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Jetzt ist der «Babybonus» weg

Mehr Rennen, noch bessere Resultate: Kevin Kuhn will im Weltcup regelmässig in die Top Ten fahren.

Mit dem Sieg am internationalen Quer in Illnau legte Kevin Kuhn einen gelungenen Saisonstart hin.

Foto: Robert Pfiffner

Jetzt ist der «Babybonus» weg

Der Abstecher über den grossen Teich vor zwei Jahren? «Ein Abenteuer.» Kevin Kuhn muss bei der Erinnerung daran lachen.

Er habe alles eigenhändig organisieren müssen, sagt der Gibswiler. «Es ist aber doch ganz gut rausgekommen.»

Sechs Querrennen bestritt Kuhn 2019 innerhalb eines Monats in den USA. Wobei der damalige Nachwuchsfahrer in Ermangelung einer U23-­Kategorie in Iowa City sein Weltcup-Debüt in der Elite feierte. Respektabler 19. wurde er.

Ein Ergebnis, das ihn diesen Oktober kaum mehr zufriedenstellen dürfte, wenn er zum Abschluss der drei Weltcup-Rennen in den USA innerhalb von nur acht Tagen erneut in Iowa City antritt. 

Längst ist der Oberländer, der den kommenden Übersee-Trip nicht mehr selber organisieren muss, an einem anderen Punkt in der Karriere angekommen. Er hat sich zum besten Schweizer Fahrer entwickelt. Und letzte Saison den Schritt zur Elite ohne Anlaufschwierigkeiten absolviert.

Kuhn belegte im Gesamtweltcup den 10. Platz. «Es lief ziemlich gut», fasst er das Premierenjahr auf höchster Stufe zusammen. «Jetzt will ich einen Schritt weiterkommen.» 

Die Voraussetzungen dafür hat der 23-Jährige. Der Tösstaler hat den Vertrag beim Team Tormans gleich um zwei Jahre verlängert. Und sich dabei vertraglich eine noch bessere Betreuung an den Rennen zusichern lassen.

Er fühlt sich bei den Belgiern wohl, bei denen der vierfache Querweltmeister Bart Wellens Sportchef ist. Druck von Teamseite spürt der Gibswiler keinen.

«Sie wollen schon ein paar gute Resultate sehen, sind aber realistisch. Das ist ein langfristiges Projekt.» Sein «Babybonus» sei jetzt allerdings weg, sagt Kuhn und lacht.

Die Angewöhnung fällt weg

Ihm steht dieselbe Wohnung wie letzten Winter in der flämischen Stadt Geel zur Verfügung. So kann er wiederum mit Teammitgliedern oder anderen Top-­Fahrern auf hohem Niveau trainieren.

Und die Anreisen an die zahlreichen Weltcups in Belgien, dem Stammland des Quersports, verkürzen sich erheblich. Die Angewöhnung an die neue Umgebung, die ihm einiges an Energie kostete, fällt nun weg. 

26 Querrennen hat Kuhn letzten Winter bestritten – so viele wie noch nie. Körperlich und mental fühlte er sich gegen Ende der Saison denn auch ausgelaugt. Heuer plant er mit noch mehr Einsätzen, der Fokus liegt auf dem Weltcup sowie der Superprestige-Serie.

«Durch die Strassensaison habe ich jetzt eine bessere Grundlage.» 

Kevin Kuhn

Der Oberländer fühlt sich dafür bereit. Erstmals hat er im Sommer aufs Renn­velo gesetzt – wie beispielsweise Quer-­Gesamtweltcup-Sieger Wout van Aert oder Querweltmeister Mathieu van der Poel.

Kuhn stand beim drittklassigen Team Nippo unter Vertrag, sammelte 3000 Rennkilometer und fuhr sogar die Tour de Suisse. Topresultate gelangen ihm zwar keine. Und er ist sich bewusst, noch viel lernen zu müssen. Er sagt aber auch: «Durch die Strassensaison habe ich jetzt eine bessere Grundlage.» 

Drei Wochen feilte Kuhn zuletzt mit seinem Team in Livigno an der Form. Mit dem Sieg beim internationalen Quer in Illnau hat er sein Wettkampfprogramm am Sonntag in Angriff genommen.

So forsch der Oberländer im Gelände auftritt, bei der Formu­lierung seiner Ziele ist er etwas zurückhaltender. Er wolle sich eigentlich nicht auf einzelne Resultate fixieren, sagt Kuhn. Um dann doch preiszugeben, dass er im Weltcup gerne regelmässig in die Top Ten fahren würde.

Wie realistisch das ist? «Megaschwierig» einzuschätzen, findet der Schweizer Meister und Gewinner der letzten Crosstour. «Ich weiss, ich bin zwäg. Aber wie gut? Und wie gut sind die anderen in Form? Und haben einige gar Riesenschritte gemacht?», wirft er einige Fragen in den Raum. 

«Ich konzentriere mich auf mich. Damit habe ich genug zu tun.»

Kevin Kuhn

Erste Antworten erhält der U23-Vizeweltmeister von 2020 beim Weltcup-Auftakt am 10. Oktober. Kuhn steigt als Schweizer Zugpferd in die Saison, auf ihm ruhen die Hoffnungen. Auch wenn er davon selber nichts wissen will.

«Ich konzentriere mich auf mich. Damit habe ich genug zu tun.» Der Querspezialist blendet die Erwartungen an ihn aus, die er im Prinzip gleich selber geschürt hat.

Mit guten Resultaten, seinem Anspruch, in der von Belgiern und Holländern dominierten Sportart einst um Spitzenplätze kämpfen zu können. Vor allem aber auch mit der Kom­promisslosigkeit, mit der Kuhn seinen Weg geht.

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