Der Final soll für den EHCW nur ein Zwischenhalt sein
«Geduld» steht auf einem der Zettel, die der Staff im Aufgang von der Garderobe zum Feld in der Wetziker Eishalle aufgeklebt hat. Es ist eine Eigenschaft, die der EHC Wetzikon am Donnerstag in der «Belle» gegen Bellinzona tatsächlich brauchte. Der Oberländer Erstligist wirkt blockiert, scheint die zweite Chance aufs Finalticket ebenfalls wegzuwerfen.
Erst ab Spielhälfte und in Schieflage (0:2) erwacht er gegen die hartnäckigen Tessiner, die auch im fünften Duell ein äusserst unangenehmer Gegner sind. Nun wehrt er sich gegen das drohende Saisonende. Mit sechs Toren in etwas mehr als einer Viertelstunde wenden die Wetziker die Begegnung. Und zeigen in dieser Phase, wie viel Qualität in ihnen steckt, wenn sie mit Emotionen spielen.
Der Jubel über den Einzug in den Ostschweizer Final, in dem ab Samstag der EHC Frauenfeld wartet, ist danach gross. Die Erleichterung fast mit Händen greifbar. «Dass wir das noch hingebracht haben», staunt Christian Modes in einer ersten Reaktion, ehe er vom Charakter seiner Mannschaft schwärmt.
Tags darauf ist der Trainer noch immer aufgekratzt. Er hat nicht viel geschlafen, «die vielen Emotionen, all die Aufregung», begründet er.
Dabei hat der EHCW im Prinzip noch nichts geschafft – aber er kann immerhin seine Ziele weiterhin erreichen. Um in die höchste Amateurliga MSL aufzusteigen, müssen die Oberländer den Schweizer-Meister-Titel der 1. Liga gewinnen.
Modes wiederholt, was er seiner Mannschaft direkt nach dem Bellinzona-Spiel mitgeteilt hatte: «Der Ostschweizer Final soll nur eine Zwischenstation sein. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln. Wir bringen zu Ende, was wir begannen.»
Der Gegner soll Favorit sein
Worauf Modes anspielt: Wetzikon gegen Frauenfeld ist die Wiederauflage des Finals von 2020. Der EHCW führte damals mit 2:1-Siegen, ehe die Saison pandemiebedingt abgebrochen wurde. Auf den Tag genau vor zwei Jahren gewannen die Wetziker auswärts die erste Partie der Best-of-5-Serie 3:2. Heuer kann der EHCW zu Hause starten, da er als Zweiter die Qualifikation einen Rang vor den ebenfalls aufstiegswilligen Thurgauern beendete.
Der Wetziker Captain Nicolas Marzan ist überzeugt: «Das wird eine enge Serie.» Trainer Modes sagt derweil zur Finalpaarung: «Wir sind im Strumpf, wollen natürlich gewinnen.» Gleichwohl schiebt er dem Gegner die Favoritenrolle in die Schuhe. Vier ausgeglichene Linien bringe dieser aufs Eis, argumentiert er.
Die Breite im Kader der Thurgauer zeigt sich denn auch beispielhaft in der Offensive. Gleich zehn Spieler haben in den Playoffs ähnlich viele Skorerpunkte gesammelt. So ausgeglichen sind die Verhältnisse im EHCW nicht. Bei ihm produzieren vor allem die ersten zwei Sturmformationen, allen voran die Angreifer Gian Andrea Thöny und Brent Buchmüller.
Der Weg ist noch lang, darum als Motivationshilfe ein Blick zurück ins Jahr 2018. Damals holten die Wetziker den Schweizermeistertitel der 1. Liga. (Quelle: youtube.com)
Dafür haben die Oberländer in diesen Playoffs schon deutlich mehr Widrigkeiten überwunden als die Frauenfelder. In der Serie gegen Burgdorf setzten sie sich einmal in der Verlängerung durch, einmal sogar erst im Penaltyschiessen.
«So etwas ist immer hilfreich», sagt Modes. Und gewinnt den zwei Niederlagen gegen Bellinzona ebenfalls Positives ab. «So haben wir alles schon mal erlebt.»
Frauenfelder Spielweise hilft
Die Spielweise der Frauenfelder kommt dem EHCW zugute. Burgdorf und Bellinzona setzten auf eine massierte Defensive und Konter, die Thurgauer hingegen auf ihre Spielstärke. Sie werden angreifen, nicht abwarten. Das führt zu freien Räumen.
Nur punktuell mit voller Energie aufzutreten, wie es Wetzikon zuletzt verschiedentlich tat, dürfte aber nicht zum Erfolg führen. «Gegen Frauenfeld nur 20 Minuten richtig zu spielen, reicht nicht», mahnt Modes. «Wir müssen von Anfang an das Feuer hineinbringen. Der Biss muss da sein.»
«Unser Vorteil ist, dass wir im Rhythmus sind. Diesen Vorteil müssen wir im ersten Spiel nutzen.»
Nicolas Marzan, Captain EHC Wetzikon
Der EHC Frauenfeld jedenfalls dürfte bereit sein. Je länger die Qualifikation dauerte, desto stärker wurden die Ostschweizer. Dasselbe Bild zeigte sich in den Playoffs: Frauenfeld begann die Viertelfinals gegen Herisau mit einer Niederlage, seither hat die Mannschaft von Andreas Küng nur noch gewonnen. Zuletzt schaltete sie im Halbfinal Luzern souverän 3:0 aus.
Sie seien durchspaziert, sagt EHCW-Verteidiger Marzan dazu. Und folgert daraus: «Sie hatten nun eine Woche Pause. Unser Vorteil ist, dass wir im Rhythmus sind. Diesen Vorteil müssen wir im ersten Spiel nutzen.»
