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Davon dürfen die Oberländer träumen

Die Athleten des Schwingklubs Zürcher Oberland sind zurück im Sägemehl. Wer ist Hoffnungsträger, wer ein Versprechen für die Zukunft und welche Feste ragen für sie heraus? Ein Überblick.

Duell von Routiniers: Roman Schnurrenberger (rechts) und Fabian Kindlimann im Schlussgang des Bachtel-Schwinget 2021.

Archivfoto: David Kündig

Davon dürfen die Oberländer träumen

Die Zugpferde

Auf den breiten Schultern von Fabian Kindlimann (31), Roman Schnurrenberger (26) und Remo Ackermann (28) ruhen die grössten Oberländer Hoffnungen. Der Fischenthaler Kindlimann, dessen Onkel der zweifache Schwingerkönig Ernst Schläpfer ist, weist am meisten Routine auf. Und ist als 45-facher Kranzgewinner auch der Erfolgreichste des Trios.

Es wäre nicht überraschend gewesen, hätte der immer wieder von gesundheitlichen Problemen geplagte Eidgenosse den Rücktritt erklärt. Doch Kindlimann, der als einer der unbequemsten Gegner gilt, ist weiterhin motiviert. Er dürfte seine Kranzsammlung heuer vergrössern. Wie der Sternenberger Roman Schnurrenberger, der die Erfahrung von vier eidgenössischen Anlässen aufweist und bisher 17 Kränze gewonnen hat. 

Eine Doppelrolle bekleidet derweil Remo Ackermann. Er ist nicht nur Schwinger, sondern auch technischer Leiter. Er habe neuen Wind hinein gebracht, lobt Daniel Spörri. Der Präsident attestiert Ackermann viel Flair für die Position des Trainers und sieht in ihm ein glaubwürdiges Vorbild für die Jungen. «Er hat die Schwinger im Griff und kann sie motivieren.»

Probleme aufgrund der Doppelrolle sieht Spörri keine. Allenfalls könne ein technischer Leiter, der selber nicht mehr schwinge, die Athleten an Festen vielleicht etwas enger betreuen. Ackermann schaut zwischen seinen Gängen aber ebenfalls die Einsätze der Teamkollegen an. «Remo braucht nach einem Kampf nur ganz kurz, um sich zu sortieren.»

Roman Schnurrenberger (links) greift gegen Fabian Kindlimann an.
Der Hinwiler Remo Ackermann (rechts) muss sich wehren.

Die Zukunftshoffnung

Präsident Daniel Spörri hält grosse Stücke auf Gian Maria Odermatt. Und sieht den Ustermer als «Geheimkandidaten» für eine Teilnahme am Eidgenössischen. Der aufstrebende Odermatt begann als Fünfjähriger mit Schwingen, jetzt ist er 17. Schon mancher Gegner hat sich von ihm übertölpeln lassen.

Die Zukunftshoffnung sieht nicht nur jung aus, er wirkt auf dem Wettkampfplatz bisweilen völlig unbeteiligt. Sogar beim Gang ins Sägemehl, den er nicht mit energischen Schritten hinter sich bringt. Spörri sagt: «Er schlarpet viel eher hinein.»

Doch der erste Eindruck täuscht: Odermatt hat nicht nur Biss, sondern verfügt vor allem  auch über sehr viel Schnellkraft. Zudem ist er vielseitig, kann die Taktik immer wieder anpassen. 

2021 überraschte der Ustermer am Schaffhauser Kantonalen mit dem ersten Kranzgewinn bei den Aktiven. Dass er talentiert ist, war zu diesem Zeitpunkt aber kein Geheimnis mehr. Schliesslich war Odermatt im Nachwuchs «immer in den vordersten Rängen zu finden», wie Spörri sagt.

Beinahe hätte Odermatt letzte Saison sogar am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag im bernischen Schwarzenburg bei den 2004er-Jahrgängen triumphiert. Er verlor aber den Schlussgang.

