Die Konstanz ist für ihn zentral
Vor dem Abflug in den Norden hat Sebastian Stalder am Dienstag noch einen kurzen Abstecher ins Zürcher Oberland gemacht. Um sich von der Mutter daheim in Wald die Haare schneiden zu lassen.
Nicht etwa, weil der mittlerweile im Bündnerland lebende Biathlet mit zu langen Haaren zu kämpfen hatte. Sondern um vorzubeugen, wird Stalder in nächster Zeit doch kaum dazu kommen, einen Coiffeur zu besuchen.
Einen Monat lang ist der Oberländer nun weg von zuhause. Bis Weihnachten stehen vier Weltcupstationen auf dem Programm. Stalders erster Halt ist Östersund.
In der fünftgrössten Stadt Schwedens beginnt am Samstag die Weltcup-Saison mit einem Einzelrennen über 20 km. «Ich habe das Gefühl, die Form ist so, wie sie sein müsste», freut sich Stalder.
An den zwei internationalen Testrennen in Idre (SWE) von Mitte November tankte er Zuversicht. Im Sprint klassierte sich der 23-Jährige als bester Schweizer auf dem 7. Rang, tags darauf wurde er im Einzel Zehnter.
Die Resultate waren ein Befreiungsschlag. Und verschafften ihm die nötigen Argumente, um einen der fünf Weltcup-Plätze zu erhalten, die Swiss-Ski für den Saisonauftakt in Schweden vergab. Wobei den Schweizern in den Rennen jeweils vier Startplätze zur Verfügung stehen.
Stalder hatte zwischenzeitlich daran gezweifelt, im grossen Schweizer Team genügend Konkurrenten hinter sich lassen zu können. In internen Wettkämpfen war es ihm nicht optimal gelaufen, den traditionellen Leistungsvergleich am Nordic Weekend Anfang September hatte er nach einem Sturz auf den Rollskis gar verpasst.
Wenn nicht jetzt, dann 2026
Umso grösser ist seine Erleichterung, den Winter auf höchster Ebene beginnen zu können. Dieser steht ganz im Zeichen der Olympischen Spiele. Und auch Stalder sagt: «Die Spiele sind natürlich das grosse Ziel des Jahres.»
Der Walder schätzt seine Chancen, im Februar in Peking dabei zu sein, als durchaus intakt ein. Unnötig unter Druck setzen will er sich deshalb aber nicht. Stalder ruft sich stattdessen lieber in Erinnerung: 2026 würde mit Olympia in Italien die nächste Gelegenheit auf ihn warten.
Er steht in der Frühphase seiner Karriere, packt erst die zweite Saison in der Elite an.
An einer möglichen Olympiateilnahme in China studiert er denn auch nicht ständig rum. «Ich will vor allem gut in die Saison steigen», hat er sich vorgenommen. Und sagt, konstante Leistungen abrufen zu können sei für ihn zentral.
«Eigentlich fehlt meistens nicht so viel.»
Sebastian Stalder
Stalder will auf die durchzogene letzte Saison reagieren, in der er Ende Januar den Platz im Weltcup-Team verlor und in den IBU-Cup musste. Da gelangen ihm einige gute Resultate, das stärkte sein Selbstvertrauen.
«Ich hoffe dennoch, nun keinen Schritt mehr zurückmachen zu müssen und die ganze Saison im Weltcup bleiben zu können.»
Die Sekunden in der Loipe
Um dieses Ziel zu erreichen, muss Stalder seinem Potenzial entsprechende Leistungen zeigen. Der im Aufgebot für Schweden zweitjüngste Schweizer braucht dafür aber auch Startgelegenheiten, um sich entwickeln zu können. Er sagt: «Ich hoffe, so viele Rennen laufen zu können wie möglich.»
Schon vor drei Jahren feierte der B-Kader-Athlet sein Debüt im Weltcup. Ein Topresultat blieb ihm bisher aber verwehrt. Besser als letzte Saison mit Platz 60 in Kontiolahti war er nie. «Eigentlich fehlt meistens nicht so viel», findet Stalder. Und sagt, mal ein Ausrufezeichen zu setzen «wäre cool».
Sebastian Stalder erklärt, was ihn an seiner Sportart fasziniert. (Quelle: youtube)
Um in der höchsten Wettkampfserie reüssieren zu können, in der eine enorme Leistungsdichte herrscht, müssen allerdings alle Puzzleteile perfekt passen. Material, Treffsicherheit und Tempo im Schiessstand sowie die Langlaufleistung.
In der Loipe hat der Oberländer am meisten Luft nach oben. Da verlor er zuletzt im Schnitt auf die Weltbesten pro Kilometer rund zehn Sekunden. «Wenn ich den Wert etwas nach unten drücken kann, wäre das super.»
Das Rätsel scheint gelöst
Stalder ist optimistisch, dass ihm das gelingt. In der Vorbereitung lief es ihm in der Loipe sehr gut. Das gibt ihm Mumm. Wie auch der Umstand, dass er nun wohl den Grund dafür gefunden hat, warum er sich in den letzten drei Jahren praktisch in jedem Rennen übergeben musste.
Eine sehr starke Schleimbildung dürfte für den Würgereiz verantwortlich sein. Stalder probiert nun mit einem neuen Nasenspray, die Schleimbildung zu unterdrücken. Er ist gespannt. «Mal schauen, ob es funktioniert.»
