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Sie passt perfekt zu diesem Mix

Alissa König lanciert ihre Saison mit einem speziellen Rennen. In diesem verschmelzen die virtuelle und die reale Welt miteinander.

Alissa König absolvierte einen Teil ihrer Vorbereitung auf Fuerteventura.

Foto: PD

Sie passt perfekt zu diesem Mix

Plötzlich ist sie eine der Hauptdarstellerinnen. Noch letzte Saison verfolgte Alissa König die Arena Games als Zuschauerin interessiert. Und dachte sich: «Da will ich unbedingt mal dabei sein.»

Die Dürntnerin findet das 2020 aus der Taufe gehobene Hallenformat sehr spannend. König glaubt, darin könnte die Zukunft des Triathlons liegen. Eine Teilnahme war bis vor wenigen Wochen aber nicht auf ihrem Radar. Auch weil man bisher zu den aufwendig vermarkteten Indoor-Anlässen eingeladen werden musste. 

Heuer aber können die nationalen Verbände Athletinnen und Athleten für die Wettkämpfe in München, London und Singapur vorschlagen. Die Wahl von Swiss Triathlon für den Auftakt vom Samstag in Deutschland fiel auf König. Nicht zufällig.

Die Oberländerin hat ihre Qualitäten über kurze Distanzen mehrmals eindrücklich unter Beweis gestellt. Beispielsweise im April 2021 beim entscheidenden Qualifikationswettkampf für den Olympia-Quotenplatz der Mixed-Staffel. König sagt: «Ich passe perfekt in diesen Wettkampftyp.» Und musste nach der Anfrage keine Sekunde überlegen, ob sie teilnimmt oder nicht.

Die E-Sports-WM-Serie besteht heuer aus drei Rennen. (Quelle: youtube.com)

16 Männer und 13 Frauen treten in München in der Schwimm­halle des Olympiaparks in getrennten Feldern an. Die zwei Qualifikationsläufe – der zweite mit Verfolgungsstart – sind kurz, aber intensiv. Es geht um je zehn Plätze in den Finals, die auf Eurosport live übertragen werden.

«Es ist eine ganz beson­dere Art von Rennen und ehrlich gesagt vielleicht eines der schmerzhaftesten Dinge, die ich je gemacht habe», erinnert sich Marten Van Riel, der belgische Weltranglistenzweite, an letztes Jahr.

Die Distanz ist dabei erheblich kürzer als nur schon bei regulären Sprintwettkämpfen. Pro Etappe schwimmen die Athletinnen und Athleten 200 Meter, legen vier Kilometer mit dem Rennvelo auf der Rolle zurück und anschliessend einen Kilometer auf dem Laufband.

Beide Disziplinen absolvieren sie auf Zwift, der ­weltweit grössten Plattform für virtuelle Trainings und Wett­kämpfe. So verschmelzen das ­reale und das virtuelle Renngeschehen des live gestreamten Anlasses miteinander. Und die Fans erhalten einen interessanten Einblick in die Leistungsdaten der Athletinnen und Athleten. 

Normalerweise trainiert König in der freien Natur, also weder auf der Rolle noch auf dem Laufband. «Monster» nennt die Oberländerin Letzteres, «weil laufen darauf so hart ist. Rund 30 Prozent anstrengender als draussen.» In den letzten Tagen vor den Arena Games war sie nun häufig auf der Rolle und dem «Monster», um möglichst gut vorbereitet zu sein. 

Alissa König trainierte im Vorfeld der Arena Games extra auf dem Laufband.

Mit ihren Gegnerinnen hat sie sich nicht auseinandergesetzt. König bleibt lieber bei sich selber. Die Ausgangslage sei offen, sagt die 26-Jährige. Und ist mit Blick auf den Modus überzeugt: «Es kann alles passieren.»

König hat sich den Finaleinzug zum Ziel gesetzt. Letztlich aber ist ihr Start am ersten von drei Anlässen der E-Sports-Weltmeisterschaftsserie primär ein intensives Training. Und auch eine gute Möglichkeit, weitere Erfahrungen zu sammeln. Die für sie zentralen Einsätze folgen später.

Olympia bleibt auf Distanz 

Mitte Mai fällt für König beim ersten Rennen der World Triathlon Championship Series im japanischen Yokohama der Startschuss in die Freiluftsaison. Die Dürntnerin packt sie mit viel Elan an. Sie hat 2021 ein ausserordentlich erfreuliches zweites Jahr bei der Elite erlebt.

Mit Platz 4 im tschechischen Karlsbad lief sie im Weltcup nicht nur erstmals nahe ans Podest. Ihr gelang damit auch das lang ersehnte Topresultat über die olympische Distanz. Zudem stiess König in der Weltrangliste unter die Top 100 vor und ist nun ins Schweizer B-Kader aufgestiegen.

«Diesen Stress möchte ich mir nicht antun.»
Alissa König mag nicht dauernd an Olympia denken

Das alles hat dazu geführt, dass die Triathletin jetzt über die Gewissheit verfügt: Sie kann den Sprung an die Olympischen Spiele 2024 schaffen.

Die Qualifikationsphase für die 55 Frauenplätze beginnt bereits am 27. Mai und dauert zwei Jahre. König hat das Gefühl, Olympia sei bei vielen jetzt schon dauernd präsent. Das ist nicht in ihrem Sinn. «Diesen Stress möchte ich mir nicht antun.»

Sie versucht, das Thema auf Distanz zu halten. Und hält sich an das einfache Muster, das als Leistungssportlerin sowieso immer zählt: Sie muss Resultate liefern. 

Schon wieder weg

Die Vorbereitung verlief derweil nicht frei von Störungen. König lag mehrere Tage krank im Bett. Und hat ihr Umfeld kurzfristig nochmals neu sortiert. Der Umzug von Dietlikon nach Sursee, wo seit November das Nationale Leistungszentrum (NLZ) an­stelle von Wallisellen ist, entpuppte sich als Fehler.

Der NLZ-Headcoach und die Triathletin fanden sich nicht. Und König realisierte schnell: «Ich brauche meinen Trainer.» Womit sie Nationalcoach Gordon Crawford meint. 

Die Oberländerin zog also aus Sursee weg. Und arbeitet wieder eng mit Crawford zusammen. Der 58-Jährige verlässt allerdings Ende Juni den Verband und kehrt in seine Heimat Schottland zurück.

König wird dennoch weiterhin von ihm betreut. Angedacht ist, dass sie für Trainingsblöcke zu Crawford reist. Vom schottischen Wetter lässt sie sich nicht abschrecken.

König ist abgehärtet. Dass sie wie in München beim Laufen und auf dem Velo ein Dach über dem Kopf hat, ist schliesslich die Ausnahme. 

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