Auf dem Sprung zu Olympia 2024
Einfach losfahren. Ohne Ziel. Immer dem guten Wetter nach. Alissa König hat sich enorm auf die Woche mit einer Kollegin im Wohnmobil gefreut.
In dieser kann die Triathletin nach den vielen durchstrukturierten Tagen der letzten Monate die Seele baumeln lassen, die Batterien neu laden. «Für mich ist es megawichtig, mich mental abzulenken», sagt König über ihre dreiwöchige Pause.
Geplant war diese ursprünglich später. Die Dürntnerin hätte ab Freitag an der Sprint- und Mixed-Team-Staffel-WM starten sollen. Doch die Titelkämpfe auf den Bermudas wurden pandemiebedingt vor Kurzem gestrichen. Sehr zum Leidwesen von König. «Die Absage war sehr hart.»
So war für die Triathletin die Saison nach der EM in Valencia am 25. September abrupt zu Ende gegangen. Und mit einem enttäuschenden 24. Platz, an dem sie länger zu kauen hatte. Sie sagt gar: «Das war das schlechteste Rennen der Saison.»
Die Form hätte zu einem Topresultat gereicht, ist König überzeugt. Aber nach den vielen unfair geführten Positionskämpfen im Schwimmen stieg sie völlig frustriert aus dem Wasser und schaffte es nur in die dritte Velogruppe.
Immerhin gelang es ihr danach, «die negative Energie in die Beine umzuwandeln». Auf der Laufstrecke waren nur 13 Konkurrentinnen schneller.
Am Schluss zählen an Meisterschaften wie einer EM oder WM die Resultate. Dass sich König im Verlauf des Rennens in Portugal wieder fangen konnte, ist dennoch ein gutes Zeichen.
Die Oberländerin ist robuster geworden. Und sie hat in ihrer Entwicklung nochmals einen Schritt gemacht. «Auch im Vertrauen in mich selber», wie sie findet.
Schöne Begleiterscheinung
König ist in der Weltrangliste erstmals in die Top 100 vorgestossen, rangiert aktuell auf Position 99. Überbewerten will sie den Aufstieg indes nicht.
Er sei vielmehr eine schöne Begleiterscheinung ihrer Resultate. «Wenn man performt, verbessert man sich.»
«Ich konnte zeigen: Ich bin da. Habt mich auf dem Radar.»
Alissa König
Nach dem zweiten Jahr in der Elite fällt ihre Bilanz denn auch sehr positiv aus. König hat ihre Stellung im Schweizer Team verbessert. Die in der internen Hierarchie an vierter Stelle liegende C-Kader-Athletin hat sich gegenüber den hinter ihr liegenden Triathletinnen etwas abgesetzt.
Und sich vor allem auch für die im nächsten Jahr beginnende Olympia-Qualifikation der Spiele 2024 in Paris in Stellung gebracht. Sie sagt: «Ich konnte zeigen: Ich bin da. Habt mich auf dem Radar.»
Zwei Wettkämpfe stechen aus Königs Saison hervor. Ihr Einsatz mit der Schweizer Mixed-Staffel im Mai in Lissabon. Da rechtfertigte die Dürntnerin ihre Nomination mit einer starken Leistung. Sie legte den Beweis ab, dass sie unter Druck liefern kann.
Ein Platz auf dem Podest war von den Schweizern gefordert, um in Tokio je zwei Olympia-Quotenplätze pro Geschlecht zu haben sowie mit der gemischten Staffel starten zu können. Als Startläuferin übergab König auf Platz drei, den das Schweizer Quartett letztlich auch belegte.
Im September gelang der 25-Jährigen in Karlsbad dann als Vierter ihr bestes Weltcup-Resultat der Karriere. Notabene über die olympische Distanz, auf der ihr bisher keine Topleistung gelungen war. Mit unschöner Regelmässigkeit war sie auf der 10 km langen Laufstrecke jeweils nach hinten gerutscht, quasi vom Feld überrollt worden.
Anders in Tschechien. König führte das Feld zwischenzeitlich gar an. Wobei sie einmal kurz fragend zum Begleittöff blickte, um sich zu versichern, ob alles seine Richtigkeit hat.
«Ich meinte ernsthaft, ich renne falsch», sagt sie und lacht. Endlich ist der Knopf über die olympische Distanz aufgegangen, König ist erleichtert.
Die gelungene Saison hat ihr viel Selbstvertrauen verschafft. Und sie realisieren lassen: Die Olympia-Teilnahme 2024 ist nicht mehr einfach nur ein Traum, sondern machbar. «Das gibt einen Extrapush.»
Ein Umzug mit Folgen
König hat zahlreiche Gründe, zuversichtlich nach vorne zu blicken. Allenfalls nimmt sie die neue Saison bereits Anfang November mit dem Rennen der Championship-Series in Abu Dhabi in Angriff.
König wäre zu diesem Zeitpunkt aber erst wenige Wochen wieder im Training, deshalb zögert sie noch mit einem Beschluss.
Deutlich folgenschwerer ist sowieso der Entscheid, wo die Oberländerin künftig trainiert und lebt. Bisher war ihr Set-up perfekt. Sie wohnte in Dietlikon – vom Flughafen und vom nationalen Leistungszentrum in Wallisellen einen Katzensprung entfernt.
Ab Anfang November ist das Leistungszentrum allerdings neu in Sursee. Das zwingt König zu einer Auslegeordnung.
Die Triathletin wägt ihre Optionen behutsam ab. Und fragt sich: Was brauche ich, um den nächsten Schritt in der Entwicklung machen zu können? Sind es ausländische Trainingspartner?
Noch sind die Würfel nicht gefallen, König aber sieht zumindest eine Tendenz. Sie sagt: «Ich habe das Gefühl, es geht ins Ausland.»
