Auf den EHCW wartet der Favoritenschreck
Den ersten Schritt haben sie gemacht. Wobei Christian Modes diesen als besonders schwierig einschätzte. Nicht wegen Gegner Burgdorf. Sondern ganz einfach darum, weil der Trainer des EHC Wetzikon der Ansicht ist, die Viertelfinals seien immer die komplizierteste Serie.
Mit 3:0-Siegen hat der Oberländer Erstligist, der in die höchste Amateurliga MSL aufsteigen will, die Aufgabe gelöst. Er konnte dadurch ein paar Tage durchatmen und neue Kräfte sammeln, bevor es am Dienstag in der Halbfinal-Serie (Best of 5) gegen Bellinzona weitergeht.
Aus dem klaren Viertelfinal-Ergebnis nicht herauslesbar ist derweil, dass der EHCW gegen die Emmentaler in den ersten zwei Partien auch Glück brauchte. Den Auftakt gewann er im Penaltyschiessen, die nächste Begegnung in der Verlängerung.
Viel wichtiger aber ist die Erkenntnis: Die spielerisch sehr starke Mannschaft hat in den Playoff-Modus schalten können. Sie trat sehr solidarisch auf, zeigte grosse Nehmerqualitäten.
Wie sie sich in Burgdorf nach dem zwischenzeitlichen 2:5-Rückstand aufrappelte, verdient Anerkennung. Und es zeigt auch, was mit Leidenschaft und Siegeswillen alles möglich ist.
Das sehen die Wetziker Fans besonders gerne: Timon Vesely schliesst einen Angriff erfolgreich ab. (Quelle: youtube)
«Wir müssen einfach gewinnen, egal, wie», lautet die grundsätzliche Marschrichtung von Modes für die Playoffs. Nicht die Art des Auftritts, lediglich das Ergebnis zählt. Der Gegner mag in den Halbfinals ein anderer sein, die Ausgangslage aber ist dieselbe geblieben.
Der EHCW geniesst Heimrecht. Und packt die Serie gegen die GDT Bellinzona ebenfalls in der Favoritenrolle an. Die Tessiner beendeten die Qualifikation auf Platz 8. Sie sicherten sich erst in der letzten Runde ihren Platz in der K.-o.-Phase.
Unterschätzen aber wird man die als äusserst unangenehmen Gegner bekannten Tessiner beim EHCW sicher nicht. «Die sind jetzt euphorisch», war sich Modes nach dem späten Playoff-Einzug von Bellinzona schon vor den Viertelfinals sicher. Und hat recht behalten.
Ein gelungener Start in die Serie würde die Wetziker Aufgabe erleichtern.
Das Team des langjährigen Trainers Nicola Pini (10. Saison) betätigte sich in der ersten Playoff-Runde mit dem Ausschalten von Qualifikationssieger Pikes Oberthurgau als Favoritenschreck. Alle Partien endeten 3:2, zwei davon gewann der Underdog in der Overtime.
Das spricht nicht nur dafür, dass dieser unbeschwert aufspielen konnte, sondern auch für seine Nervenstärke. Letztere ist durchaus erklärbar: Bellinzona stellt eine sehr routinierte Mannschaft. Der Altersschnitt liegt bei fast 26 Jahren. Zwei der Leistungsträger – Vitaly Lakhmatov und Pietro Juri – sind beispielsweise schon 40.
Bedeutsamer aber als das Alter ist, dass in Pinis Team zahlreiche Spieler über viel Nationalliga-Erfahrung verfügen. Es sind genau jene Protagonisten, die entscheidende Impulse setzen können.
Zwei Sorgenkinder
Obwohl im Durchschnitt jünger, muss sich der EHCW in diesem Bereich allerdings keineswegs verstecken. Captain Nicolas Marzan, «Teamsenior» Timon Vesely oder Topskorer Brent Buchmüller, um nur einige Namen zu nennen, verfügen ebenso über sehr viel Playoff-Erfahrung.
«Diese Spieler gehen voran, reissen die Mannschaft mit», sagt Modes. Ein gelungener Start in die Serie würde den Wetzikern die Aufgabe erleichtern.
Zwei wichtige Faktoren dafür: Disziplin und defensive Stabilität. Letztere war gegen Burgdorf mit Ausnahme der Auswärtspartie durchaus gut. In der dritten Partie liess der EHCW beispielsweise bis zur Schlussphase nur sehr wenig zu, kassierte aber dann doch noch drei Gegentore in knapp zehn Minuten. Das geht bei engen Spielständen ins Auge.
Steigerungspotenzial ist auch in den Spezialsituationen vorhanden. Die Wetziker weisen die schwächste Penaltykilling-Quote aller Viertelfinalisten auf. In jedem dritten Boxplay kassierten sie ein Gegentor.
Und im Powerplay – schon in der Qualifikation keine Waffe – war der EHCW zu harmlos. Lediglich zweimal traf er. Einfacher wird es gegen Bellinzona mit Sicherheit nicht. Die Tessiner kassierten gegen die Pikes insgesamt nur sechs kleine Strafen – sie überstanden sie alle schadlos.
