Das Leiden ist ihm anzusehen, als er im Zielbereich aufkreuzt. Eine letzte Kurve noch. Jens-Michael Gossauer ballt kurz die Fäuste, klatscht mit Maskottchen Bernie ab.
Immer langsamer wird der durchnässte Bäretswiler, dann hört er auf zu rennen, schreitet langsam über die Ziellinie. Einmal noch hebt er kurz die Arme zum Jubel. Dann übermannen ihn die Emotionen, er muss sich vornüberbeugen.
Gossauer kommen die Tränen – vor Erleichterung, selbstverständlich aber auch vor Freude. Zwei Jahre, nachdem er an den Langstrecken-Weltmeisterschaften in Zofingen überraschend auf den 2. Platz gelaufen ist, wird er am Sonntag am selben Ort erneut Vizeweltmeister.
Für den Erfolg hat er sich völlig verausgabt, ist ans Limit und bisweilen auch etwas darüber hinaus gegangen. Sechs Stunden und 19 Minuten braucht er bei sehr schwierigen Wetterbedingungen mit Dauerregen und tiefen Temperaturen für die zwei Laufstrecken (10 und 30 km) sowie die 150 km lange Radstrecke.
In einer ersten Reaktion sagt Gossauer, er habe noch an keinem Tag im Leben so gelitten. 24 Stunden später hat sich das Mitglied des Schweizer Duathlon-Nationalkaders von den Strapazen bereits sehr gut erholt. «Aber ich habe wahnsinnig Muskelkater.»

