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Nur nichts überstürzen

Natalie Schär träumt nicht vom schnellen Aufstieg in den Weltcup. Sie will sich genug Zeit nehmen für diesen Schritt.

Natalie Schär peilt in ihrer zweiten Europacup-Saison an, «ein paar Finaleinzüge zu schaffen».

Foto: PD

Nur nichts überstürzen

Eigentlich wäre Natalie Schär am Wochenende gerne in Italien gewesen. Doch die Europacup-Rennen im Trentino wurden gestrichen. Das fuchst die Nänikerin.

Weil sie ihren Sport logischerweise nicht wegen des Trainings, sondern wegen der Wettkämpfe betreibt. Ganz besonders aber auch, weil sie positive Erinnerun­gen an ihren letzten Aufenthalt in Passo San Pellegrino hat.

­Mitte März raste Schär erstmals auf zweithöchster Stufe aufs ­Podest. Dritte wurde die frühere Alpinfahrerin. Und setzte damit zum Ende ihres ersten kompletten Europacup-Winters ein Zeichen. 

Nun peilt die 21-Jährige den nächsten Entwicklungsschritt an. Die ins C-Kader aufgestie­gene Athletin will «ein paar Finaleinzüge schaffen». Und hat sich zum Ziel gesetzt, die Europacup-Gesamtwertung in den Top 4 zu beenden.

Das sind ehrgeizige Pläne. Ob sie diese umsetzen kann, hängt nicht allein von ihren Leistungen ab. Ein wichtiger Faktor ist ebenfalls, wie viele der üblicherweise im Weltcup engagierten Fahrerinnen kurzfristig eine Stufe tiefer antreten. Und da für mehr Konkurrenz sorgen. 

Unzufrieden mit dem Start

Beim Europacup-Auftakt im November in Pitztal bestand das Feld aus 27 Fahrerinnen. Neben Schär waren drei weitere Swiss-­Ski-Athletinnen dabei – Saskja Lack (21), die Europacup-Gesamtsiegerin des vergangenen Winters, sowie Margaux Dumont (19) und Marie Karoline Krista (19).

Sie klassierten sich allesamt vor Schär, die mit ihrem Start in den Winter denn auch alles andere als zufrieden ist. «Es wäre mehr dringelegen», sagt sie nach dem 11. Platz. 

Die Oberländerin blieb als Dritte in ihrem Viertefinal-Run ​hängen. Dabei war sie in der entscheidenden Szene schneller als die in diesem Lauf letztlich zweit­klassierte Französin My­lene Baz Ballet.

Schär sah ihre Chance allerdings zu spät, wobei ihr wohl auch die Courage für den Angriff gefehlt hätte, wie sie vermutet. Die junge Skicrosserin sagt, das seien genau jene zwei Punkte, an denen sie intensiv zu arbeiten habe.

«Chancen zum Überholen sehen und mich dann auch getrauen.»

Routine ist dafür wichtig. Aber es braucht auch Selbstvertrauen. Dieses gehe ihr bisweilen ab, sagt Schär offen. Und zieht die Vorbereitung in Saas Fee als Beispiel heran.

Sie habe für die grossen Sprünge viel Überwindung gebraucht. «In diesem Bereich ist noch viel Luft nach oben.»

Verzicht aufs Weltcup-Debüt

Die Nänikerin, die dank ihrer Zeit als Alpinfahrerin eine gute Grund­ausbildung auf den Ski genossen hat, will sich die nötige Zeit dafür geben. Von einem schnellen Aufstieg in den Weltcup, wo die Kurse schwerer sind, träumt sie nicht.

Sie sieht ihren Weg realistisch. Es gehe jetzt ­darum, erst das für die höchste Stufe erforderliche Niveau zu ­erreichen. Und darum, die Ver­letzungsgefahr zu minimieren. 

«Mein Fokus liegt auf dem Europacup. Es nützt mir viel mehr, da in jedem Rennen ein paar ­Heats zu fahren als im Weltcup die Qualifikation zu verpassen», sagt sie.

Wie kam Natalie Schär zum Skicross? Und was fasziniert sie an der Sportart? Antworten dazu im Interview. (Quelle: youtube)

Am 13. Dezember hätte Schär beim Heimweltcup in ­Arosa Weltcup-Luft schnuppern können. «Es hätte mich natürlich gereizt.»

In Absprache mit ihren Trainern verzichtet sie. Tags dar­auf steht am Europacup im französischen Val Thorens die Qualifikation an. Diese geniesst Priorität. 

«Wenn ich vom Fahren heimkomme, kann ich einfach mal relaxen. Das tut gut.»

Natalie Schär

Schär dürfte sie ausgeruht anpacken. Im Sommer hat sie an der United School of Sports ihre KV-Lehre abgeschlossen. Weil sie danach nicht zügig eine Arbeitsstelle fand, setzt sie vorerst voll auf den Sport.

Das bringt Vor­teile. Feilt sie nicht mit dem Team im Schnee am Start, an der Kurventechnik oder an Sprüngen, ist sie in ihrer Trainingsplanung völlig frei.

Mindestens ebenso wichtig ist, dass Schär nun deutlich mehr Zeit für die Erholung hat: «Wenn ich vom Fahren heimkomme, kann ich einfach mal relaxen. Das tut gut.» 

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