Nach drei WM-Titeln ist für Neuenschwander Schluss
Sie hatte den Entscheid für sich schon lange getroffen, und ihr Team war auch informiert. Offiziell bekannt wird es aber erst jetzt: Esther Neuenschwander hört auf. Nach 18 Jahren Spitzensport hat die 38-jährige Gockhauserin genug. «Ich wusste schon lange, dass ich nicht noch einmal vier Jahre anhängen möchte», sagt Neuenschwander. «Ich hätte höchstens noch ein Jahr weitergemacht, wenn wir Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen geworden wären.»
Den WM-Titel holten die Schweizerinnen vor einem Monat zum dritten Mal – auf souveräne Weise ohne eine einzige Niederlage. Im Februar aber an den Winterspielen in Peking blieb für die Curlerinnen um Skip Silvana Tirinzoni nur der vierte Rang, nachdem sie die Round Robin noch als Erste abgeschlossen hatten. Die Niederlagen im Halbfinal und im Spiel um Bronze gehörten zu den bittersten Momenten in Neuenschwanders Karriere.
Der Titel aus dem Tal der Tränen
31.03.2022

Gockhauser Curlerin
Es waren die aussergewöhnlichsten Wochen ihrer Karriere: Curlerin Esther Neuenschwander hatte auf Beitrag in Merkliste speichern Womöglich denkt sie auch daran, wenn sie sagt: «Niederlagen tun unterdessen zu stark weh im Verhältnis zu dem, was mir Siege geben.» Doch das ist nur einer von verschiedenen Gründen für ihren Rücktritt. Oft hat sie sich in den letzten Wochen gefragt, ob der Entscheid wirklich der richtige ist, und es gab durchaus Momente, in denen sie wehmütig wurde. «Aber sobald ich mich frage, ob ich noch einmal Sommertraining machen will, ob ich weiterhin mehrmals pro Woche nach Biel zum Training fahren will, ist die Antwort klar: Nein.»
Deshalb erlebte sie in den letzten Wochen immer wieder emotionale Momente, wenn sie sich bewusst wurde, dass sie auf Abschiedstour ist. Viel hat sie erlebt in den 18 Jahren, «ich weiss nicht wo ich anfangen soll», sagt sie auf die Frage, was ihr in Erinnerung bleiben werde. «Es gab so viele gute Momente und Erlebnisse, im Grossen, aber auch im Kleinen.»
Der allerletzte Auftritt steht Neuenschwander aber noch bevor. Am 1. Mai geht es noch einmal nach Kanada an den Champions Cup, das letzte von über 40 Grand-Slam-Turnieren, die sie in ihrer Karriere bestritten hat.
Noch einmal will sie gewinnen
Und sie reist nicht nur zum Spass zur Derniere. «Wir wollen dieses Turnier gewinnen.» Noch einen letzten Erfolg feiern mit dem Team, aus dem auch die Bernerin Melanie Barbezat zurücktritt. Skip Silvana Tirinzoni, mit der Neuenschwander all ihre 18 Spitzensportjahre bestritten hat, und Alina Pätz wollen weitermachen. Noch ist nicht klar, in welcher Konstellation.
Neuenschwander hingegen spielt auch auf Klubebene nicht mehr. «Meine Schuhe hängen am Nagel», sagt sie. Die Gockhauserin kann sich vorstellen, sich in der Nachwuchsarbeit zu engagieren. «Ich habe Freude daran, wenn ich mit meinen Erfahrungen etwas bewirken kann.»
Was aber will Neuenschwander nun mit ihrer frei gewordenen Zeit tun? «Zuerst einmal will respektive muss ich mein Arbeitspensum erhöhen», sagt die Buchhalterin, «schliesslich habe ich die Hälfte meines Einkommens mit dem Curling generiert.» Und dann freut sich darauf, dass sie «die Jahreszeit, die ich mir blockiert habe, anders nutzen kann und selber darüber bestimme, wann ich mit wem wohin verreisen will.»
