«Ich habe gerade erst angefangen»
Andere an seiner Stelle hätten wohl längst aufgegeben. 2019 meisterte der Wildberger Adrian Kübler erstmals 5,10 m – danach aber blieben weitere Verbesserungen aus. Die nationale Nummer 2 liess sich von der Durststrecke nicht beirren und trainierte akribisch weiter.
Küblers Hartnäckigkeit hat sich ausbezahlt. Zweimal innert kurzer Zeit verbesserte der 24-jährige Oberländer zuletzt seinen persönlichen Bestwert. Bei 5,25 m steht er neu. Jetzt winkt dem Studenten nicht nur der erste Meistertitel in der Halle. Kübler bieten sich auch interessante Perspektiven für die Freiluftsaison.
Vor drei Jahren übersprangen Sie 5,10 m. Seither gelang keine Verbesserung mehr. Das muss zum Verzweifeln gewesen sein.
Adrian Kübler: (lacht) Verzweifeln ist nicht das richtige Wort. Ich brauchte sehr viel Geduld. Aber ich glaubte immer an mich. Es nervte einfach, dass ich meine Fähigkeiten an Wettkämpfen nicht abrufen konnte. Darum ist es ein mega Befreiungsschlag.
Was hielt Sie bei der Stange?
So banal es tönt: Ich habe Freude daran. Ich liebe es zu trainieren, unabhängig vom Ziel. Im Training machte ich Fortschritte. Allein das Gefühl beim Springen hat sich verbessert. Ich kann im Training nun quasi im Schlaf über 5 m springen. Diesen Prozess habe ich sehr genossen. Und ich habe ein tolles Umfeld. Viele Leute freuten sich mit mir, lobten meinen Durchhaltewillen.
Innerhalb von zwei Wochen steigerten Sie den Bestwert zweimal und um insgesamt 15 Zentimeter. Warum ist Ihnen der längst erwartete Leistungssprung genau jetzt gelungen?
Es gibt nicht den einen ausschlaggebenden Punkt dafür, es war eine Frage der Zeit. Den ersten Bestwert sprang ich am Wochenende vor den Semesterprüfungen. Ich wollte einfach Spass im Wettkampf haben. Bei der zweiten war die mentale Stärke ausschlaggebend. Ich war extrem überzeugt, 5,25 m zu überspringen. Dafür musste ich auf einen härteren Stab umstellen, mit dem ich erst vier- oder fünfmal sprang. Ich musste mich überwinden. Dass ich es im ersten Sprung schaffte, macht mich sehr glücklich.
Das höchste der Gefühle für Kübler ist, wenn die Latte oben bleibt. (Quelle: youtube)
Sie sprachen die mentale Stärke an. Wie haben Sie daran gearbeitet?
Ich beschäftigte mich mit Visualisierungen und Atemtechniken. Dazu bin ich älter und erfahrener geworden. Ich legte eine grosse Konstanz hin, sah die letzten zwei Jahre den Fortschritt. In jedem Training wurde es einfacher, schön zu springen. Das ist natürlich förderlich.
Welche Höhe peilen Sie als nächstes an?
5,30 m ist der Hallenrekord meines Trainers Patrick Schütz. Mein Ziel ist aber 5,36 m. Damit würde ich alles in einem erledigen – den Rekord von Schütz brechen und in die Top Ten der Schweizer Allzeitbestenliste einziehen.
Die Schweizer Allzeitbestenliste wäre eine grosse Wegmarke.
Definitiv. Jetzt heisst es dranbleiben. Ich habe erst angefangen (lacht). Und Hunger auf mehr. Mir ist aber auch wichtig: Es hat sich lange hingestreckt bis zu meinen jüngsten Erfolgen. Ich sollte sie darum auch feiern.
«Erstmals habe ich realistische Chancen auf einen SM-Titel.»
Adrian Kübler
Die Hallensaison endet am 26./27. Februar mit den Schweizermeisterschaften in Magglingen. Was haben Sie sich dafür vorgenommen?
Titelverteidiger Dominik Alberto ist verletzt. Ich führe die Bestenliste heuer an. Erstmals habe ich realistische Chancen auf einen SM-Titel. Im Stabspringen aber kann viel passieren. Ich bekomme sicher nichts geschenkt.
Was bedeutet Ihre Entwicklung nun für die Freiluft-Saison?
In der Halle kann man jedes Mal unter denselben Bedingungen springen. Diese Konstanz ermöglicht hohe Sprünge. Die letzte Freiluftsaison war komplett verregnet. Ich schaue nun aber sehr zuversichtlich Richtung Sommer – wenn ich das jetzt Erreichte mitziehen kann. Die 5,36 m muss ich ja nicht im ersten Wettkampf springen. Das ist ein Ziel fürs ganze Jahr.
