Die Nati sorgt im Chesselhuus für ein Wechselbad der Gefühle
Schon eine Stunde vor Spielbeginn treffen die ersten Gäste im Chesselhuus ein. Sie alle wollen am Public Viewing den EM-Viertelfinal Schweiz gegen Spanien schauen.
Unter den Besuchern sind auch Mirella und Amir aus Volketswil mit ihren zwei Kindern. Mirella ist zuversichtlich: «Sie können jeden besiegen. Das hat die Mannschaft am Montag bewiesen.» Ihr Mann ist etwas kritischer: «Gegen Spanien wird es ganz hart.»
Kurz vor Anpfiff trudeln die letzten Gäste im Chesselhuus ein. Nun ist fast jeder Platz besetzt. Die Anspannung steht einigen ins Gesicht geschrieben. Die Schweizer Nationalmannschaft startet offensiv ins Spiel und sobald sich eine Torchance anbahnt, wird es laut.
Umso ungläubiger reagieren viele, als die Spanier in der achten Minute das erste Tor erzielen. Beziehungsweise nicht ein Spanier. Es ist ein Eigentor von Denis Zakaria. Die ersten Fäuste landen auf dem Tisch. «Das kann doch nicht sein», ruft ein Mann in die Menge.
Die Stimmung kühlt merklich ab. «Es spielt die Schweiz, man weiss nie, was sie noch alles liefern können», meint Manuel aus Volketswil. «Es kann immer noch alles passieren», bleibt er nach rund 25 gespielten Minuten optimistisch.
Das Spiel scheint danach vor sich hinzuplätschern. Die Unterhaltungen an den Tischen werden lauter, der Fokus liegt nicht mehr bei allen beim Spiel. Die erste Halbzeit hatten sich die meisten wohl anders vorgestellt.
Viele nutzen die Gunst der Stunde und holen Nachschub an der Bar. Dort beschäftigt ist auch Reto Schaufelberger. Der Betreiber des Chesselhuus scheint keine ruhige Minute zu haben. Nur kurz hat er Zeit einige Fragen zu beantworten. Er ist mit dem Anlass zufrieden: «Etwa 240 Gäste sind hier.» Viel mehr Platz hätte es nicht mehr.
«Die erste Halbzeit war schwach, aber sie können das aufholen.»
David aus Turbenthal
Kurz vor der Pause ist Schaufelberger zuversichtlich, dass die Schweizer das Spiel noch drehen können. Diese Meinung teilen viele Gäste. So auch David aus Turbenthal: «Die erste Halbzeit war schwach, aber sie können das aufholen.» Ein anderer Zuschauer pflichtet ihm bei. «Es kommt schon gut. Aber es sind einige Auswechslungen nötig.»
«Hopp Schwiiz» für den Ausgleich
Kurz nach dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit trudeln die letzten Gäste wieder in den Saal. Die Stimmung ist weiterhin angespannt. Fast keine Szene auf dem Spielfeld sorgt für eine Gemütsregung bei den Zuschauern.
Und dann kommt in der 68. Minute die Erlösung. Xherdan Shaqiri trifft zum Ausgleich. Der Jubel ist gross. Und die Stimmung ist wieder da. Nun sind die Augen wieder auf der Leinwand gerichtet.
In der 77 Minute kommt erneut Unmut auf. Der Schiedsrichter zückt nach einem Foul die rote Karte. Das Spiel ist für den Hinwiler Remo Freuler vorbei. Die Schweiz ist nun mit einem Mann weniger auf dem Platz. Das Unverständnis in Pfäffikon ist gross: «Das ist gelb, nicht rot», flucht ein Zuschauer.
Nun passiert im Spiel nicht mehr viel. Die Blicke sind gespannt auf die Leinwand gerichtet, als sich die Schweiz in die Verlängerung rettet. Die Anspannung liegt in der Luft. Die Zuschauer scheinen zu realisieren, dass die Schweiz nun mit einem Mann weniger auf dem Platz unter Druck ist. Der Jubel, selbst bei Chancen oder guten Paraden, hält sich zunächst in Grenzen.
Sommer-Highlight
Erst in der 100. Minute kommt wieder Stimmung auf, als Yann Sommer eine Topchance der Spanier vereitelt. Nun wird wieder gejubelt, wenn der Schweizer Hintermann Schuss um Schuss der Spanier abwehrt. Und so geht es in der zweiten Hälfte der Verlängerung weiter. Die Stimmung ist wieder ausgelassen. Die Zuschauer jubeln für die defensive Topleistung, die die Nati ins Penaltyschiessen bringt.
Nun stehen die meisten Fans. Gross ist der Jubel, als Sergio Busquets den ersten Elfmeter an den Pfosten hämmert. Doch spätestens als mit Manuel Akanji der zweite Schweizer Schütze scheitert, werden die meisten nervös. Gespannt schauen die Zuschauer auf die Leinwand und skandieren «Sommer, Sommer», als der Spanier Mikel Oyarzabal zum entscheidenden Schuss ansetzt – und den Elfmeter versenkt. Aus ist der Traum vom Halbfinal.
Zwar applaudieren die meisten noch obligat für die gute Leistung der Schweizer Nationalmannschaft, doch die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Dementsprechend schnell verlassen die meisten Zuschauer die Halle.
«Natürlich ist die Stimmung nicht gut, aber wir können auch stolz sein auf die Leistung der Nationalmannschaft», meint Matchbesucherin Céline. «Es ist gut, dass die es überhaupt so weit geschafft haben.» Und ich ihr Freund Justin pflichtet ihr bei. Und für ihn hatte die EM ein besonderes Highlight: «Yann Sommer!»
