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Sie lässt sich Zeit für ihren Weg

Milena Schnider ist in der Weltrangliste so hoch klassiert wie noch nie. Auf die Karriereplanung der 20-Jährigen hat das aber keinerlei Einfluss.

Erfolgreich gestreckt: Milena Schnider zeigte beim World-Tour-Turnier in Basel gute Leistungen.

Foto: Marco Kunz

Sie lässt sich Zeit für ihren Weg

Manchmal hat es durchaus Vorteile, überrascht zu werden. So wie im Fall von Milena Schnider. Die Ustermerin wäre unter normalen Umständen beim mit 200 000 US-Dollar dotierten Swiss Open in Basel nicht zum Handkuss gekommen.

Corona-­bedingte Absagen aber sorgten für Lücken im Feld. Die Veran­stalter griffen auf Spielerinnen zurück, die schon in der Schweiz weilten und sofort abrufbar waren. Schnider rutschte darum unerwartet in die Qualifikation.

Nicht einmal 24 Stunden, nachdem man sie über ihr Glück informiert hatte, stand Schnider in der St. Jakobshalle auf dem Feld. Die kurze Vorbereitung erwies sich als ideal. Die 20-Jährige spielte locker auf.

«Ich konnte mir im Vorfeld ja gar nicht ­allzu viele Gedanken machen», blickt sie zurück. Und wertet ihre Premiere an einem World-Tour-Turnier als Erfolg.

Freude an den Rückschlägen

Mit einem Zweisatzsieg über die favorisierte Ukrainerin Maryna Ilyinskaya stiess Schnider ins Hauptfeld vor, wo ein nochmals ganz anderes Kaliber wartete. Über 200 Plätze trennen die an 234. Stelle liegende Schnider und die Türkin Neslihan Yigit (30) in der Weltrangliste.

Die EM-Bronzemedaillengewinnerin von 2021 setzte sich in zwei Sätzen durch. Schnider genoss die Partie gleichwohl. Sie rückte dabei nicht von ihrer grundsätzlich offensiven Taktik ab. Im Bewusstsein, dass Topspielerinnen wie Yigit in der Lage sind, unter starkem Druck sehr gute Schläge zu produzieren.

«Da kommt halt extrem viel zurück. Das mal zu spüren, war cool.»
Milena Schnider

«Da kommt halt extrem viel zurück. Das mal zu spüren, war cool.» Schnider zieht viel Motivation aus den Basler Auftritten.

Sie will weiter an der Sicherheit in ­ihrem Spiel arbeiten. Und lernen, mehr Varianten unter Druck zur Verfügung zu haben – etwa mal cross zu spielen. Oder eine Ver­zögerung einzubauen. 
 

Im Jahr 2020 gewann Schnider den Sportpreis der Stadt Uster. (Quelle: youtube.com)

Schnider kennt ihre Defizite genau. Und hat eine klare Vorstellung davon, wie ihre weitere Entwicklung aussehen soll. In der Weltrangliste ist sie so gut klassiert wie noch nie. Das ist motivierend. Mehr aber auch nicht.

Schnider konzentriert sich nicht darauf, im Ranking möglichst schnell weiter nach oben zu kommen. Dafür müsste die momentan rund 20 Stunden pro Woche trainierende Spielerin wohl alles auf die Karte Badminton setzen.

«Mein Fokus in den nächsten anderthalb Jahren ist, mich spielerisch zu verbessern.»
Milena Schnider

Statt weiterhin am Zürcher Stützpunkt zu trainieren, wo sie eine individuelle Betreuung erhält, zu Hause wohnen kann und der ­Anfahrtsweg kurz ist, wäre der Wechsel ins nationale Leistungszentrum nach Bern unabdingbar.

Und was einschneidender wäre – sie müsste ein internationales Turnier ans andere reihen. Das wäre mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden. Preisgeld aber gibt es nicht für alle im Hauptfeld. Für ihre Erstrundenpartie in Basel erhielt Schnider keinen Rappen. 

Der Spagat ist nötig 

Vielleicht komme sie einst an den Punkt, an dem der Schritt ins nationale Leistungszentrum nötig sei, sagt Schnider, die 2021 ein halbes Jahr in London trainierte. Vorerst aber geht sie den eingeschlagenen Weg weiter.

Die zur nationalen Spitze zählende Spielerin ist realistisch. Als Schweizerin wird sie kaum je vom Badminton leben können. Im Herbst beginnt Schnider zu studieren. Zugleich verfolgt sie ihre sportlichen Ziele konsequent.

«Mein Fokus in den nächsten anderthalb Jahren ist, mich spielerisch zu verbessern», sagt sie. Vor allem mit viel Training. Und ausgewählten Einsätzen in Europa. Ihr Vorhaben: Sich in den drei tiefsten internationalen Turnierserien zu etablieren, um sich so das Niveau für höherklassige Events zu erarbeiten. 

Schnider will sich Zeit lassen. Im Gegensatz zu asiatischen Spielerinnen, die früh in grös­serem Umfang trainieren, erreichen viele Europäerinnen ihr Topniveau erst gegen Ende 20. Das weiss Schnider.

Die 20-Jährige sagt darum: «Bis dahin ist es noch sehr weit.» 
 

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