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Wenn die Hoffnung mitfährt

Lukas Rüegg, Kevin Kuhn und Felix Stehli packen die Strassensaison bei Teams der dritthöchsten Stufe an. An welchem Punkt der Karriere stehen sie? Und welches sind ihre Ziele? Eine Momentaufnahme.

Felix Stehli – der jüngste der drei Oberländer Fahrer in Continental-Teams., Lukas Rüegg möchte sich für ein grösseres Profiteam aufdrängen. , Die Rennen auf der Strasse sollen Kevin Kuhn helfen in seiner Spezialdisziplin Quer.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Wenn die Hoffnung mitfährt

Lukas Rüegg (25), Madetswil

Der Sportdirektor des Teams Vor­arlberg hält grosse Stücke auf ihn. Lukas Rüegg sei ein Wunschkandidat, sagte Werner Salmen nach dessen Verpflichtung im De­zember. Er fand, der Oberländer passe optimal ins Team, mache dieses stärker.

Und Rüegg? Er ist glücklich, zurück bei den Österreichern zu sein, für die er bereits 2018 fuhr. «Es sind alles gute Leute. Und sehr wichtig: Wir haben einen interessanten Rennkalender.»

Vor Ende April, Anfang Mai hat er aber noch gar keine Einsätze geplant. Rüegg weist einen deutlichen Rückstand in der Vorbereitung auf. Und sagt: «Ich muss jetzt erst einmal drei, vier Wochen am Stück gut trainieren.»

Das Jahr begann für den Veloprofi, der 2021 mit dem Schweizer Nationalteam die Tour de Suisse bestritt, alles andere als ideal. Er musste sich Ende Februar an der Kniesehne operieren lassen. Auf dem Rad sass er lange kaum, dafür war er häufig in der Loipe. Trocken sagt er: «Nur mit Langlauftraining gewinnst du keine Velorennen.»

«Entweder klappts. Oder es klappt nicht.»

Die letzten drei Jahre war ­Rüegg bei der Swiss Racing Academy engagiert. Die aber setzt künftig vor allem auf U23-Rennen, weshalb der Madetswiler den Continental-Rennstall verliess. Der erhoffte Aufstieg ist ihm mit dem Wechsel zum Team Vorarlberg nicht gelungen. Dieses ist ebenfalls auf dritthöchster Stufe gemeldet.

Rüegg hätte gerne zumindest bei einem Pro-­Continental-Team Unterschlupf gefunden. «Ich war lange in guten Gesprächen.» Am Schluss stand er dennoch mit leeren Händen da. Und spricht im Zusammenhang mit dem Team Vorarlberg offen von der Option B.

Seine grössten Erfolge feierte Rüegg auf der Bahn. 2020 holte er mit dem Schweizer Bahn­vierer EM-Bronze, 2019 einen Weltcup-­Sieg. Sein Hauptaugenmerk aber gilt seit Längerem dem Strassenradsport. Hier will er sich für ein grösseres Profi-Team aufdrängen. Nicht in die Karten gespielt hat ihm die erneute Verletzung, nachdem er schon 2021 einige Zeit ausgefallen war.

Solche Ereignisse führten dazu, dass er sich Gedanken über die Zukunft machte. Seit er aber wieder schmerzfrei fahren kann, ist die Motivation zurück. «Ich schaue, wie es 2022 läuft, will nochmals alles probieren.» Rüegg gibt sich gelassen: «Entweder klappts. Oder es klappt nicht.» 

Kevin Kuhn (24), Gibswil

Sein bevorzugtes Revier ist unwegsames Gelände: Kevin Kuhn ist der beste Schweizer Radquerfahrer. Das Hauptaugenmerk des Gibswilers gilt auch künftig dem Quersport. Letztes Jahr aber bestritt er erstmals eine Strassensaison. Kuhn folgte damit dem Beispiel der Top-Querfahrer, die sich konsequent beiden Disziplinen verschreiben.

Nun kehrt er wohl Ende April bei der Tour de Bretagne auf die Strasse zurück. Der Oberländer fährt noch immer für dasselbe Team, das nun EF Education-Nippo Development Team heisst. Und neu die Nachwuchsmannschaft des fast gleichnamigen amerikanischen World-Tour-Rennstalls ist.

«Um Erfahrungen zu sammeln, ist die Mannschaft perfekt», sagt Kuhn. Was er besonders schätzt: Der im Winter grösstenteils in Belgien lebende und viel herumreisende Velo­profi kann die Strassensaison von der Heimat aus bestreiten. Er trainiert im Oberland, die Basis des Continental-Teams befindet sich im thurgauischen Lanterswil – im Haus von Sportdirek­tor Marcello Albasini. 