Die Top 3

Ossingen, Balterswil und Pratteln – an diesen Orten finden die drei wichtigsten Feste für die Aktiven des Schwingklub Zürcher Oberland statt. Das Zürcher Kantonale macht dabei am 22. Mai den Auftakt. Bereits in diesen Tagen beginnen die Aufbauarbeiten für die Veranstaltung.

Der SKZO hat auf diese Saison hin mehr als eine Handvoll Aktivschwinger verloren. Personell ist er also deutlich dünner besetzt. «Das stecken wir weg», sagt Daniel Spörri. «Vier oder fünf Kranzgewinne» erhofft sich der Präsident am Kantonalen im Weinland gleichwohl. Das wäre mehr als im Vorjahr. In Stäfa realisierten lediglich Kindlimann, Schnurrenberger und Nicola Funk den Kranzgewinn.

Der Hinwiler Funk folgt in der internen Hierarchie denn auch unmittelbar hinter den drei arriviertesten Oberländern. Spörri glaubt daran, dass der 23-Jährige heuer den nächsten Schritt macht und sagt simpel: «Das kommt gut.» 

Dreimal sicherte sich Funk am Zürcher Kantonalen bereits den Kranz, am Nordostschweizerischen Schwingfest gelang ihm das noch nie. Dieses steht am 26. Juni auf dem Programm. Im thurgauischen Balterswil winkt NOS-Schwingern die Chance, sich die Zutrittskarte fürs Eidgenössische zu holen. Von einem «Gratisbillett» spricht Spörri und sagt über das NOS: «Wer hier den Kranz holt, ist am Eidgenössischen dabei.»

Er hofft, dass drei oder vier Oberländer zum etwas über 30-köpfigen Aufgebot des Nordostschweizerischen Teilverbands für den Saisonhöhepunkt in Pratteln am 27./28. August gehören. Kindlimann als Eidgenosse ist gesetzt, Schnurrenberger dürfte auch dabei sein, da die Resultate des Vorjahres ebenfalls berücksichtigt werden. Da gewann der Sennenschwinger auf dem Weissenstein seinen ersten Bergkranz der Karriere.

Der Bachtel-Schwinget

2020 strich der Schwingklub Zürcher Oberland seinen wichtigsten Anlass, 2021 führte er den Bachtel-Schwinget ohne Zuschauer durch. Und weil am selben Tag gleich drei Kranzfeste stattfanden, fehlten auf dem Kulm die bekannten Namen. Im Schlussgang duellierten sich Klubkollegen – Fabian Kindlimann behielt gegenüber Roman Schnurrenberger die Oberhand.

Heuer steht am 19. Juni die 89. Austragung des Traditionsanlasses an. Die Vorzeichen stimmen Präsident Daniel Spörri zuversichtlich. Es werden wieder Zuschauer zugegen sein. Zudem sprechen mehrere Gründe für ein namhafteres Teilnehmerfeld. Der Bachtel-Schwinget wird nicht mehr so stark von anderen Festen konkurrenziert wie 2021. Er ist Hauptprobe für das eine Woche später stattfindende NOS. Zudem dürfte der eine oder andere Schwinger im Vorjahr nicht nur von der speziellen Atmosphäre auf dem Oberländer Hausberg beeindruckt gewesen sein, sondern auch vom interessanten Gabentempel. Und erneut kommen.

Es ist sogar ein bisschen träumen erlaubt, dass der zum Aufsteiger des Jahres 2021 gekürte Damian Ott seine Aufwartung auf dem Bachtel macht. Der Kilchberger-Sieger führt das Schwingfest nicht nur auf seiner Website in der Agenda auf. Der Toggenburger Ott ist auch häufig im Tösstal anzutreffen – die Schwester des 1,95 m langen Schwingers mit Schuhgrösse 49 wohnt in Fischenthal.

Der Bachtel-Schwinget fand letztes Jahr unter besonderen Umständen statt.

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