Am liebsten hätte sie gleich die Laufschuhe geschnürt. Wäre von ihrer Wohnung in Wetzikon aus einfach losgerannt Richtung Pfäffikersee. Getrieben von Glücksgefühlen. Und dem Drang, ihren «Energieüberschuss hoch zehn», zumindest etwas abzubauen.
Doch Fabienne Schlumpf gab ihrem Verlangen nicht nach. Nur ja nichts überstürzen. Obwohl sie ab sofort wieder das tun darf, was sie am liebsten macht: laufen. Bei aller Euphorie aber ist sich Schlumpf bewusst: «Ich muss vorsichtig sein, gut auf meinen Körper hören.»
Die beste Schweizer Marathonläuferin hat nach Tests von ihren Ärzten grünes Licht fürs Lauftraining erhalten. Schlumpf hat die längsten drei Monate ihres Sportlerinnenlebens hinter sich. Anfang Januar hatte die Wetzikerin publik gemacht, an einer Herzmuskelentzündung zu leiden. Und musste all ihre sportlichen Pläne streichen. Am Montag kann sie aufatmen: «Mein Herz ist wieder gesund.»
Die Erleichterung der besten Schweizer Langstreckenläuferin ist beinahe mit den Händen greifbar. Für einmal ringt die Frohnatur gar kurz um Worte – ehe es nur so aus ihr heraussprudelt. «Ich freue mich mega. Auf meinen ersten Dauerlauf. Darauf, endlich wieder mit meiner Trainingsgruppe zu trainieren. Obwohl ich sie wohl nur von hinten sehen werde.»
Beim Gedanken daran lacht sie und versichert: «Nur schon dabei zu sein wird grossartig sein.» Wie genau sie ins Training zurückkehrt, wann sie Umfang und Intensität steigern kann – Schlumpf hat keine Ahnung. Auch von der Rückkehr ins Wettkampfgeschehen träumt sie nicht einmal. «Das macht keinen Sinn.» Der Ansatz der Läuferin ist simpel: «Mal steigern und schauen, wie es geht.»