Mit der Tour de Suisse und der Türkei-Rundfahrt absolvierte der «Neuling», wie er sich selber noch immer bezeichnet, letztes Jahr gleich zwei Mehretappenrennen auf sehr hohem Niveau. Und hat viel darüber gelernt, wie Strassenrennen funktionieren. «Über die Vorbereitung, Taktik, auch wie man sich positionieren muss – darüber hatte ich schon viel gehört, es selber aber ja noch nie ­angewendet.»

«Ich will mich auch mal in einem Rennen zeigen, in einem Finale dabei sein.»

Kuhn ist sich im Klaren: Er ist in seiner Equipe weiterhin der Fahrer, der am wenigsten Erfahrung auf der ­Strasse hat. Darum sieht der 24-Jährige bei sich auch noch viel Potenzial. «Ich will mich weiter verbessern. Mich auch mal in einem Rennen zeigen, in einem Finale dabei sein.»

Kuhn hat nicht den Anspruch, möglichst bald zu einem höherklassigen Rennstall zu wechseln. Seine Pläne sind langfristig. Ideal wäre für ihn, später einmal im Sommer und Winter für denselben Arbeitgeber unterwegs zu sein.

Kuhn muss nicht gross suchen, um eine solche Kombination zu finden. Der Tösstaler steht in seiner Paradedisziplin beim belgischen Team Tormans unter Vertrag – das ist der Quer-Ableger des World-Tour-Rennstalls Intermarché-Wanty-­Gobert Matériaux.

Felix Stehli (21), Gibswil

Zwei Einsätze hat Felix Stehli diese Saison bisher absolviert. Zum Auftakt fuhr der Gibswiler ein Eintagesrennen in der Türkei, zuletzt die viertägige Olympias Tour. Sein Verdikt zum Start in Holland: «Das war eine harte Erfahrung. Die Strecke tätschflach. Das Feld immer megahektisch. Und es wurde brutal schnell gefahren.»

Zur letzten Etappe konnte Stehli dann wegen Fieber nicht mehr antreten, nachdem zuvor ein Teamkollege nach dem anderen ausgefallen war. Es sind Erfahrungen wie jene in Holland, die ihn weiterbringen dürften. 21 Jahre jung ist Stehli. Und damit noch am Anfang der Karriere.

Nationaltrainer Michael Albasini attestierte dem Tösstaler viel Talent, bezeichnete ihn als einen der stärksten Schweizer seines Jahrgangs. Stehli ist ambitioniert. Der ausgebildete Zimmermann setzt vorerst voll auf die Karte Sport. «Mein Ziel ist, für die Saison 2023 einen Profi-Vertrag zu erhalten.» Er traut sich zu, einst auf höchster Stufe zu fahren. Weiss zugleich aber auch, dass nicht eine Autobahn da hinführt, sondern viel eher ein steiniger Weg. «Jetzt brauchts Geduld», sagt er deswegen.

«Ich muss mir zutrauen, Rennen zu gewinnen.»

Auf diese Saison hin hat Stehli einen Vertrag auf dritthöchster Stufe beim EF Educa­tion-Nippo Development Team erhalten. Also bei jenem Rennstall, bei dem mit Kevin Kuhn ein anderer Tösstaler engagiert ist. Die beiden wohnen in Gibswil in Blickdistanz zueinander, trainieren immer wieder miteinander – und werden ab dem 25. April gemeinsam die Tour de Bretagne fahren. 

Wie sein drei Jahre älterer Teamkollege kommt Stehli aus dem Quersport. Beide hatten ­lange mit dem ehemaligen Mountainbiker Florian Vogel denselben Trainer. Stehli hat diese Zusammenarbeit mittlerweile beendet und setzt jetzt auf Bosseau Boshoff. «Ich erhoffe mir dadurch neuen Wind.» Der Südafrikaner Boshoff ist einer der sportlichen Leiter in Stehlis Team. Der Austausch mit ihm ist dadurch sehr eng, auch die Formsteuerung ist einfacher, da Boshoff Einfluss auf die Rennplanung nehmen kann.

Stehlis Saisonaufbau verlief derweil nicht ohne Komplikationen. Der Oberländer musste im November operiert werden, um einst eingesetzte Wachstumsklammern im linken Knie wieder zu entfernen. Wobei der Eingriff nicht ideal lief. Jetzt ist Stehli ­wieder beschwerdefrei – und voller Tatendrang. «Das Niveau ist hoch», anerkennt der Neuling, «aber die Aufgaben sind nicht unlösbar.»

Etwas Akklimatisierungszeit dürfte er benötigen. Stehli sagt, er müsse sich ver­bessern, stärker werden. «Auch mental. Ich muss mir zutrauen, Rennen zu gewinnen. Das ist ­momentan noch relativ weit weg.»

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