«Ich ging noch nie so entspannt in die Läufe»
Sie sind bei Ihrer Olympia-Premiere auf Rang 9 gefahren. Wie zufrieden sind Sie?
Natalie Maag: Ich bin überglücklich. Das hätte ich mir nicht erträumen lassen. Vor allem dachte ich nach dem dritten Lauf nicht einmal, dass ich den 10. Platz halten könnte. Wir waren vier, fünf Athletinnen, die sehr eng beieinander lagen. Genau darum messen wir beim Rodeln in Tausendsteln. (lacht)
Sie machten im letzten Lauf einen Rang gut, haben ein Olympisches Diplom aber auch um einen Platz verpasst. Wie stark fuchst Sie das?
Eigentlich ist mir das in diesem Moment egal. Vor allem auch, wenn ich alle Faktoren miteinbeziehe. Der schwierige Start in die Saison, dass es meine ersten Spiele waren und dann diese lange Bahn. Und es fehlen ja auch fünf Zehntel auf Platz 8. Ich freue mich einfach extrem, dass mir vier gute Läufe gelungen sind. Und ich zum Saisonhöhepunkt mein bestes Resultat schaffte.
Haben Sie eine Erklärung für Letzteres?
Bei den Weltcups hockt man ständig im Hotel in Einzelzimmer rum. Man studiert an den Bahnen rum, zerlegt die Fahrten, denkt ständig ans Rodeln. Hier im Olympiadorf erlebte ich so viel Cooles. Ans Rodeln dachte ich nur an der Bahn. Ich genoss das Fahren sehr. Ich glaube, ich ging noch nie so entspannt an Läufe heran wie hier.
Sie kannten die Olympiabahn besser als fast alle Ihre Gegnerinnen, da Sie bei der Homologierung dabei waren. Wie konnten Sie davon profitieren?
Natürlich spielte es mir in die Karten, dass ich schon zum dritten Mal hier war. Konkrete Vorteile hatte ich dennoch keine. Im November war die Bahn viel schwieriger als jetzt. Ich brachte die Umstellung aber gut hin und fand zu meiner alten Stärke zurück. Die Trainer sagen jeweils, ich sei wie ein Schweizer Uhrwerk, weil ich sehr konstant fahre. Das ging mir Anfang Saison völlig ab. Hier fand ich zu dieser Konstanz zurück, das freut mich am meisten.
Julia Taubitz ist ein gute Kollegin von Ihnen. Die Deutsche stürzte im 2. Lauf. Wie stark hat Sie das mitgenommen?
Das mache ich sonst eigentlich nicht, aber ich verfolgte ihre Fahrt. Deshalb sah ich den Sturz auf dem Bildschirm. Danach war es totenstill im Starthaus, obwohl es kein besonders schwerer Sturz war. Natürlich nahm er mich mit. Aber ich musste mich auch auf mich konzentrieren. Das brachte ich gut hin.
Was nehmen Sie von Ihrer Olympia-Premiere mit?
Sehr vieles. Ich realisierte beispielsweise, dass man ruhig bleiben muss. Mit dem heutigen Tag ist meine Saison vorbei. Nächste Woche beginne ich in Oberhof aber wieder zu trainieren für die nächste. Ich will ja weiterkommen.
