Das sollten Sie übers Zürcher Kantonalschwingfest wissen
Das Zürcher Kantonale in Ossingen in Zahlen
Rund 4000 Zuschauer werden am Sonntag am Zürcher Kantonalschwingfest erwartet. Das sind deutlich mehr Personen, als Ossingen überhaupt Einwohnerinnen und Einwohner (1700) zählt. Am östlichen Rand der im Weinland liegenden Gemeinde hat man für das Fest eine Arena mit fünf Schwingplätzen sowie zwei Tribünen aufgebaut. Exakt drei Monate vor den ersten Duellen im Sägemehl – das Anschwingen ist um 8.30 Uhr, der Schlussgang gegen 16.30 Uhr – begann der Ticketvorverkauf. Zumindest jene auf der gedeckten Tribüne sind online schon weg.
Der Organisationsaufwand für die 112. Austragung des Zürcher Kantonalen ist gross. 35 Vereine mit 750 Helfenden sind daran beteiligt, 8000 Arbeitsstunden werden aufgewendet. Satte 84 Seiten umfasst der Festführer. Darin haben auch die Lebendpreise ihren Auftritt – der prominenteste ist Siegermuni Moriz vergönnt. Der Festgewinner wird den gescheckten Stier aber kaum heimnehmen und sich stattdessen den Wert des Tieres auszahlen lassen.
Das haben sich die Oberländer zum Ziel gesetzt
«Möglichst viele Kränze machen.» So lautet das Ziel von Daniel Spörri für den ersten Saisonhöhepunkt des Schwingklubs Zürcher Oberland. Was das in Zahlen ausgedrückt heisst? «Um die vier, fünf», präzisiert der Präsident. Aus 16 Athleten besteht die Oberländer Delegation im Weinland. Mit Fabian Kindlimann, Roman Schnurrenberger, Remo Ackermann und Nicola Funk hat eine Handvoll Schwinger schon mehrfach das Eichenlaub am Zürcher Kantonal geholt. Interner Rekordhalter in dieser Statistik ist mit acht Kränzen Kindlimann. Er ist der in den letzten Jahren mit Abstand erfolgreichste Oberländer.
Spörri hofft derweil nicht nur auf Erfolge der arrivierten Kräfte, sondern ebenfalls auf Neukranzer. Und traut dem einen oder anderen diesen Schritt auch zu. Janik Wingeier etwa, über den Spörri sagt: «Er kann absolut bestehen.» Der Hinwiler war zwischenzeitlich kürzer getreten, kehrte letztes Jahr aber ins Trainings zurück. Wingeier verfügt über eine gute Schwingerpostur. «Und er hat Biss», sagt Spörri.
Diese Schwinger greifen nach dem Sieg
175 Athleten umfasst die Schwingerliste für das Fest in Ossingen. Elf Eidgenossen haben sich angemeldet – genau gleich viele, wie im Vorjahr in Stäfa dabei waren. Das ist natürlich Zufall. Alles andere als zufällig wird dafür der Sieger sein. Kandidaten für die Nachfolge von Domenic Schneider, der nicht angemeldet ist, hat es zahlreiche. Allen voran Samuel Giger. Der Thurgauer ist Kronfavorit auf den Königstitel, der im August in Pratteln vergeben wird.
In der letzten Saison gewann Giger acht von zehn Festen, an denen er antrat. Er knüpfte heuer nahtlos an die starken Leistungen an, zuletzt setzte er sich am Thurgauer Kantonalen durch. Im Schlussgang bezwang er Werner Schlegel. Der St. Galler ist erst 19, aber überaus talentiert. Schlegel tritt in Ossingen ebenfalls an. Wie Damian Ott (22), einer der Sieger am Kilchberger-Schwinget 2021. Ebenfalls zum Favoritenkreis gehört Samir Leuppi. Für den zweifachen Gewinner des Zürcher Kantonalen (2017/2019) ist es ein spezielles Fest. Sein Verein, der Schwingklub Winterthur, gehört zu den Organisatoren.
Der letzte Gewinner aus dem Zürcher Oberland
18 Jahre ist es her, seit letztmals ein Schwinger aus dem Oberland das Zürcher Kantonale für sich entscheiden konnte. Der Russiker Daniel Bachmann gewann 2004 in Zürich. Der damals 35-Jährige war dabei im Schlussgang nur Zuschauer. In diesem stellten der Kindhauser Christian Vogel und Stefan Fausch, wovon Bachmann profitierte und dank besserer Punktwertung triumphierte.
Vier Jahre nach ihm siegte 2008 in Volketswil zwar mit Bruno Gisler ein Schwinger, der in Wernetshausen aufgewachsen ist. Bei seinem Triumph aber wohnte der in Luzern geborene Gisler schon im bernischen Rumisberg.
Der kleine Klub der Unverwüstlichen
Am Thurgauer Kantonalen vor drei Wochen wollte er eigentlich teilnehmen, gab wegen Kniebeschwerden aber Forfait. Nun ist Arnold Forrer fürs Fest in Ossingen gemeldet. Ob der 43-Jährige aber tatsächlich antritt, wird sich erst am Wettkampftag selber zeigen. Der verletzungsgeplagte König von 2001, der seit 2017 nicht mehr richtig auf Touren kam, hat in der Vorbereitung nochmals hart geschuftet. Für seine definitiv letzte Saison, wie der Toggenburger angekündigte. Mit 147 gewonnen Kränzen hält er den Rekord bereits, 150 hat er sich zum Ziel gesetzt.
Steigt Forrer am Sonntag ins Sägemehl, wird er im Weinland allerdings nicht der älteste Schwinger sein. Zum Klub der Unverwüstlichen gehört auch der 109-fache Kranzgewinner Stefan Burkhalter, der längst eine Marke ist. Am 1. Juni wird der Thurgauer 48.
