in Papendal. Viel Zeit verbringt er heuer allerdings sowieso in den USA. Wie Trainingspartner Niek Kimmann – der Niederländer holte 2021 Olympia- und WM-Gold – bestreitet Marquart die US-National-Series.
Sie ist finanziell lukrativ. Das Niveau vergleichbar mit jenem im Weltcup. Und der riesige BMX-Markt in den USA vor allem auch für die Sponsoren interessant
So hat sich Marquart letztes Jahr auf seinen USA-Trip vorbereitet. (Quelle: youtube.com)
Seine Papiere hat Marquart derweil in Winterthur deponiert, dem Wohnort der Mutter. Er selber lebt im Prinzip aus dem Koffer. «Man gewöhnt sich daran», findet der Oberländer nichts Spezielles dabei.
Einziger Haken sei, sagt der Olympiateilnehmer von Tokio, dass er alles sehr weit hinaus genau planen muss. Positiv für ihn: Er ist neu bis 2025 als Zeitsoldat bei der Schweizer Armee angestellt. Das sichert ihm ein regelmässiges Einkommen, was seinen finanziellen Spielraum vergrössert hat.
Wenn 2000 Leute dein Trikot wollen
Mit dem Schweizer Nationalteam hat Marquart wenig Berührungspunkte. Längst hat er sich ein von Swiss Cycling unabhängiges Umfeld geschaffen, gehört der Trainingsgruppe des Briten Liam Phillips an. Die Erfolge geben ihm recht.
Drei Weltcupsiege, der Gewinn des Gesamtweltcups, WM-Vierter – der Mönchaltorfer kann auf das beste Jahr der Karriere zurückblicken. Unter Druck, die Ergebnisse bestätigten zu müssen, sieht er sich deswegen nicht. Im Gegenteil.
«Ich habe es weitergebracht als die meisten anderen Fahrer. Ich muss nicht mehr zeigen, dass ich es zu den Besten schaffen kann. Das erleichtert mir die Arbeit», argumentiert er.
Marquart hat sich in der Weltspitze etabliert. Und seine Leistungen werden honoriert. Unlängst etwa wurde er zu seiner Überraschung zum Winterthurer Sportler des Jahres gewählt.
Und als Marquart auf Instagram eines seiner Trikots verloste, bewegte er mit der Aktion eine grosse Fangemeinde. Über 2000 Personen machten mit.
